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Wissen, was drin ist: Europa macht Druck auf das Handwerk

Wissen, was drin ist: Europa macht Druck auf das Handwerk

Ob Streuselschnecke oder Sesambrötchen, ob Hackepeter oder Roulade: Um Allergiker vor Schaden zu bewahren, müssen Bäcker und Fleischer ab sofort alle Inhaltsstoffe für ihre Kundschaft auf Datenblättern dokumentieren.

Borna. Das fordert die europäische Lebensmittelinformationsverordnung (LMIDV). Schnell können pro Geschäft ein-, zweihundert Zutaten-Listen zusammenkommen. Ein riesiger bürokratischer Aufwand, der aus Sicht der Handwerksbetriebe in keinem akzeptablen Verhältnis zum Nutzen steht.

"Die, es betrifft, die fragen bisher schon gezielt nach. Und die von uns bekommen präzise Antwort. Wir sind doch selbst daran interessiert, unsere Kunden fachgerecht zu bedienen", sagt Volker Wolf, ab Januar Obermeister der fusionierten Bäckerinnung im Landkreis Leipzig. Jeden einzelnen Artikel zu deklarieren, bedeute für die Bäckereien einen immensen Aufwand, für den Bäckermeister mit einem nur einem Geschäft mehr noch als für einen größeren Filialisten, so der Naunhofer. Zudem sei nicht verbindlich geklärt, welche Form diese Produktblätter haben sollten.

Auf einer Pflichtliste, die der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks herausgegeben hat, sind nicht nur die Getreidearten verzeichnet, sondern auch Nüsse, Mandeln, Milch und Eier, ebenso Schwefeldioxid und Sufite, die als Konservierungsstoffe eingesetzt werden, sowie diverse weitere Zusatzstoffe. Konservierungsstoffe hätten für die Handwerksbetriebe aber de facto keine Bedeutung, sagt Wolf: "Weil unsere Innungsmitglieder täglich ofenfrisches Backwerk herstellen".

Der Sächsische Fleischer-Innungs-Verband verweist in einer Information an seine Mitglieder darauf, dass die LMIDV noch gar nicht vorliege. Um Rechtssicherheit zu haben, setze man auf einen vorläufigen Verordnungstext. Fakt sei: "Die Informationen müssen für die Kunden unmittelbar und leicht zugänglich sein." Ob das nun per Liste oder Kladde, mündlich oder elektronisch erfolge, sei Sache der Betriebe. Der Verband geht davon aus, dass die Lebensmittelüberwachung, etwa des Landratsamtes, nicht sofort auf die Ahnung etwaiger Verstöße setze, "sondern vielmehr aufgefordert ist, die Betriebe bei der Umsetzung zu unterstützen".

Zu informieren, sei gut und richtig, sagt der Geithainer Bernd Schuhknecht, Obermeister seiner Innung: "Zu viele Informationen verwirren die Leute allerdings eher." Zudem genüge es nicht, all die Stoffe bloß aufzuführen; entscheidend sei doch, zu welchem Prozentsatz sie enthalten seien. "Sonst kann das der Kunde doch gar nicht vergleichen." Schuhknecht bestätigt den enormen Aufwand für die Handwerksbetriebe. Wirklich glücklich sei man mit dieser Regelung nicht.

"Vom Grundsatz her ist es richtig, die Kunden umfassend zu informieren", sagt Ingo Schöne, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Landkreis Leipzig. Doch wer diese Art Aufklärung fordere, müsse bedenken: "Verbraucherschutz kann es nicht zum Nulltarif geben." Schöne weiß, dass die Umsetzung dieser EU-Verordnung für die Innungsbetriebe eine Last ist, auch wenn sie sich darauf hätten vorbereiten können.

Dieses strikten Regelungsbemühen sieht der Geschäftsführer auch im Kampf um Marktanteile zwischen der Lebensmittelindustrie und den meist familiengeführten Handwerksbetrieben: "Da wird Druck aufgebaut, der unsere Betriebe in Bedrängnis bringt." Nicht zuletzt funktioniere eine Deklaration aller Inhaltsstoffe nur dann, wenn auch die Zulieferer konsequent kennzeichneten. Ingo Schöne geht davon aus, dass die Innungsbetriebe gut gerüstet sind: "Wenn der Kunde die Informationen möchte, dann bekommt er sie auch. Davon gehe ich einfach aus." © Kommentar

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 23.12.2014
Ekkehard Schulreich

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