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Wiedervereinigung in Espenhain: Siedlerverein sieht Chancen und Risiken

Bundesstraße Wiedervereinigung in Espenhain: Siedlerverein sieht Chancen und Risiken

Bald fällt in Espenhain eine Barriere, die den Ort 40 Jahre lang teilte. Wenn die Autobahn fertig ist, soll die vierspurigen Hauptstraße zu einer gewöhnlichen Straße zurückgebaut werden. Was bedeutet es für den Ort, wenn die Einwohner plötzlich wieder einfach über die Straße gehen können? Der Siedlerverein sieht Chancen und Risiken.

Auf der einen Seite die Siedlung, auf der anderen das Dorf: Seit 40 Jahren bildet diese Straße eine Grenze mitten in Espenhain. Demnächst wird sie fallen.

Quelle: Thomas Kube

Rötha/Espenhain. Seit ungefähr 40 Jahren teilt eine vierspurige Straße den Ort Espenhain. Damals wurde die F (Fernverkehrsstraße) 95, die heutige B 95 auf die heutige Größe ausgebaut. Auf mehr als anderthalb Kilometer Länge bildet sie eine kaum durchlässige Grenze zwischen den Wohnbebauungen mit der Straße des Friedens und dem ehemaligen Rittergut im Nordosten und dem Neubaugebiet und dem Altdorf im Südwesten. Auf der gesamten Strecke gibt es nur zwei Über- beziehungsweise Unterfahrten für Autos und einen Fußgängertunnel. Mit dem Bau der Autobahn und dem vorgesehenen Rückbau der Bundesstraße auf zwei Fahrspuren könnten sich dem 2300-Einwohner-Ort neue Perspektiven bieten.

Christian Schlegel wohnt seit zwanzig Jahren in Espenhain, auf der Seite der „Siedlung“, wie die Straße des Friedens auch genannt wird. Er leitet die Siedlergemeinschaft Espenhain, die sich neben der Beratung und Unterstützung ihrer Mitglieder auch die Förderung des Zusammenhalts der Espenhainer Einwohner und die Zusammenführung der Ortshälften auf die Fahnen geschrieben hat, wie der Ruheständler sagt.

Angesichts des trennenden Fahrzeugstromes ist es auf dem Weg der Wiedervereinigung schon ein Lichtblick, wenn die Siedlergemeinschaft, deren Mitglieder bisher ausschließlich im Nordosten ansässig waren, jetzt auch ein Mitglied von der anderen Seite Espenhains hat.

Mit Spannung und Erwartungen schaut Schlegel dem angekündigten Rückbau der Bundesstraße entgegen. Er hoffe auf eine „vernünftige“ Gestaltung, darauf, dass ein Streifen der jetzigen Fahrbahnen eine Grünfläche wird. Jedenfalls solle der Rückbau so geschehen, dass die Attraktivität des Ortes angehoben wird. Diesbezüglich habe Espenhain im Moment nämlich leider nicht allzu viel zu bieten. „Wir befinden uns im Zentrum des Neuseenlandes, haben aber nichts davon“, beklagt der Vorsitzende der Siedlergemeinschaft und macht das unter anderem daran fest: Der einstige Tagebau Espenhain heiße heute Störmthaler See und weder am Hainer See noch am Störmthaler gebe es dicht bei Espenhain einen Strand zum Baden.

Was passiert, wenn man eines Tages in absehbarer Zeit wieder ungehindert von einer Seite des Ortes zur anderen spazieren kann? Wenn nicht mehr jeweils 800 Meter zwischen zwei Übergängen liegen? Christian Schlegel sieht Chancen dafür, dass der Ort zusammenwächst, doch es dürfte auch schwer werden. Denn in den vergangenen 40 Jahren habe es kaum noch Verbindungen gegeben. Die Straße habe vieles gekappt

Hinzu kämen auch Risiken der neuen Verkehrssituation für den Ort: Mit dem Durchgangsverkehr werde nämlich auch Laufkundschaft für die noch verbliebenen Händler und Dienstleister wegfallen, für Fleischer, Gemüsehändler und Imbiss. Auch an die Tankstelle denkt Schlegel in dem Zusammenhang.

Insgesamt, so sein Fazit, werde der Rückbau des breiten, trennenden Asphaltbandes Chancen für den Ort eröffnen, aber alle gemeinsam müssten sich die Frage stellen, wie der Ort schöner und lebenswerter werden könne. Dabei hofft Christian Schlegel sowohl auf den Zuzug junger Leute als auch auf die Ansiedelung weiterer Unternehmen mit dem Bau der Autobahn.

Von André Neumann

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