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Borna Wiederauer sehen Aufforstung am Sender skeptisch – Stadtrat Pegau stimmt aber zu
Region Borna Wiederauer sehen Aufforstung am Sender skeptisch – Stadtrat Pegau stimmt aber zu
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00:21 11.09.2017
Ein weiter, unverstellter Blick in die Auenlandschaft am Sender Wiederau: Nach dem Antrag der Stiftung Wald für Sachsen könnte hier bald ein neuer Laubwald heranwachsen. Quelle: Mathias Bierende
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Pegau/Wiederau

Dicke Luft und scharfe Worte zogen durch die Pegauer Stadtratssitzung: Der Stein des Anstoßes war ein Flurstück an der ehemaligen Senderanlage Wiederau. Nach dem Willen der Stiftung Wald für Sachsen könnte dort über kurz oder lang ein kleiner Wald entstehen, der neben Grundwasserschutz und Wasserspeicherung auch für ein besseres lokales Klima sorgen soll. Die Stadt Pegau hatte das 25 Hektar große Areal „für günstiges Geld“ erworben, so Bürgermeister Frank Rösel (parteilos), und im Frühjahr einen ersten Abschnitt mit rund 8,35 Hektar aufgeforstet.

„Das Interesse an dieser Pflanzaktion war riesig“, erinnert sich Forstassessor und Projektleiter Olaf Kroggel von der Waldstiftung. „Das hat uns dazu ermuntert, den nächsten Schritt zu gehen und beim Landratsamt einen Antrag zur Erstaufforstung für die restlichen 15,9 Hektar zu stellen.“ Demnach seien auf dem fruchtbaren Auenboden ausschließlich Laubgehölze wie Eiche und Linde, Hainbuche, Eberesche, Elsbeere, Flatterulme, Spitzahorn und Vogelkirsche vorgesehen. Probebohrungen sollen genaue Informationen über die Bodenzusammensetzung und Nährstoffe liefern.

Der Wiederauer Ortschaftsrat hatte in einer Stellungnahme bereits eine weitere Aufforstung abgelehnt. „Es handelt sich um Auenlandschaft, und ich bin skeptisch, ob Wald da wirklich hinpasst“, formulierte Ute Krüger, CDU-Stadträtin aus dem Dorf, ihre Bedenken. Sie könne sich vielmehr Bäume als Schattenspender entlang des Elsterradweges bis nach Leipzig vorstellen. Auf jeden Fall müsse die Bevölkerung in die Entscheidung mit einbezogen werden.

Der Wiederauer Ortsvorsteher Michael Buth kann „diese hektische Betriebsamkeit“ nicht verstehen, die im Stadtrat an den Tag gelegt wird. Bei den Mitgliedern des Ortschaftsrates schlagen zwei Herzen in der Brust, machte er deutlich. Wohl jeder befürworte das Pflanzen von Bäumen. „Doch was uns stört, ist, dass wir ein Stück weit überfahren werden.“ Die Meinung des Gremiums werde ad absurdum geführt, die Mitglieder seien wohl nur aus Höflichkeit nach ihrer Meinung gefragt worden.

Hinzu komme die Tatsache, dass die Fläche am Sender bis 2027 an das Landwirtschaftsunternehmen Agrarproduktion Elsteraue in Zwenkau verpachtet ist. „Ich habe grundsätzliche Bedenken, denn wir zäumen das Pferd von hinten auf“, äußerte Uwe Bartsch von der Freien Wählergemeinschaft Kitzen seine Kritik. „Wir wollen aus einer Wiese Wald machen und ändern einfach den Pachtgegenstand. Da­bei wissen wir gar nicht, wie der Pachtvertrag aussieht und was die Agrarproduktion mit dem Land vorhat.“ Dem Unternehmen werde die Sicherheit genommen. Für Bartsch ist der vorgelegte Antrag deshalb „ein Schnellschuss und nicht durchdacht“.

Als großer Befürworter des Waldprojektes zeigte sich Mario Bringer (Pro Pegau). „Ich halte es für eine große Chance“, sagte er. Pegau habe derzeit einen Waldanteil von unter drei Prozent, sei gehandicapt durch den Tagebau. „Deshalb ist es eine zukunftsweisende Entscheidung, wenn wir uns dafür aussprechen.“ Auch Carsten Iwan (Siedlerverein Kitzen-Rodeland) sieht es so. Mit dem Wald werde nicht zuletzt der Elsterradweg aufgewertet, was immer neue Touristen in die Region ziehe. „Ich bin grundsätzlich dafür“, so seine Worte.

Trotz aller Kontroversen und vieler Fragezeichen wollten die Stadträte den Beschluss nicht vertagen. Das hatte Andreas Heimann (SPD) vorgeschlagen. „Damit wir auch finanziell wissen, wovon wir reden“, erklärte er.

Letztlich gaben elf Abgeordnete der Stiftung Wald für Sachsen Rückendeckung für ihren Antrag zur Erstaufforstung, ein Stadtrat stimmte dagegen, vier enthielten sich der Stimme. Olaf Kroggel versuchte, die Wogen etwas zu glätten: „Wir werden rechtzeitig auf die Bürger zugehen und das Projekt vorstellen, denn wir wollen keinen Wald etablieren, wenn er nicht gewollt ist. Wir richten uns nach allen Befindlichkeiten.“ Allein die Genehmigung sei nicht bindend, ob auch tatsächlich aufgeforstet wird, hob der Projektleiter hervor. „Es heißt nicht, dass die 15,9 Hektar zugepflanzt werden.“ Auch Bürgermeister Rösel (parteilos) bemühte sich, die Emotionen zu dämpfen: „Wir werden eine Lösung suchen, mit der wir alle leben können.“

Von Kathrin Haase

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