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Borna Weniger Geld von der EU
Region Borna Weniger Geld von der EU
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15:16 19.05.2015
Landwirt Thomas Eydner führt in Flößberg einen Familienbetrieb. Quelle: Thomas Kube

Ziel ist ein einheitliches bundesdeutsches Niveau. Für größere Betriebe bedeutet das, sich auf weniger Geld einzustellen. Mehr kriegen nur jene, die unter 30 oder 46 Hektar Fläche bewirtschaften. Doch selbst Wiedereinrichter im Haupterwerb bewirtschaften in der Region ein Mehrfaches. Sie zahlen künftig drauf.

"Diese Politik wird der Entwicklung der Wettbewerbsfähigkeit nicht gerecht." Wolfram Rühle, Vorstandsvorsitzender der Agrargenossenschaft Pötzschau, hat eine klare Meinung zur neuen Flächenprämie. Dass sie sein Unternehmen schlechter stellt als bisher, sei nicht einmal der entscheidende Punkt. Mit dem neuen Modell verstärke die EU noch einmal die Bürokratie und treibe Kosten in die Höhe. Sei es da nicht besser, auf diese ganzen Umverteilungsszenarien zu verzichten und statt dessen die Erlöse zum Maßstab zu nehmen, fragt Rühle, der zugleich aber weiß: "Marktgerechte Erlöse würden die Preise verändern." Heißt: Lebensmittel würden teurer.

Weil die EU die pro Hektar gezahlte Flächenprämie in mehreren Stufen korrigiert, muss das Pötzschauer Unternehmen, das in Rötha sitzt und das die Fluren um Rötha, Espenhain, Mölbis und Dreiskau-Muckern bewirtschaftet, ab dem nächsten Jahr bis 2020 auf eine Menge Geld verzichten. "Fünfstellig reicht da nicht aus", sagt Rühle mit Blick auf das erwartete Defizit, das er am Ende auf 16 Prozent des Umsatzes beziffert. Der reine Marktfruchtbetrieb, der Getreide, Körnermais, Raps, Zuckerrüben und Zwiebeln produziert, kann das nicht einfach so wegstecken. "Es fällt schwer, überhaupt noch Einsparungen vorzunehmen", so der Vorstandsvorsitzende. Dennoch komme man nicht umhin, müsse noch effizienter wirtschaften, noch modernere Technik einsetzen, noch höhere Qualitäten erzielen. Zu Lasten der 25 bis 30 Mitarbeiter werde das aber nicht gehen. Vielleicht, sagt Rühle, berge der neuerliche Druck sogar eine Chance: einen Anreiz, der einen Vorsprung ermögliche.

"Drastische Einschnitte werden wir nicht haben", prognostiziert Thomas Eynder. Der Flößberger führt ein Familienunternehmen, in dem Mutter und Vater mitarbeiten und das nach der Wende neu gegründet wurde. Der Betrieb gehört zu den kleinen im Bornaer Land, trotzdem fördert das neue Prämiensystem ihn nicht, sondern zwingt zu Verzicht. Auf 250 Hektar Fläche wachsen Raps, Gerste, Weizen, Rüben - und Futter für die Mutterkuhherde. Eydner setzt auf Simmentaler Fleckvieh. Die veränderten Prämien nützten vor allem jenen Regionen mit traditioneller kleinbäuerlicher Struktur, wie sie im Süden und Südwesten der Republik ausgeprägt sei. Hierzulande fielen allenfalls Nebenerwerbs-Landwirte aufgrund ihrer Betriebsgröße darunter. Kosten senken zu müssen, das sei doch Tagesgeschäft, sagt der 31-Jährige: "Ich denke, wir kommen mit einem blauen Auge davon." Und einen Bonus zumindest gebe es für ihn: Junge Landwirte, jene unter 40 Jahren, bekämen einen Aufschlag.

Die Hälfte aller bundesdeutschen Landwirtschaftsbetriebe bewirtschafte deutlich mehr als 50 Hektar, stellt Siegfried Runkwitz, einer der Geschäftsführer der Osterland Agrar GmbH Frohburg, klar. Die neuen Prämien erhöhten folglich den Druck auf die Unternehmen vor allem im Osten, und auch der Bauernstand müsse den Druck erhöhen: den auf die Politik nämlich. "Für die Ausgestaltung des geplanten bundeseinheitlichen Hektar-Satzes ist noch viel politische Arbeit nötig", so Runkwitz. Die Osterland Agrar GmbH betreibt Ackerbau und Viehzucht, produziert Milch und Kartoffeln. "Wir müssen unsere Produktion auf das Modernste und Effektivste ausbauen", so Runkwitz. Bei all dem aber gelte: Ob groß oder klein - "der Bauernstand darf sich nicht auseinander bringen lassen".

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 15.11.2013
Ekkehard Schulreich

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