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„Wenn das Offenkundig in Borna schließt, haben wir nichts mehr“

Kirchenladencafé: Drohendes Aus „Wenn das Offenkundig in Borna schließt, haben wir nichts mehr“

Besucher und Ehrenamtliche machen sich derzeit gleichermaßen Sorgen um das Bornaer Kirchenladencafé Offenkundig. Gerade erst hatte es das Café aus finanziell schwierigen Fahrwassern geschafft, jetzt droht die Schließung, weil sich keine Nachfolger für drei Vorstandsmitglieder finden.

Margarete Woitag (von links), Astrid Weißmann, Christa Wolfram und Bettine Meewis hoffen, dass es im Offenkundig weitergeht.

Quelle: Julia Tonne

Borna. Die Stimmung im Kirchenladencafé Offenkundig ist derzeit alles andere als ausgelassen. Thema Nummer 1 bei den Gesprächen zwischen den Besuchern ist die drohende Schließung. Wie die LVZ berichtete, finden sich bisher keine Nachfolger für die drei Vorstandsmitglieder des Vereins, die aus beruflichen Gründen nicht mehr weitermachen können. Seit Jahren bereits betreibt der Verein das Café, das zu einer Anlaufstelle für etliche Gäste geworden ist.

„Wenn drei von fünf Vorstandsmitgliedern aufhören, ist das ein gravierender Einschnitt“, sagt Astrid Weißmann, die seit mehreren Jahren ehrenamtlich hier hilft, Kaffee ausschenkt, Kuchen verteilt und ein offenes Ohr für die Besucher hat. Jeden Tag sei hier Betrieb, erst zum monatlich stattfindenden Frühstück waren 20 Besucher gekommen. Auch das Strickcafé mittwochs ist immer voll. „Wer hierher kommt, ist eingeladen, nicht alleine zu sein“, erklärt sie. Margarete Woitag ist eine Bornaerin, die sich hier wohlfühlt und zu den Besuchern gehört, die mehrmals in der Woche vorbeigucken. „Wenn das Offenkundig wegfällt, haben wir gar nichts mehr“, sagt sie. In den gemütlichen Räumen habe sie Anschluss gefunden, die zuhause vorherrschende Einsamkeit sei hier weit weg.

Jeden Mittwoch greift sie zusammen mit Christa Wolfram und Bettina Meewis zum Spiel Tridomino. Dazu gibt es eine Tasse Tee und gute Gespräche. „Das alles ist ja schlecht in einer Gaststätte möglich, die Gastronomen wollen ja verdienen“, erklärt Meewis, die ebenfalls mehrere Schichten im Café übernimmt und noch immer nicht fassen kann, dass es das Offenkundig bald nicht mehr geben wird. Dass womöglich im zukünftigen Anbau des Gemeindeamtes solche Angebote weitergeführt werden können, sieht sie kritisch. „Das Gemeindehaus wird gleich wieder mit Kirche in Verbindung gebracht, das ist für viele eine Hemmschwelle“, begründet sie. Zudem sei die Gemütlichkeit im Café in der Roßmarktschen Straße unvergleichbar. Letztlich aber macht sie sich nicht nur Gedanken um die Besucher, sondern auch um die vielen Ehrenamtlichen, die die Nachmittagsangebote abdecken. „Wenn es im Gemeindehaus weitergehen sollte, wissen wir nicht, ob wir weiter gebraucht werden“, macht Meewis deutlich. Dahingehend gebe es noch keine Informationen.

Auch Sandra Münch von Bon Courage sieht die Schließung des Offenkundig mit Sorge. Die Frauengruppe des Vereins ist seit Jahren Gast im Café, schnell haben die Asylbewerberinnen Anschluss gefunden und sind mittlerweile hier integriert. Zwar gebe es auch immer wieder Treffen in den Vereinsräumen selbst, eine Öffnung nach außen sei so aber nicht machbar.

Für den Musiker Einar Engel wäre die Schließung ein herber Verlust und das Ende einer Ära. Nicht nur, dass er die Sommerfeste musikalisch begleitet, er gehört zudem zu der Männerrunde, die das Café als ihr Domizil auserkoren hat. „Das Offenkundig ist wie meine Familie“, betont er. Doch den Kopf in den Sand stecken wollen weder er noch die anderen Besucher. Alle haben die Hoffnung, dass sich doch noch drei Leute finden, die die Vorstandsarbeit übernehmen.

Von Julia Tonne

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