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"Wir haben nie gezankt"

"Wir haben nie gezankt"

Am Neujahrstag werden sich Ilse und Kurt Köckeritz aus dem Böhlener Ortsteil Großdeuben wohl besonders tief in die Augen schauen. Das Ehepaar begeht an diesem Tag seine Gnadenhochzeit - ein Jubiläum, das nur wenigen Menschen vergönnt ist.

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Seit Jahrzehnten unzertrennlich und in Liebe verbunden: Ilse (92) und Kurt Köckeritz (93) aus Großdeuben. Am Neujahrstag feiern sie Gnadenhochzeit - nach 70 Jahren. Sie wollen noch möglichst lange in ihrer Wohnung bleiben. Für Mittwoch hat sich Besuch angesagt.

Quelle: Thomas Kube

Böhlen. "Wir können froh sein, dass wir noch zusammen sind", sagt der 93-Jährige. Die vor 70 Jahren in einem Fronturlaub geschlossene Ehe musste wahrlich viele Belastungsproben bestehen. Eine Liebesgeschichte der ganz besonderen Art.

 

 

Dabei waren die Vorzeichen für die Liebenden denkbar schlecht. Mitten im Krieg hatten sich die jungen Leute kennengelernt - zu Pfingsten 1942 in der Obstweinschänke in Altengroitzsch. In der Kneipe sei damals viel los gewesen. "Die Soldaten haben die Mädchen angeflachst", erinnert sich Köckeritz. Elf Tage später musste er wieder an die Front. "Es war so", sagt seine Frau bescheiden und beschreibt mit diesen drei Worten Verhältnisse, die für nachfolgende Generationen unvorstellbar sind.

 

 

Und obwohl sie sich kaum kannten und jahrelang keine Zeit hatten, sich richtig kennenzulernen, sollte die noch junge Liebe halten. Zweifel an der richtigen Wahl habe es nie gegeben, beteuern beide. In einem Fronturlaub 1943 wurde sich verlobt, beim nächsten Wiedersehen dann geheiratet.

 

 

Die Erinnerungen an den Neujahrstag 1944 sind bis heute unvergessen: Bei Schneegestöber lief die Hochzeitsgesellschaft - Eltern, Geschwister und weitere Verwandte der Brautleute - ins Nachbardorf zur Kirche Gatzen. Dort besiegelten der gebürtige Groitzscher und die aus Löbnitz-Bennewitz stammende Frau den Bund fürs Leben. Auch Pfarrer wurden seinerzeit eingezogen. Und so nahm ein Pfarrer im Ruhestand, der in der Nähe der Kirche wohnte, die Trauung vor. "Es war sehr schön" erinnert sich die heute 92-Jährige. Zu Fuß ging es damals auch zurück, in ihrem Elternhaus wurde ein wenig gefeiert. Wenige Tage später zog der frischgebackene Ehemann wieder in den Krieg.

 

 

Er überstand "das Schlachten", wie er sagt, erlitt Verletzungen, erlebte die amerikanische Gefangenschaft und die Zwangsarbeit in Frankreich, konnte schließlich flüchten. "Es war ein Schock", sagt Ilse Köckeritz über den ersten Moment des Wiedersehens im August 1946. Eine freudige Überraschung, der endlich ein normales Leben folgen sollte: zu zweit und mit ausreichend Essen. Erst im Oktober 1957 bekamen die Eheleute in Großdeuben ihre erste eigene Wohnung. Der Ingenieur hatte sie über das Böhlener Braunkohlenwerk bekommen. Sie arbeitete als Säuglingspflegerin in einem Leipziger Kinderheim.

 

 

Zwei Töchter, 65 und 59 Jahre alt, drei Enkel und zwei Urenkel gehören zur Familie. Weihnachten waren sie alle da.

Ein Patentrezept für eine glückliche Ehe haben die Jubilare auch nach 70 Jahren nicht parat. "Wir haben nie gezankt", sagt sie. "Weil ich ein verträglicher Mensch bin", wirft er ein und beide lachen los. Zuhören und den anderen ausreden lassen sei bei Meinungsverschiedenheiten immer wichtig gewesen.

 

 

Gesundheit und weiter zusammenbleiben - das wünschen sich die Eheleute für die Zukunft. "Jammern hilft sowieso nicht", sagt die Seniorin in Anbetracht einiger körperlicher Schwächen. Und so beherzigt sie den Rat ihres Arztes: laufen, laufen und nochmals laufen. Ihr Mann hält sich mit Gymnastik fit. Er denkt mit 93 ernsthaft über die Vorzüge des Internets nach, auch die Treffen bei der Volkssolidarität in Gaschwitz und Großdeuben gehören zum Alltag. "Wir sind nicht stehen geblieben", sagt er und hat die Kronjuwelenhochzeit in fünf Jahren fest im Blick.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 31.12.2013
graetz

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