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Borna Steinbachs Buchvorstellung füllt Röthaer Kirche
Region Borna Steinbachs Buchvorstellung füllt Röthaer Kirche
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09:13 07.06.2018
Ex-Regierungspräsident Walter Christian Steinbach stellt in der Röthaer Georgenkirche sein Buch „Eine Mark für Espenhain“ vor. Quelle: Jens Paul Taubert
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Rötha

Am Ende standen die einstigen Mitstreiter des Christlichen Umweltseminars Rötha (CUR) in der voll besetzten Röthaer Georgenkirche vorn. Leute wie der frühere sächsische Landwirtschaftsminister Rolf Jähnichen (CDU), die Bornaer Museumschefin Gabriele Kämpfner und Tobias Hollitzer, Leiter der Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“ in Leipzig, erhielten viel Beifall und jeder ein Buch von Walter Christian Steinbach.

Gut gefüllt war die Röthaer Georgenkirche Dienstagabend, als Autor Walter Christian Steinbach sein Buch „Eine Mark für Espenhain“ vorstellte.

Es war der passende Abschluss der Veranstaltung, auf der „Eine Mark für Espenhain“, das Buch des früheren Röthaer Pfarrers und späteren Leipziger Regierungspräsidenten, im Rahmen einer Diskussionsrunde vorgestellt wurde. Dabei ging es, ganz dem Untertitel des Buches entsprechend („Vom Christlichen Umweltseminar Rötha zum Leipziger Neuseenland“) keineswegs nur um die Vergangenheit. Dennoch spielte die Zeit der großen Umweltverschmutzung, die im Süden von Leipzig vor allem in den 80er-Jahren gigantische Ausmaße angenommen hatte, eine große Rolle in der Kirche.

Widerstand gegen Umweltverschmutzung

Eine Zeit, in der „die Blätter über Nacht fielen“, wie Wieland Schütter, seit 1986 Leiter des VEB Braunkohleveredlung Espenhain und damit einer riesigen Dreckschleuder, sagte. Schütter war nach einer Auslandsreise quasi über Nacht auf den Chefposten des Werkes beordert worden, das seit Kriegsbeginn arbeitete und spätestens Anfang der 70er-Jahre hätte stillgelegt werden müssen. Sein Betrieb war es ebenso wie andere, die den Widerstand gegen die Umweltverschmutzung im damaligen Kreis Borna anwachsen ließen.

Größte nichtgenehmigte Unterschriftensammlung

Dorthin hatte es die junge Pfarrersfamilie Walter Christian und Brigitte Steinbach verschlagen, die sich im Jahr 1975 in Rötha niederließ. Steinbach war sozusagen im zweiten Anlauf Geistlicher geworden, für den vormaligen Mathematik- und Physikstudenten die Konsequenz aus der Sprengung der Leipziger Paulinerkirche 1968. Auch deshalb spannt der Mann vom Jahrgang 1944 in seinem Buch, das mit der Aktion „Eine Mark für Espenhain“ die größte nichtgenehmigte Unterschriftensammlung in der DDR beschreibt, den Bogen über 50 Jahre von 1968 bis in die Gegenwart.

Umweltseminar 1981 gegründet

1981 kam es zur Gründung des CUR, das nach Überzeugung des früheren sächsischen Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen, Michael Beleites, eine ganz besondere Bedeutung im Rahmen vieler oppositioneller Initiativen in der DDR hatte. „Dort fanden sich sonst nur junge Leute aus den Jungen Gemeinden“, eher Ausgegrenzte.

Im Gegensatz dazu standen die CUR-Mitstreiter im Berufsleben, „und sie kamen nicht nur aus dem kirchlichen Bereich“, so Beleites weiter, der sich auch als Autor des Buches „Zwischen Ruß und Revolte“ einen Namen gemacht hat. Der Mann, der heute als Gärtner bei Dresden lebt, verwies in der Gesprächsrunde, die von Stefan Seidel, Redakteur der Kirchenzeitung „Der Sonntag“ moderiert wurde, auch auf die Kontakte des CUR zu Dresdner Umweltkreisen. Das CUR sei „weit über Rötha hinaus“ wirksam gewesen.

Vergewisserung, dass Weg damals richtig war

Stephan Bickhardt, Polizeiseelsorger in und um Leipzig und in den 80er-Jahren Verbreiter von Untergrundliteratur, sah in der Veranstaltung „eine Runde der Vergewisserung, dass der Weg damals richtig war“. Bickhardt hatte Steinbach 1988 um einen Beitrag für sein Buch „Über das Nein hinaus“, eine illegal verbreitete Schrift mit einer Auflage von immerhin 1000 Exemplaren, gebeten. Den lieferte Steinbach auch.

Bickhardt sprach mit Blick auf die Aktion „Eine Mark für Espenhain“ von einer List. Die Aktion gehöre zur „Bürgerbewegung vor der Friedlichen Revolution.“ Bickhardt: „Das war ein Vorbote.“ Zugleich sei damit gewissermaßen die Kultur der Runden Tische in der Wendezeit geprobt worden.

Steinbach: Gefahr kommt aus der Mitte der Gesellschaft

Eine politische Kultur, die angesichts aktueller Herausforderungen nach Überzeugung von Walter Christian Steinbach auch in der Gegenwart neue Wege und Formen braucht. Sei die Würde des Menschen früher von rechts und links bedroht worden, komme die Gefahr jetzt aus der Mitte der Gesellschaft, aus dem Populismus. „

Die Würde des Menschen ist aber die wichtigste Errungenschaft des westlichen Modells.“ Und weiter: „Die Demokratie muss sich weiter entwickeln, damit mehr Menschen das Gefühl haben, an Entscheidungen teilzuhaben.“ Es gehe um die Suche nach nachhaltigen Kompromissen.

Von Nikos Natsidis

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