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Borna Wohnblock in Kitzschers Problemviertel mit hohem Leerstand wird abgerissen
Region Borna Wohnblock in Kitzschers Problemviertel mit hohem Leerstand wird abgerissen
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17:00 23.02.2016
In Kitzscher wird der Plattenbau in der Straße der Bergarbeiter 1 bis 6 jetzt abgerissen. Quelle: André Neumann
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Kitzscher

Am westlichen Ortsrand von Kitzscher beherrscht seit dieser Woche ein Abrissbagger das Geschehen. Am Montag begann der Abbruch des Plattenbaus Straße der Bergarbeiter 1 bis 6. Dienstagvormittag beobachtete immer noch ein gutes halbes Dutzend Schaulustiger die Arbeiten an dem Sechsgeschosser. Am Montag waren es sogar noch mehr, die von der Leipziger Straße aus zuschauten, wie dem im Volksmund uncharmant „Russenblock“ genannten Haus an die Substanz gerückt wird. Die Bezeichnung stammt daher, dass in dem Gebäude nach 1990 Aussiedler aus Russland untergebracht wurden. Unter den Schaulustigen soll am Montag auch der letzte Bewohner des Hauses gewesen sein. Der lebte dort bis zu einem Brand im Spätsommer 2014, obwohl das Gebäude zu der Zeit schon als geräumt galt.

Rund einen Monat lang war der Wohnblock Anfang dieses Jahres entkernt und leer geräumt worden, ehe der Abriss am Montag planmäßig begann. Bis Dienstagvormittag war der erste der sechs Aufgänge weggerissen. Der Bagger des Abbruchunternehmens R. Voigt aus dem Bornaer Ortsteil Zedtlitz zerkleinerte den auf einem Haufen liegenden Schutt und sortierte das Material.

Der reine Abriss werde ungefähr sechs Tage dauern, sagte Mitarbeiter Karl-Heinz Voitel der LVZ, der mit Wasser aus einem Schlauch den Schutt feucht hielt, um übermäßige Staubbildung zu vermeiden. Das sei, erklärte Voitel, auch bei dem derzeit nassen Wetter erforderlich, weil das Gebäude nur oberflächlich feucht ist, im Inneren aber trocken. Weitere Mitarbeiter sorgen als Posten rund um den Wohnblock dafür, dass niemand die gefährlichen Bereiche betritt.

Wenn der Plattenbau komplett abgebrochen ist, wird das Material sortiert und abtransportiert. Laut Bürgermeister Maik Schramm (Freie Wähler) werde auch ein Teil der Straße vor dem Block zurückgebaut, die frei werdende Fläche soll zunächst eine Wiese werden.

Die Plattenbausiedlung zwischen Straße der Bergarbeiter und Braußwiger Straße gilt in Kitzscher als Problemviertel. Die Häuser aus der letzten Phase des industriellen Wohnungsbaus in der DDR weisen seit mehreren Jahren einen hohen Leerstand auf und waren als Abrisskandidaten schon lange im Visier der Stadt. Der letzte Abriss liegt allerdings neun Jahre zurück. Damals gelang das, weil die Stadt dem Insolvenzverwalter der pleite gegangenen Stadtbau GmbH diesen Block abgekauft hatte. Später fielen die Wohnungen an zahlreiche einzelne Eigentümer, was die Bemühungen der Stadt um weitere Abrisse in diesem Gebiet deutlich erschwerte.

An der jetzt gefundenen Lösung wurde mehrere Jahre gearbeitet, sie lag schließlich in einer Zwangsversteigerung. Damit kam der gesamte Block, der zunächst vier Eigentümer hatte, von denen die Stadt zu zweien keinen Kontakt hatte, in einer Hand. Das Geld für den Abriss stammt noch aus der letzten Periode des Förderprogramms für den Stadtumbau, die 2014 auslief. Für Bürgermeister Schramm ist der jetzt laufende Abbruch „erstmal ein Anfang“. Es verschwinde ein ruinöses Gebäude mit hohem Gefährdungspotenzial.

Dennoch möchte Schramm das Areal weiter ordnen. Aus dem Topf der nächsten Förderperiode des Programms Stadtumbau Ost, die bis 2018 dauert, steht für Kitzscher eine reichliche Million Euro zur Verfügung. Die in Frage kommenden Eigentümer hat die Kommune vor rund zwei Wochen angeschrieben und ihnen den Abriss mit Fördermitteln vorgeschlagen. Reagiert habe noch niemand, sagt Schramm. Der wohl auch nicht mit einer schnellen Lösung rechnet. Bis die Voraussetzungen für den jetzt laufenden Abriss geschaffen waren, hatte es mehrere Jahre gedauert.

Ein Problem sieht der Bürgermeister freilich: Wenn das Geld bis 2018 nicht ausgegeben wird, dürfte es schwer sein, den Abriss auch in der nächsten Förderperiode unterzubringen. Denn ob der Rückbau von Wohnungen angesichts des aktuellen und vor allem durch den Flüchtlingszustrom verursachten Bedarfs auch künftig gefördert wird, steht in den Sternen.

Von André Neumann

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