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Borna Wilhelm Tell auf Sächsisch - Versuch einer Annäherung an Schiller
Region Borna Wilhelm Tell auf Sächsisch - Versuch einer Annäherung an Schiller
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00:21 17.06.2015
Hatten Wilhelm Tell eigens fürs Schillerfest ins Sächsische übersetzt: die Mitglieder der Mundartgruppe. Quelle: Roger Dietze
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Neukieritzsch/Kahnsdorf

In dem Film "Die geliebten Schwestern", der vorgestern im Rahmen der neunten Auflage des Kahnsdorfer Schillerfestes im Herrenhaus gezeigt wurde, sieht dessen Cheforganisator Hans Ketzer den Höhepunkt einer in der jüngsten Vergangenheit modifizierten Sichtweise auf den neben Goethe größten deutschen Schriftsteller. "Mit unserem diesjährigen Fest-Motto 'Schiller vom Sockel geholt' haben wir keineswegs Neuland betreten, vielmehr wurde der Dichter bereits zu seinen Lebzeiten parodiert", so Ketzer. "Neu aber ist der wissenschaftlich-publizistische Ansatz, sich explizit Schillers Leben zu widmen", sagt der Leiter des Volkskundemuseums Wyhra.

Ein "Trend", den der namhafte Schillerforscher Jürgen Klose, der am frühen Sonnabendabend Auszüge aus seinem Buch "Kennst du Friedrich Schiller?" begrüßt. Denn, so Klose, nur durch diese quasi Erdung des Schöpfers so bekannter Werke wie "Die Räuber", "Der Handschuh" und "Wilhelm Tell" sei eine angemessene Interpretation seines Lebenswerkes möglich, zumal die zeitweise Überhöhung der Person Schillers diesem nicht gut getan habe.

Gefeit vor einer Überhöhung des großen Schriftstellers war die sächsische Mundartdichterin Lene Voigt, die nicht nur in ihren Sketchen immer wieder auf Schiller Bezug genommen, sondern darüber hinaus sogar den Wilhelm Tell ins Sächsische "übersetzt" hat. Des Stückes "Bolidik un Familche" hatte sich die Bornaer Mundartgruppe eigens für das neunte Schillerfest angenommen, und Inge Steitmann, organisatorischer Kopf der Gruppe, verhehlte nicht, dass das Lampenfieber der fünf Mundart-Damen und des einen Herren sehr hoch gewesen sei. "Zumal wir in Kahnsdorf das erste Mal sozusagen Open Air aufgetreten sind", so Steitmann.

Open Air, sprich unter freiem Himmel, liefen an den beiden vergangenen Tagen sowie am Freitagabend zudem eine ganze Reihe von Programmpunkten im Rahmen der neunten Schillerfest-Auflage ab. So sorgte am Freitag das Trio Vibranet mit Musik der 20er- und 30er-Jahre für den passenden Rahmen für die Lene-Voigt-Stücke, während am Sonnabendabend das Trio Muggefugg aus Zwickau unter dem Motto "Von Berlin bis Broadway" Stücke von Kurt Weill bis George Gershwin anstimmte. Am gestrigen Nachmittag dann erklang in der Kahnsdorfer Laurentiuskirche Schuberts "Deutsche Messe". Ein Programm, so Hans Ketzer, das sich nahtlos anschließt an die Programme der vorangegangenen acht Schillerfeste. "Der hinter dem diesjährigen Motto stehende Ansatz zieht sich mehr oder weniger seit der Premiere durch alle Veranstaltungen", erklärt Ketzer. "Mit der expliziten Namensgebung haben wir die Hoffnung verbunden, dass sich dadurch die bei dem einen oder anderen möglicherweise bestehende Distanz zu der Thematik Schiller abbauen lässt."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 15.06.2015
Roger Dietze

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