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Borna Werbener stehen hinter Pegaus Nein zur Deponie Profen-Nord
Region Borna Werbener stehen hinter Pegaus Nein zur Deponie Profen-Nord
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07:00 27.10.2016
Bürgerversammlung im Werbener Gasthof „Grüne Eiche“. Quelle: Kathrin Haase
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Pegau/Werben

Eigentlich hatten Mitglieder des Ortschaftsrates wegen der Verkehrssicherheit in Werben zur Bürgerversammlung eingeladen. Doch der Großteil der 65 Teilnehmer kam am Dienstagabend wohl wegen des zweiten, neuen Themas Mineralstoffdeponie Profen-Nord zum Gasthof „Grüne Eiche“.

Straße Zum Monarchenhügel als Rennstrecke missbraucht

Dennoch ging es zunächst um Varianten, die Raserei in der Straße Zum Monarchenhügel zu entschärfen. Die Fahrbahn führt wie eine Ortsumgehung am Dorf vorbei, ist aber mit höchstens vier Meter Breite und ohne Fußwege dafür gar nicht ausgelegt, erläuterte Carsten Iwan. Er war als Ortschafts- und Pegauer Stadtrat (Siedlerverein Kitzen-Rodeland) von einer Anwohnerin für das Problem sensibilisiert worden, zumal er als Sachverständiger für das Straßenbauhandwerk arbeitet. Da der Landkreis einen Tempo-30-Abschnitt abgelehnt hatte, schlug Iwan eine Einbahnstraße vor – egal, ob von Westen oder Osten. Alternativ sei eine zweifache Sackgasse möglich.

Einbahnstraße fällt durch

Bei der Mehrzahl der Besucher stieß das jedoch auf Ablehnung. Sie befürchteten, dass sich der Verkehr dann direkt ins Dorf verlagert wird und wesentlich mehr Anwohner betroffen sind. Geschäftsführer Hans-Uwe Heilmann von Agrarprodukte Kitzen kündigte Widerstand an, weil er dort die landwirtschaftlichen Fahrzeuge nicht fahren lassen könne. Gegenseitige Vorwürfe, zu schnell im Ort zu fahren, machten die Runde. Laut Uwe Bartsch (Ortschafts- und Stadtrat, Freie Wählergemeinschaft Kitzen) gibt es das Thema schon seit 15 Jahren. Doch so viel Verkehr fahre dort gar nicht. Pegaus Bürgermeister Frank Rösel (parteilos) sagte dann zu, wenigstens ein Verkehrszeichen „Achtung, Kinder!“ zu beantragen. Das dürfe dort laut Landratsamt zwar nur befristet stehen, bringe aber Zeit bis 2019 für bessere Lösungen.

Bürgermeister informiert über Deponie

Allerdings war der Stadtchef hauptsächlich gekommen, um für Unterstützung bei der kommunalen Ablehnung der Deponie am Rande des Tagebaus Profen zu werben (die LVZ berichtete). Das Areal liege zwar in Sachsen-Anhalt, doch nur gut zwei Kilometer von Werben und etwas mehr von weiteren Pegauer Dörfern (Sittel, Seegel, Thesau, Peißen) sowie der Stadt selbst entfernt. Wegen den zu erwartenden Belastungen mit Staub und gefährlichen Stoffen, Problemen bei der Standsicherheit und der Gefährlichkeit für Grundwasser und Umwelt finanziere Pegau die Klagen der Naturschutzverbände BUND Sachsen-Anhalt und Sachsen. Rösel verteilte Entwürfe für Flugblätter, die demnächst zu Tausenden gedruckt werden sollen.

Reaktionen der Einwohner

„Wer überprüft das gefährliche Material?“ und „Wer kontrolliert nach den 30 Jahren Nutzung die Sicherheit?“ waren zwei der Fragen der Bürger. „Viele wissen noch gar nicht, was diese Deponie für uns bedeutet“, stellte eine Frau besorgt fest. „Es hat ja keine Bürgerbeteiligung im Verfahren gegeben“, so Rösel. Die Stadt habe sich zweimal gegen die Anlage ausgesprochen.

Stefan Windau, ein Arzt, dessen Frau den benachbarten Seegeler Wunderbrunen betreibt, riet dazu, Politiker aller Parteien „ins Boot zu holen. Nächstes Jahr sind doch wieder Wahlen“. Da es um sehr viel Geld gehe, reiche der Klageweg vielleicht nicht aus. Einwohner Gunther Hoffmeister sprach davon, dass Kontakt zur Nachbarstadt Lützen (Sachsen-Anhalt) und zur Bürgerinitiative Starsiedel hergestellt wurde.

Eine Bürgerin forderte alle dazu auf, nicht halbherzig zu agieren. „Wir müssen mit vollem Herzen dagegen vorgehen.“ Ein Teil der Besucher spendete für die Stadt, die kein Geld für die Klage im Haushalt vorgesehen, hat, weil sie vom Planfeststellungsbeschluss für die Deponie überrascht wurde, sagte Bürgermeister Rösel.

Lützen unterstützt Pegau nicht

Auf Beteiligung von Lützen an der Klage kann Pegau nicht bauen. Nach der Anfrage einer Abgeordnete hatte sich der Stadtrat ebenfalls am Dienstag mit dem das Deponie-Thema befasst. „Dabei hat sich nichts an unserer Aussage von 2011 geändert“, sagte Bürgermeister Dirk Könnecke (parteilos) am Mittwoch auf LVZ-Anfrage. „Wie damals sind wir immer noch gegen die Deponie.“ Allerdings habe sich die Kommune nicht wegen möglicher Schadstoffemission gegen das Vorhaben entschieden, sondern wegen des dann erhöhten Verkehrsaufkommens im Ortsteil Starsiedel. Der Deponie-Eigentümer Mitteldeutsche Umwelt- und Entsorgung GmbH hatte fünf Lkws pro Stunde angekündigt.

Von Olaf Krenz

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