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Borna Werke der Bornaer Künstlerin Martha Schrag kommen an die Wände
Region Borna Werke der Bornaer Künstlerin Martha Schrag kommen an die Wände
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16:23 22.02.2018
Martha-Schrag-Bilder sollen demnächst illegales Graffiti in Borna ersetzen, möglich wäre das vielleicht an dieser Wand in Borna-West, hinten die Grundschule. Quelle: Julia Tonne
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Borna

Das Kinder- und Jugendparlament (KiJuPa) will im Rahmen eines Graffiti-Projektes fünf von Schülern neuinterpretierte Werke der in Borna geborenen expressionistischen Malerin Martha Schrag an die Wyhra-Städter Hauswände bringen. Damit soll die Künstlerin, die einst in Chemnitz zeichnete und ausstellte, in ihrer Geburtsstadt bekannter gemacht werden. „Die Geschichte ist ein Schatz, der gehoben werden muss“, begründet Carlo Hohnstedter, Sprecher des KiJuPa, das Projekt des Gremiums.

Gesucht werden vom KiJuPa in nächster Zeit Flächen, die sich für die Werke der Künstlerin eignen. „Egal, ob eine triste Fläche in der Nachbarschaft oder illegale Schmierereien auf dem Arbeitsweg: Das KiJuPa sucht Wände, die durch ein ansehnliches Gemälde aufgewertet werden können“, ruft Hohnstedter die Bornaer zur Teilnahme auf.

Zeitgleich mit dem Aufruf haben die ersten Gespräche zwischen Parlament und weiterführenden Schulen in Borna begonnen. Denn hier sollen die Neuinterpretationen entstehen. Der Mal- und Zeichenwettbewerb startet in den kommenden Tagen, angesprochen sind laut Hohnstedter Schüler der achten bis elften Klassen. „Wir lassen den Schulen aber freien Raum, es kann ja durchaus sein, dass auch jüngere Künstler hervorragende Werke schaffen.“ Eine Herausforderung war allerdings vorab zu bewältigen. Zu Martha Schrag fanden sich lediglich spärliche Informationen. „Es gibt zwar das ein oder andere Buch über sie, aber letztlich ist sie nur einem Fachpublikum bekannt“, erklärt Hohnstedter. Auch in den Schulen war der Name der Expressionistin weitgehend unbekannt. Hilfe kam schließlich von der Bornaer Buchhandlung, die in Antiquariaten stöberte und auch fündig wurde.

Bis Mitte Juli sollen die Neuinterpretationen an Oberschule und Gymnasium voraussichtlich entstehen, eine Fachjury bestimmt anschließend die Sieger des Wettbewerbs. Die Siegerentwürfe, die das künstlerische Schaffen der während der NS-Zeit als „entartet“ diffamierten Martha Schrag reflektieren, werden im Großformat mit Geldern des Jugendfonds des Landkreises Leipzig legal gesprayt. Ab den Sommerferien sollen die Wandgemälde durch Jugendliche und in Kooperation mit Graffiti-Pädagogen angebracht werden.

Dass sich das Parlament in diesem Jahr mit der Künstlerin beschäftigt, ist einem Zufall geschuldet. Hohnstedter entdeckte in der Grimmaer Straße an einem Haus eine Plakette, die auf das Geburtshaus der Künstlerin hinweist. „Die Frau war eine faszinierende Persönlichkeit“, ergaben weitere Recherchen. Weshalb diese deutlich mehr in das Bewusstsein der Bornaer rücken sollte.

„Denn Geschichte passiert vor der Haustür“, macht Hohnstedter deutlich. Dort müsse man sie sozusagen nur noch aufsammeln und sie anschließend bekannter machen.

Vorschläge für Flächen, die gestaltet werden können, bitte bis zum 19. April per Mail an kijupa@borna.de oder postalisch an das Kinder- und Jugendparlament, Markt 2, 04552 Borna, einreichen.

Martha Schrag

Martha Schrag wurde 1870 in Borna geboren, verbrachte ihre Kindheit jedoch in Dresden. 1898 gelang es ihr, sich ein Studium an der Malschule für Damen in Dresden zu erstreiten. Anfang des 20. Jahrhunderts kam sie durch erste Ausstellungen in Chemnitz zu Anerkennung. Ein einflussreicher Chemnitzer Arzt, Kunstsammler und Rezensent entdeckte schließlich ihr Talent und förderte sie fortan. Während der Zeit des Nationalsozialismus stellte sie kaum noch aus, zahlreiche Werke wurden als „entartete Kunst“ beschlagnahmt. Mit Ende des Krieges wurden zudem ihr Wohnhaus und große Teile ihres Werkes bei einem Bombenangriff zerstört.

Das Gesamtwerk der Malerin und Grafikerin, das durch Beschlagnahmungen der Nazis sowie durch Kriegszerstörung große Einbußen erlebte, reicht von Stillleben über Landschaften sowie eindrucksvolle Darstellungen von Frauen bis zur Arbeitswelt. Doch ihren Lebensunterhalt konnte sie weder mit den Bildern selbst, noch mit Ausstellungen bestreiten. Sie benötigte wie viele Künstlerkollegen zahlungskräftige Malschüler.

Nach der Schreckensherrschaft der Nazis glänzte Martha Schrag auf Ausstellungen, bekam eine Ehrenrente, wurde 1950 Ehrenbürgerin von Chemnitz und schuf ungeachtet schwindender Sehkraft mit Hilfe einer Lupe letzte Arbeiten, bis sie 1957 im damaligen Karl-Marx-Stadt (heute wieder Chemnitz) verstarb.

Von Julia Tonne

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