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Wurzen und Geithain hängen die Republik auf dem Arbeitsmarkt ab

Arbeitslosenquote erstmals unter sechs Prozent Wurzen und Geithain hängen die Republik auf dem Arbeitsmarkt ab

Zum ersten Mal in der Geschichte der Agentur für Arbeit Oschatz ist die Arbeitslosenquote in zwei der neun Geschäftsstellenbereiche unter die Marke des Bundesdurchschnittes bei der Arbeitslosigkeit gesunken. Geithain profitiert von einer ausgezeichneten Verkehrsinfrastruktur und Wurzen punktet durch eine gute Vernetzung von Wirtschaft, Verwaltung und Schule.

Das Gewerbegebiet Nord in Wurzen ist nur eins der gut erschlossenen Flächen im Wurzener Land.

Quelle: Andreas Röse

Landkreis Leipzig. Die Druckerschwärze für die aktuellsten Statistiken der Bundesagentur für Arbeit zu der Arbeitslosenentwicklung im Mai waren am Dienstag noch nicht ganz getrocknet. Da hatte die Geschäftsleitung des Agenturbezirkes Oschatz in seiner Wurzener Außenstelle schon telefonisch den Besprechungsraum reserviert und Kaffee im Sekretariat bestellt. Gute Nachrichten müssen verbreitet werden. Entsprechend gut gelaunt trafen sich am Mittwoch die Agenturchefin Cordula Hartrampf-Hirschberg mit Oberbürgermeister Jörg Röglin (parteilos), um versammelter Landkreispresse die Bedeutung einer Zahl vor Augen zu führen – 5,9.

„Die meisten Menschen in Wurzen, die arbeitslos gemeldet sind, könnten sie persönlich kennen, Herr Röglin“, scherzte Hartrampf-Hirschberg zum Stadtchef. 786 Wurzener sind aktuell ohne Job. Mit Blick auf die vergangenen sieben Jahre hat sich die Arbeitslosigkeit in Wurzen nahezu halbiert. Und ist, wie Geithain auch, im Mai zum ersten Mal unter den Bundesdurchschnitt von sechs Prozent gerutscht. „Wir hatten uns das schon im Vorjahr vorgenommen – das Ziel aber knapp verfehlt. Umso erfreuter sind wir, dass der neue Tiefststand landkreisweit in diesem Jahr schon so früh erreicht ist. Nach jetziger Lage sind wir zuversichtlich, dass sich an diesem Trend so schnell nichts ändern wird“, erklärte die Agenturchefin Mittwoch in Wurzen.

Allein an Ringelnatz wird’s nicht liegen. Was hat/kann Wurzen, was andere nicht haben/können? Der Stadtchef hat eine Menge Antworten: gute Vernetzung von Wirtschaft-Schule, gute Verkehrsanbindungen, beste infrastrukturelle und attraktive Rahmenbedingungen für Familien. „Und wir verstehen uns zusammen mit der Arbeitsagentur als Dienstleister für die Unternehmen und Jobsuchenden.“ Das alles haben/machen andere Kommunen nachweislich auch...

Cordula Hartrampf-Hirschberg und die Papiere aus der Statistikabteilung weiten den Blick über die Stadtgrenzen. „Entlang der B6 in Richtung Leipzig haben wir eine starke Achse mit Bennewitz, Machern und Borsdorf. Unternehmen aus der Gemeinde Bennewitz beispielsweise haben eine vergleichsweise hohe Zahl an Stellenangeboten gemeldet. Die wirtschaftliche Stärke des Geschäftsstellenbereiches Wurzen wird durch die gesamte Region geprägt“, so Hartrampf Hirschberg. Die Stadt ist stärker mit dem Wurzener Land zusammen gewachsen. Seit Beginn der engeren Verzahnung 2014 (das Demografieprojekt „Kooperatives Wurzener Land“ war damals Grundstein für ein strategisches Miteinander) ist die anfängliche Skepsis der Landgemeinden gegenüber der Stadt gesunken, sagt Röglin. Mit Thallwitz, Lossatal und Bennewitz haben sich „Partner gefunden, die als solche auch gemeinsame Ziele verfolgen.“ Daraus profitiere auch die Wirtschaft. Gewerbegebiete können im Verbund vermarktet, potenzielle Investoren umfangreicher betreut und bestehende Unternehmen bei Expansionsvorhaben gezielter unterstützt werden. „Wenn’s bei einem nicht passt, ruft man den Kollegen im Wurzener Land an und fragt, ob er helfen kann“, so Röglin. Das strategische Miteinander habe sich schon jetzt als attraktive Alternative zu flächendeckenden Eingemeindungsszenarien herausgestellt. Röglin: „Es profitiert jeder von jedem.“ Was immer größere Kreise zieht – neue Projekte entstehen (wie die Wohnkampagne „Raus aufs Wurzener Land“) und auch die Wirkungskreise von Vereinen und Initiativen erweitern sich unter dem Eindruck der kommunalen Bündnisarbeit. „Die Chemie stimmt einfach mittlerweile“, so Jörg Röglin.

Andererseits hat auch der Arbeitgeberservice der Arbeitsagentur seinen Fokus auf die Vermittlung von Stellen verstärkt. Die Agenturchefin: „Die Geschäftspolitik hat sich dahingehend verändert, dass wir nicht nur Arbeitslose betreuen, sondern Unternehmen stärker dabei unterstützen bestehende Stellen auch zu besetzen.“ Die Ernte der Arbeit: ein stabiler Stellenmarkt und Zuwächse in nahezu allen Branchen. Der Stellenbestand im Agenturbezirk hat einen neuen Höchststand von mehr als 3000 Angeboten erreicht. In der Stadt Wurzen wurden allein im vergangenen Jahr 155 Arbeitsplätze geschaffen. Die Branchen Gesundheit, Dienstleistungen und Logistik wachsen am stärksten. Röglin: „Alles in allem ein Erfolg, den es mit harter Arbeit fortzusetzen gilt.“

Von Thomas Lieb

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