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Borna Weltenbummler sammeln mit Kindern in Neukieritzsch Müll
Region Borna Weltenbummler sammeln mit Kindern in Neukieritzsch Müll
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00:39 16.04.2018
Die dritte Klasse der Grundschule Neukieritzsch beim Müllsammeln mit Chistopher Butsch und Armim Schmidt (hinten v. li.) und Klassenlehrerin Christiane Fiebig (re.). Quelle: André Neumann
Neukieritzsch

Wenn die Kinder einer ganzen Grundschulklasse mit Freude und Begeisterung durch die Büsche streifen und Müll einsammeln, den andere achtlos weggeworfen haben, dann muss es dafür schon einen besonderen Ansporn gegeben haben. In Neukieritzsch sind es Christopher Butsch (27) und Armin Schmidt (30), die die Leidenschaft bei den Kindern geweckt haben. Und den Ehrgeiz, Umweltschützer zu werden.

Fünf Monate in Osteuropa unterwegs

Die beiden Freunde, die aus Wittenberg stammen, haben sich vor über einem Jahr ein Umweltprojekt ausgedacht. Nach einem Test an einer Schule in ihrer Heimatstadt sind sie damit zu einer fünfmonatigen Fahrradtour durch Osteuropa aufgebrochen.

An Schulen unter anderem in Albanien, Georgien, der Türkei und im Himalaya-Gebirge haben sie auf einfache Weise Kindern erklärt, warum Recycling eine gute Sache ist und warum Müll in der Landschaft Tieren und Menschen schadet. Sie haben mit den Kindern Müll gesammelt und aus Plastikflaschen und alten Socken Blumentöpfe für Sonnenblumen gebastelt. Seit ihrer Rückkehr sind sie an hiesigen Schulen mit dem Projekt unterwegs.

Dessen Symbolfigur ist Tim Turtle, eine kleine grüne Schildkröte. Christophers Oma hat schon mehr als 30 Stück davon gehäkelt, außerdem wird sie auf Sticker gedruckt. „Schildkröten leben an Land und im Wasser“, sagt Armin. „Deswegen sind sie von der Umweltverschmutzung doppelt betroffen.“ In der Theorie-Einheit zeigen die beiden jungen Männer den Neukieritzscher Kindern unter anderem das Foto einer Schildkröte, in deren Panzer ein hartes Kunststoffband eingewachsen ist, in welches das Tier, als es noch kleiner war, hineingeraten sein muss.

Kinder sind heiß darauf, Müll einzusammeln

In den ersten 90 Minuten lernen die Kinder, dass es billiger und umweltfreundlicher ist, Kunststoff, Papier und Glas wiederzuverwenden, um Kunststoffartikel, Papier und Glasflaschen daraus zu machen. Und sie erfahren, wie viel Unheil achtlos weggeworfener Müll anrichten kann. So vorbereitet, sind Eike, Lucia, Casey, Kevin, Marietta, Paul, Nora und die anderen Kinder aus der dritten Klasse schließlich ganz heiß darauf, Müll einzusammeln.

Ausgestattet mit Handschuhen, Eimern und Schubkarre ziehen sie los in Richtung Spielplatz an der Straße der Einheit. Schon auf dem Weg dahin finden sie die ersten Papierfetzen, Plastiktüten und jede Menge Reste des vergangenen Silvesterfeuerwerks. Hinterm Spielplatz an der Böschung zur Bundesstraße liegt so viel Unrat herum, dass alle Eimer und die Schubkarre in Windeseile voll sind. Und immer noch finden die Kinder alles mögliche zwischen Bäumen und Büschen. Alles ist gar nicht zu schaffen.

Schließlich wird kreativ gebastelt

Zumal noch Teil drei des spannenden, außergewöhnlichen Schultages mit Christopher, Armin und Tim Turtle wartet: Aus einer in der Mitte aufgeschnittenen Plastikflasche, Stoffresten und einem Trinkhalm entsteht ein genialer Blumentopf, in dessen Erde ein paar Sonnenblumen-Samen gelegt werden. Dass das auch in Neukieritzsch funktioniert, erfahren die beiden Weltenbummler von Schülern der Klassen, die in den letzten Wochen schon dran waren.

„Bei mir sind drei Stängel gewachsen“, ruft ein Mädchen den beiden jungen Männern zu. Die offenbar bleibenden Eindruck hinterlassen. „Hallo Christopher“, rufen Jonas und einige andere in der Pause auf dem Schulhof dem Grundschullehrer zu. Während Armin, der Ingenieur ist, mit ein paar Jungs Fußball spielt.

Von André Neumann

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