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Borna Winter im Tagebau: Kumpel kämpfen mit Wasser und Wind
Region Borna Winter im Tagebau: Kumpel kämpfen mit Wasser und Wind
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14:10 19.05.2015
Im Abraum im Einsatz ist dieser Schaufelradbagger im Feld Peres des Tagebaus Vereinigtes Schleenhain. Quelle: Andreas Doering

Als er gewahr wird, dass das Band steht, werden die Augen schmal. Er greift zum Telefon. "Warum stehen wir denn?", fragt er den Steiger. Der starke Wind sei der Grund, so die Antwort. Windmessgeräte auf den Großgeräten hatten dafür gesorgt, dass der Absetzer 1124 auf der oberen Kippe in Schleenhain heruntergefahren worden sei. Das habe nicht nur den Pereser, sondern auch die beiden Schaufelradbagger im fünften Schnitt von Schleenhain ausgebremst. "Ohne Abraum keine Kohle", stellt der 53-Jährige missmutig fest.

Auch wenn sich der diesjährige Winter bislang noch von seiner milden Seite zeigt, stellt er die Kumpel der Mitteldeutschen Braunkohlegesellschaft (Mibrag) zeitweise vor Herausforderungen. Die teilweise heftigen Niederschläge machen den Abraum schwergängig. "Sind sehr viele bindige Massen wie Ton und Geschiebemergel dabei, können Trichter und Schütter zuwachsen", gibt Wenke zu Bedenken. Dann liege es in der Kunst des Baggerfahrers darauf zu achten, dass sich im Übergabetrichter der Bänder kein Pfropfen bildet. "Sonst steht alles und wir verlieren Leistung", so der Tagebauchef.

Auch wenn er einräumt, dass bei schwierigen Wetterlagen Leistung nicht alles ist, sondern Sicherheit für die Mitarbeiter Priorität hat, gibt es für die Kumpel klare Zielvorgaben. 2015 müssen sie in beiden Feldern - Peres und Schleenhain - 32 Millionen Kubikmeter Abraum bewegen und 11,5 Millionen Tonnen Kohle fördern. Derzeit liegen im Feld Schleenhain neun Millionen Tonnen greifbar. Parallel dazu hat das Unternehmen im vorigen Jahr mit dem ersten Abraumschnitt in Peres begonnen. Hier muss doppelt so viel Abraum bewegt werden wie in Schleenhain, bevor die Kohle freiliegt. Bereits 2016 soll die erste Kohle aus Peres Richtung Lippendorf gelangen. Aber beim Abraum liegen die Kumpels derzeit hinter dem Plan zurück. Ein durchgängiges Schichtsystem, das im Oktober 2013 eingeführt worden ist, soll den Anschluss herstellen. "Damit fahren wir mit Abraum und Kohle im vollen Betrieb", so Wenke.

Damit das so bleibt, darf ihnen das Wetter aber keinen Strich durch die Rechnung machen. "Leichter Frost mit Minus vier, fünf Grad bietet die besten Bedingungen", verrät der erfahrene Bergmann, der schon in den Tagebauen von Nochten und Welzow im Einsatz war, bevor er zur Mibrag wechselte. Dann würden die Kumpels und die Fahrzeuge einen tragfähigen Boden vorfinden, Kohle und Abraum ließen sich gut abtragen.

Anders bei Temperaturen im zweistelligen Minusbereich. "Dann bekommen wir Probleme auch mit dem Material", erklärt Wenke. Bei Schaufeln könnte es zu Gewaltbrüchen kommen, Aufhängungen an den Bändern reißen. Wenn so eine Aufhängung geschweißt werden muss, steht das Band schnell mal vier, fünf Stunden still, erklärt der Bergmann. Auch das Rücken der Bandanlagen wird dann zur Herausforderung.

Aber ganz dick kommt es bei Dauerregen. Deshalb werden die Entwässerungsgräben ständig geschlemmt. "Wasser ist der Feind Nummer eins im Bergbau", so Wenke.

Durch zahlreiche Vorsorgemaßnahmen wollen die Bergmänner Stillstände weitgehend verhindern. Moderne Technik gehört dazu, die an den Großraumgeräten Einfrierungen oder auf dem Kohlemisch- und Stapelplatz Kollisionen verhindert. Zudem dominieren zusätzliche Arbeiten die Winterfahrt in der Kohle. Schwere Technik ist im Einsatz, um Anbackungen unter den Bändern zu lösen. Raupen ziehen die Schlammfurchen wieder gerade, damit die Fahrzeuge ihren Unterbau nicht ruinieren, wenn der Regen in Frost übergeht. "Das muss alles funktionieren ohne zusätzliche Arbeitskräfte", sagt Wenke, der die Fäden für 270 Mitarbeiter in den Händen hält.

Denn die zwei 900-Megawatt-Blöcke des Kraftwerkes Lippendorf benötigen bei Volllast im Winter den kontinuierlichen Fluss des Brennstoffes. 33 000 bis 35 000 Tonnen Kohle liefert die Mibrag täglich aus Schleenhain. Wegen der Versorgungssicherheit liegen auf den Reservehalden des Kohlemisch- und Stapelplatzes 400 000 Tonnen Kohle. Auch das Kraftwerk hat noch einen Bunker mit 22 000 Tonnen Kohle. Denn Technik und Wetter sind mitunter unberechenbar - nicht nur im Winter.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 16.01.2015
Birgit Schöppenthau

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