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Wie 1870: Sanierung der Georgenkirche in Rötha wird vollendet

Kirchensanierung Wie 1870: Sanierung der Georgenkirche in Rötha wird vollendet

Hier können die Handwerker auf dem Baugerüst Orgelmusik hören: Die Fassade des Kirchenschiffes von St. Georgen in Rötha wird saniert und soll bald genauso schmuck aussehen, wie der Turm.

Maurer Holger Oertel bei der Arbeit an der Fassade des Schiffes der Georgenkirche. Die soll nach der Sanierung so aussehen, wie schon der Turm im Hintergrund.

Quelle: André Neumann

Rötha. Manchmal hält Steinmetz Thomas Knöchel während seiner Arbeit auf dem weitläufig um das Schiff der Röthaer Georgenkirche reichenden Gerüst kurz inne. Er mag die Orgelmusik, die gelegentlich aus dem Inneren des Gebäudes klingt, während er draußen den Naturstein an Gesimsen, Pfeilerabdeckungen oder das Maßwerk, die steinernen Bögen der hohen Fenster, repariert. Auch während der seit wenigen Wochen laufenden Sanierung finden lange geplante Orgelführungen und auch Gottesdienste weiterhin statt.

Es ist gewissermaßen der dritte Abschnitt einer mit Unterbrechungen lange währenden Außensanierung der größeren der beide Röthaer Kirchen. Vor 13 Jahren wurde das Dach erneuert. Vermutlich aus Kostengründen, so erinnert sich Pfarrer Christoph Krebs, der damals gerade seinen Dienst in Rötha antrat, sei seinerzeit entschieden worden, das Dach ganz mit schwarzen Dachsteinen zu decken. Doch dann habe ein Gemeindemitglied „mehrere Tausend Euro“ gespendet und das Dach konnte die ursprüngliche, rot eingestreute Musterung erhalten.

Seit 2011 bemühte sich die Gemeinde um Fördermittel für die Außensanierung der Kirche. Zwei Jahre später gab es kurzfristig Geld aus dem Programm für ländliche Entwicklung. Die Mittel reichten damals aber nur für den Turm und die Westfassade.

Seit Mitte Mai ist die Kirche nun wieder eingerüstet, denn die Kirchgemeinde hat noch einmal Fördermittel bekommen. Neben dem Steinmetz sind Maurer, Putzer und Bauklempner damit beschäftigt, die rund 1000 Quadratmeter Fassade des Kirchenschiffes in einen Zustand zu versetzten, der dem von 1870 gleicht, wie Architekt Robert-Christian Friebe erklärt. Er und sein Vater Wolfgang betreuen die Sanierung, unter ihrer Planung und Bauleitung war auch schon der Turm zum Schmuckstück geworden.

Rund 40 bis 50 Jahre liegt laut Wolfgang Friebe die letzte Sanierung des Schiffes zurück. Vermutlich aus Mangel an besseren Baustoffen, das glaubt Friebe junior, wurde damals ein harter und undurchlässiger Zementputz verwendet. Weil der Bewegungen schlechter aufnimmt und Feuchtigkeit nicht nach außen durchlässt, sei der Putz an vielen Stellen abgeplatzt und über den rund sechs Meter hohen Fenstern häufig gerissen gewesen. Jetzt wird ein Kalkmörtel zum Verputzen benutzt.

Auch an den vielen Natursteinbauteilen hat der Zahn der Zeit genagt. Kleine Schäden werden mit Mörtel ausgebessert, in größere Fehlstellen setzt der Steinmetz neue Steine ein. Abdeckungen von Pfeilern und Vorsprüngen werden zum Schutz vor Regen mit Blei belegt. So wie am Turm wird hinterher alles mit einem Anstrich überzogen: gelblich die Putzflächen, Ziegelrot alle Natursteinelemente. Fugen werden aufgemalt.

Das, sagt Architekt Wolfgang Friebe, sei auch früher schon so gehandhabt worden. Neben dem Schutz des Natursteins vor Verwitterung vor allem deshalb, um den Bauwerken ein einheitliches Aussehen zu geben. Würde man die Natursteinflächen unbehandelt lassen, entstünde ein bunter Flickenteppich. Vor allem in den unteren Bereichen des Turmes und der Westfassade, die noch vom ersten Kirchenbau aus dem 12. Jahrhundert stammen, seien ganz unterschiedliche Steinsorten verwendet worden.

Rund 200 000 Euro wird die Sanierung der Fassade des Schiffes kosten. Robert-Christian Friebe rechnet mit einer Bauzeit bis zum Jahresende. Und er lobt die Handwerker, die ihr Fach verstünden. Mit den meisten von ihnen habe man auch schon bei der Sanierung am Turm zusammengearbeitet.

Von André Neumann

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