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Wie die Kesselpauke wieder nach Borna kam

Bürgersinn und eine anonyme Spende Wie die Kesselpauke wieder nach Borna kam

Wenn es um den finanziellen Wert geht, dürfte es sich um das wohl wertvollste Stück im Bornaer Museum handeln: die Kesselpauke, die noch vor 100 Jahren bei den Musikern des Sächsisch-Königlichen Karabinier-Regiments im Einsatz war.

Die Kesselpauke im Bornaer Museum.

Quelle: Jens Paul Taubert

Borna. Wenn es um den finanziellen Wert geht, dürfte es sich um das wohl wertvollste Stück im Bornaer Museum handeln: die Kesselpauke, die noch vor 100 Jahren bei den Musikern des Sächsisch-Königlichen Karabinier-Regiments im Einsatz war. Das Instrument, eines von zwei derartigen Schlagwerken beim Bornaer Militär, war dem Regiment 1905 übergeben worden und in den Wirren des letzten Jahrhunderts abhanden gekommen. Reichlich 90 Jahre später fand das Prachtstück wieder den Weg zurück.

Es war der damalige Oberbürgermeister Bernhard Schubert (SPD), der Witterung in Sachen Kesselpauke aufnahm, nachdem er ein Foto des Instruments in der Leipziger Volkszeitung gesehen hatte – entstanden bei einer Versteigerung in München. Der Rathauschef wandte sich damals an die Lokalzeitung, die daraufhin das Auktionshaus ausfindig machte. Dann wurde Schubert aktiv.

Immerhin handelte es sich bei der Kesselpauke um ein Instrument, das etwa bei den so genannten Sonntagsmusiken oder auch bei Umzügen der Soldaten in Borna zum Einsatz kam, solange das Karabinier-Regiment in der heutigen Stauffenbergstraße stationiert war. Später landete es in Dresden und nach der Bombardierung der Stadt im Schutt. Entdeckt wurde die Kesselpauke in einem Garten im Westen, wo das Instrument als Sockel diente. „Wie es dorthin gekommen ist, weiß kein Mensch“, so Schubert.

In jedem Fall blieb dass Instrument auch nach seiner wechselvollen Geschichte für Sammler und Militaria-Experten von großem Interesse. Das musste der damalige Oberbürgermeister Schubert erfahren, nachdem er mitbekommen hatte, dass ein Sammler 90 000 Mark für die Pauke geboten hatte. „Dem ging es um den Materialwert“, erinnert sich Schubert.

Schließlich war das Instrument aus der Altenburger Firma Gustav Wunderlich, Hofkupferschmiederei und Paukenfabrikant, mit Silber versehen. Der Auktionspreis stieg schließlich auf 114 000 Mark, heute etwa 57 000 Euro. „Immerhin ist mir zugestanden worden, dass wir das in Raten bezahlen konnten.“ Denn für Schubert stand fest, dass das gute Stück in jedem Fall wieder in seine „Heimat“ zurückkommen sollte.

Was darauf in Borna passierte, darf auch heute noch, mehr als zwei Jahrzehnte später, als gutes Beispiel Born’schen Bürgersinnes gelten. Dass Unternehmen wie die Sparkasse und die Städtischen Werke Borna (SWB) in ihre Schatullen griffen und jeweils 20 000 Mark gaben, konnte vielleicht noch als lokalpatriotische Pflichtübung gelten. Aber es war Otto Normalbornaer, der eine ungeahnte Spendenbereitschaft zeigte. Etwa eine Frau, deren Mann einst Stabstrompeter bei den Bornaer Militärmusikern war. Der Fotoclub Borna gab Geld, die Firma Alltec schoss 5000 Euro zu, die katholische Kirchgemeinde spendete 186 Mark. „Es gab auch Sammelbüchsen“, sagt Schubert.

Besonders rührend eine anonyme Spende. „Ich hatte eines Tages einen Umschlag im Briefkasten.“ Darin: fünf Mark. „Für die Kesselpauke“, wie auf dem Briefumschlag stand. Allerdings zeigten sich nicht alle Bornaer von den teuren Bemühungen um die Zurückführung der Pauke nach Borna begeistert. „In einer Kesselpauke kann man nicht baden“, war ein Vorwurf an den Rathauschef. Bereits seinerzeit gab es in Borna heftige Diskussionen um den Erhalt des Freibades. Nach dem Bürgerentscheid aus dem letzten Jahr ist das Bad endgültig Geschichte.

Als das gute Stück dann in Borna landete, war klar, dass es zumindest einmal auch zum Einsatz kommen sollte. Das passierte dann eines Tages. Sogar zweimal – einmal nachmittags und einmal abends – ertönte das Schlagwerk in einem Konzert der damaligen Westsächsischen Philharmonie, des heutigen Leipziger Symphonieorchesters, im Stadtkulturhaus. Schubert selbst durfte auf die Pauke hauen. Heute steht das Instrument im Museum am Reichstor.

Von Nikos Natsidis

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