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Borna "Wenn Sie uns brauchen, sind wir da"
Region Borna "Wenn Sie uns brauchen, sind wir da"
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17:40 19.05.2015
Polizeipräsident Bernd Merbitz Quelle: André Kempner

Er gab einen Überblick über die neue Struktur der PD und ging auf die Kriminalitätsstatistik ein.

Die neue Polizeidirektion Leipzig ist mit 3000 Bediensteten die größte im Freistaat. Auch die Reviere haben sich verändert. Das in Borna wurde in der Fläche und auf 180 Mitarbeiter vergrößert. In Groitzsch und Umgebung gab es im vergangenen Jahr 505 Straftaten. Zum Vergleich: 2011 waren es 451. 2010 lag die Zahl bei 396. Es ist also ein Anstieg zu verzeichnen, und die Aufklärung von knapp 50 Prozent befriedigt nicht, sagte Merbitz.

Wie in anderen ländlichen Kommunen gebe es gehäuft Wohnungseinbrüche sowie Diebstahl von Autos, Diesel und Buntmetall. Die Zahl der Körperverletzungsdelikte sei dagegen stark zurückgegangen. Im vergangenen Jahr wurden in Groitzsch 20 Fahrräder gestohlen, in Leipzig waren es 5500.

Auch Rauschgiftdelikte seien rückläufig. Im Vorjahr zählte die Statistik in Groitzsch zwölf dieser Straftaten, 2011 waren es noch 30 gewesen.

Drogen, vor allem Crystal, würden der Polizei immer mehr Probleme bereiten. "Das schwappt von Leipzig auch nach außen. Diese synthetische Droge macht unsere jungen Leute kaputt", meinte der Polizeichef. Wer Crystal auf Dauer nehme, habe keine Chance mehr auf Heilung.

"Groitzsch ist eine relativ sehr sichere Stadt", fasste Merbitz zusammen. Die Bevölkerung habe sich an ein hohes Sicherheitsgefühl gewöhnt und auch einen Anspruch darauf. Das Gefühl sei natürlich subjektiv. Wenn es eine gewisse Beunruhigung gebe, müsse man darauf reagieren. Er sagte klipp und klar: "Wenn es polizeiliche Probleme gibt, bin ich immer ansprechbar. Ich möchte, dass man kritisch mit uns umgeht, aber nicht, dass man uns in der Luft zerreißt. Polizei und Stadt müssen gemeinsam an einem Strang ziehen. Wenn Sie uns brauchen, sind wir da."

Stadtrat Peter Fröhlich (GWV Biss) war nicht zufrieden: "Es gibt nicht nur eine Zunahme der Kriminalität in der Statistik. Das spüren wir auch als Einwohner." Es gebe vermehrt Einbrüche, Kfz-Diebstähle, und es werde gezündelt. Im vergangenen Jahr sei in sämtliche Kindereinrichtungen der Stadt eingebrochen worden, zudem zweimal in der Bibliothek und zweimal im Ärztehaus. "Ich habe bisher von keiner Sache gehört, die aufgeklärt wurde", so Fröhlich. Hier konnte Andreas Müller, Chef des Bornaer Polizeireviers, antworten: Es seien vier Verdächtige gestellt worden. Drei davon stammen aus Groitzsch und den umliegenden Dörfern. Sie sollen Geld für Betäubungsmittel gebraucht haben. Das Verfahren läuft.

Neben seinem Chefposten kümmert sich Bernd Merbitz außerdem um die Bekämpfung des Extremismus' in Sachsen. 126 Leute habe er dafür in einem Operativen Abwehrzentrum. "Wir machen richtig Druck auf die extremistische Szene." Aktuell würden Rechtsextreme eine sogenannte "Schulhof-CD" an Schüler verteilen. Dagegen gehe die Polizei rigoros vor.

Stadtrat Lothar Gläser (SPD) kritisierte, dass Straftäter zu schnell wieder auf freiem Fuß seien, sobald sie nur eine Wohnanschrift vorweisen können. Merbitz verwies auf die Justiz mit ihren Gesetzen, gab aber zu, dass er manche Dinge auch schwer nachvollziehen könne. Was er aber sicher wisse: "Wir müssen uns viel mehr auf Prävention konzentrieren." Er lud Stadt und Schulen ein, auch die Polizei mehr für Projekte zu nutzen: "Es ist unsere Pflicht und Schuldigkeit, dafür alles zu unternehmen. Wenn wir uns nicht um unsere Jugend kümmern, dann tun das andere."

FDP-Stadtrat Dieter Hager sprach das Problem Buntmetalldiebstähle an. Ob es denn Anzeigen gegen Schrotthändler wegen Hehlerware gibt? Wenn dies festgestellt wird, erstattet die Polizei Anzeige, antwortete der Polizeipräsident. Seine PD wolle demnächst auf Schrotthändler zugehen, damit häufiger Namen und Adressen notiert werden. Denn: "Wenn dort jemand mehrere Grabplatten hinbringt, muss man doch mal fragen, wo er die her hat!" Er warne aber davor, alle Schrotthändler zu kriminalisieren. Wie überall gebe es auch dort schwarze Schafe.

Was mehr Sicherheit gegen Wohnungseinbrüche betrifft: Demnächst soll ein Termin vereinbart werden, an dem PD-Experten im Groitzscher Polizeiposten kostenlos Interessenten beraten. Merbitz: "Das ist kein Werbeblock, wir verkaufen nichts. Unsere Leute kommen, wenn Sie das wünschen, mit Ihnen ins Haus und sagen, dort und dort müsste man was machen. Manchmal helfen schon geringe Mittel zu mehr Sicherheit."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 09.03.2013

Claudia Carell-Domröse

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