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Witznitzer Fabrik in Borna steht zum Kauf - Immobilienhändler sucht Investoren

Witznitzer Fabrik in Borna steht zum Kauf - Immobilienhändler sucht Investoren

Der Rasenmäher kämpft sich lautstark durch das hohe Unkraut. Rund um die Backsteinhallen der ehemaligen Brikettfabrik in Witznitz räumen Arbeiter Bauschutt und herumliegenden Müll auf die Pritsche eines Transporters.

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Vor seinem geistigen Auge entstehen im ehemaliges Pressenhaus der Brikettfabrik in Witznitz Reihenhäuser: Bert P. Giesen bringt die Immobilie auf den Markt. Fotos: Jens Paul Taubert

Quelle: Jens Paul Taubert

Borna. "Wir sind dabei, das Gelände in Ordnung zu bringen", erklärte Bert P. Giesen, geschäftsführender Gesellschafter der Immobiliengruppe VDL Immobilien Consult. In Kürze würden Schilder mit Angaben zur Vermarktung von Grundstücken und zur Sanierung von Überresten der Industriebrache aufgestellt.

Bereits ab heute könnten Investoren die lukrativen Teile der Insolvenzmasse erwerben. Im Angebot hat der Diplom-Kaufmann unter anderem 17 Grundstücke in der Größe zwischen 340 bis 890 Quadratmetern zur Bebauung mit Eigenheimen. Im alten Pressenhaus befänden sich drei im Rohbau stehende Reihenhäuser, die noch ausgebaut werden müssen. Im entkernten Teil mit den Rundbogenfenstern sei Platz für weitere sechs Reihenhäuser. Gewerbegrundstücke mit diversen Industriebrachen wie der ehemaligen Trocknung und dem Kesselhaus, würden danach schreien, in Lofts umgebaut zu werden. Auch zwei Gewerbegrundstücke mit 3600 Quadratmetern Fläche könnten sofort bebaut werden. 10 bis 15 weitere Baugrundstücke würden im Mischgebiet liegen. Insgesamt wolle VDL Immobilien Consult über 200 000 Quadratmeter Fläche und die darauf befindlichen Immobilien an den Mann bringen.

Mit dem Verkaufsstart ist die Hängepartie für das Mischgebiet rund um die ehemalige Brikettfabrik beendet. Zahlreiche Gläubiger und Vorkaufsrechte hatten eine Abwicklung der Insolvenz, die von den Entwicklungsgesellschaften MIP und Mitem 2013 hingelegt wurde, extrem behindert. Erst ein Vergleich der Gläubiger vor wenigen Monaten hatte den gordischen Knoten zerschlagen. Danach wurde Giesen, der Büros in Berlin, Leipzig und Moskau betreibt, damit beauftragt, die Insolvenzmasse zu sichten und für den Verkauf aufzubereiten. Eigenen Angaben zufolge hat der Jurist Grundbücher und Liegenschaftskataster gewälzt, um herauszufinden, was sich vermarkten lässt. Dafür sieht er durchaus gute Chancen. "Man muss nur die richtigen Leute begeistern", sagte Giesen. "Das werden wir tun."

Giesen hat private Investoren, Projektentwickler und Industriebarone im Visier, die Ideen haben und das Areal rund um die Grüne Harfe beleben wollen. Er habe nicht das Bestreben, einen Bauträger zu finden, der die Schrottimmobilien aufkauft und dann weiterverhökert. "Wir wollen das Gelände entwickeln", bestätigte er. Die einstige Vision, die Industriebrache als Wohn- und Gewerbestandort neu zu gestalten und durch Straßen und Wege zu erschließen, habe an Aktualität nichts eingebüßt. Dass der vorangegangene Versuch gescheitert sei, habe an der Umsetzung gelegen oder an der Gier der Akteure. Vermutlich von beidem etwas, spekulierte Giesen. Der zweite Anlauf werde von Erfolg gekrönt sein. Bereits in einem Jahr will der Experte alles verkauft haben - zu marktüblichen Preisen. Er rechnet mit einem Preis von 85 Euro pro Quadratmeter vollerschlossenes Bauland.

Aber allein mit dem Verkauf sind noch nicht alle Spuren der Pleite beseitigt. Die frühere Entwicklungsgesellschaften haben auch bei der infrastrukturellen Entwicklung des Standortes Lücken hinterlassen. So muss die Grüne Harfe bis an die bereits vermieteten Lofts verlängert werden. Außerdem fehlt der Straße die Anbindung an Borna-Nord. "Wir werden den Durchbruch zur Pawlowstraße fertigstellen", sagte Bornas Oberbürgermeisterin Simone Luedte (Linke). Damit erhalte die Grüne Harfe den Charakter einer Ringstraße. So könne die Eigenheimsiedlung auch bei Sperrung nach Rohrleitungsschaden oder Unfall angefahren werden. Über die finanzielle Ausstattung der Straßenbaumaßnahme verhandele die Kommune derzeit mit den an der Insolvenz beteiligten Akteuren.

In Witznitz sind noch bis 1992 Briketts hergestellt worden. Die Brikettfabrik mit ihrem auffälligen gelben Klinker steht heute unter Denkmalschutz und gilt als eindrucksvolles Denkmal der Industriegeschichte im mitteldeutschen Revier.

© Kommentar

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 15.08.2015
Birgit Schöppenthau

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