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Wie ein Pegauer Abt Groitzsch schadete...

Wie ein Pegauer Abt Groitzsch schadete...

Im nächsten Jahr feiert Groitzsch 800 Jahre Stadtrecht. Ortschronist Roland Meyer und seine Mitstreiter haben lange in den Archiven gesucht - ein Originaldokument von diesem Ereignis gibt es offensichtlich nicht mehr. Dafür können die Heimathistoriker über Machtkämpfe aus dieser Zeit zu erzählen.

Groitzsch. Von Claudia Carell-Domröse

"Das Datum stimmt", sagt Roland Meyer, der wohl wie kein Zweiter seine Stadtgeschichte kennt. Schon sein Vorgänger, der Ortschronist Albin Jahn, hat in den 1930er Jahren geschrieben: "Völlig einwandfrei steht fest, daß Groitzsch 1214 Stadtrechte erhielt, also 1914 das 700jährige Stadtjubiläum begehen konnte." Doch damals hatte die Welt andere Probleme, ein großes Fest fand nicht statt.

Bei der Verleihung des Stadtrechtes handelte es sich um einen handfesten Krach zwischen dem Pegauer Kloster und dem damaligen Landesherren. Markgraf Dietrich zu Meißen herrschte über die Region von 1210 bis 1221, er wurde "der Bedrängte" genannt und soll vergiftet worden sein. Mit seiner Machtübernahme wollte Dietrich mehr Mitsprache im Kloster, was dem damaligen Abt Siegfried von Rekkin - ein "cleverer Mann", wie der Ortschronist noch heute weiß - überhaupt nicht passte. Er wollte sich in seine Angelegenheiten nicht hinein reden lassen. Sein Kloster gehörte zu den größten, reichsten und sicher auch einflussreichsten Gotteshäusern in Mitteldeutschland. Damit wurden Rekkin und Dietrich Feinde.

Der Landesherr verlieh darauf hin dem Dorf Groitzsch die Stadtrechte. Das hieß: In der kleinen Siedlung durfte Markt abgehalten, Münzen geprägt und Zoll an der Handelsstraße kassiert werden. Damit sollte Groitzsch reich werden, wachsen und dem benachbarten Kloster paroli bieten, so hat sich das wohl Dietrich gedacht.

Doch seine Pläne gingen nicht auf. "Es gab einen Machtkampf zwischen Stadt und Kirche. Solche Streitigkeiten waren damals kein Einzelfall", sagt Roland Meyer. Die Beschwerden und Klagen des Abts Rekkin reichten bis zum Kaiser hinauf. Mit Erfolg. Am 14. August 1219 unterzeichneten beide Streitpartner einen Vergleich - bis heute eine Möglichkeit, sich vor Gericht zu einigen. Groitzsch durfte sich zwar weiter Stadt nenne, musste aber Markt-, Zoll- und Münzrecht zurück geben. Damit verlor der Ort die vor kurzem erhaltenen wichtigen Einnahmequellen wieder. Ohne diesen Vergleich wäre Groitzsch schon im Mittelalter enorm gewachsen, ist sich Meyer sicher. Weil Dietrich den Ort nicht weiter fördern konnte, widmete er sich nun dem kleinen Borna und baute dort eine Stadt auf, die seiner Macht nutzen konnte. Ohne den Abt wäre Borna heute klein und Groitzsch groß, spekuliert der Ortschronist.

"Groitzsch konnte sich erst ab Mitte des 18. Jahrhunderts entwickeln mit der aufkommenden Industrialisierung", erzählt er weiter. Die Stadt habe sich einen Namen in der Schuh- und Schlossindustrie gemacht und sei ein moderner Ort geworden. Das einst mächtige Pegauer Kloster jedoch sei in den Bilderstürmer-Zeiten zerstört und später leider restlos abgerissen worden, bedauert der Heimathistoriker.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 01.06.2013

Carell-Domröse, Claudia

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