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Zarte Bande zwischen Brunn und Groitzsch: Österreicher kommt auf Kurzbesuch

Partnerschaft Zarte Bande zwischen Brunn und Groitzsch: Österreicher kommt auf Kurzbesuch

Die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Groitzsch und Brunn am Gebirge in Niederösterreich aus den Jahren 1923 und 1924 haben durch die Initiative von Robert Krickl neue Impulse bekommen. Der aus Brunn stammende Wissenschaftler, Mineralogen, Kristallografen und Historikers war jetzt zu Besuch in Groitzsch.

Ortschronist Roland Meyer (2. v. r.) und Dietmar Schäfer vom Naturfreunde- und Heimatverein (2. v. l.) führen den Österreicher Robert Krickl (3. v. l.) am Modell der Wiprechtsburg im Museum in die Groitzscher Geschichte ein. Sigrid Beck, Inge Zimmermann und Rosemarie Prawalsky (v. l.) lauschen amüsiert Meyers Ausführungen.

Quelle: Gislinde Redepenning

Groitzsch. Die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Groitzsch und Brunn am Gebirge in Niederösterreich aus den Jahren 1923 und 1924 haben durch den Besuch des Brunners Robert Krickl neue Impulse bekommen. Der Terminkalender des promovierten Wissenschaftlers, Mineralogen, Kristallografen und Historikers war während seines Kurzbesuchs in Groitzsch prall gefüllt.

Krickl hatte vor einigen Jahren den Stein ins Rollen gebracht, als er bei den Recherchen für ein Buch über eine vergessene Flugzeugfabrik in Brunn auf Einträge zu den Beziehungen zu Groitzsch stieß. Er forscht heimatkundlich. „Man muss nicht in die Ferne schweifen, es gibt so viel vor der eigenen Haustür zu entdecken“, sagte er und fügt hinzu: „Ich bin Wissenschaftskommunikator, das ist meine Lebensaufgabe.“

Damals herrschte Chaos in der Weimarer Republik, die Wirtschaft lag in Scherben, die Bevölkerung hungerte. Brunn wollte helfen. Der Chef einer Schuhfabrik im Nachbarort war Groitzscher, so entstand die Partnerschaft zwischen den Städten. Man schickte kein Geld, das war wegen der Hyperinflation in der Weimarer Republik immer weniger wert. Man schickte Waggonladungen voller Lebensmittel. Und man lud rund 60 Kinder nach Brunn ein. Sie lebten bis zu einem Jahr in ihren Gastfamilien, die sich rührend um sie kümmerten und sie aufpäppelten.

Zwei von ihnen waren der Vater von Sigrid Beck und die Mutter von Rosemarie Prawalsky. „Die Pflegemutter war Schneiderin, meine Mutter kam mit einem Koffer voller neuer Kleider wieder, die, wie es damals üblich war, noch jahrelang an die Geschwister weitergegeben wurden“, erinnert sich Rosemarie Prawalsky. Zahlreiche Fotos, Postkarten und Briefe zeugen von den Erlebnissen aus dieser Zeit. „Das Sichten ist sehr emotional. Ich kann die Briefe nicht lesen, ohne einen Kloß im Hals zu bekommen“, gibt Krickl zu. Der Donnerstag endete nach einem anschaulichen Vortrag Krickls in der Grundschule, zu der schon länger Kontakte mit Brieffreundschaften bestehen, nach Gesprächen mit Bürgermeister Maik Kunze (CDU) und Vertretern der Stadt sowie der Sichtung des Archivs auf Einladung des Naturfreunde- und Heimatvereins mit einen kurzweiligen Abend im Museum.

Udo Killmey und Kerstin Schneiderheinze von der Sektion Weinfreunde kredenzten einen Apfelwein und den heimischen Müller-Thurgau, den Weinkenner Krickl als „ extrem sortentypisch“ lobte. Er hatte eine Auswahl edler Tropfen aus seiner Region mitgebracht, vom Grünen Veltliner, der Paraderebsorte Österreichs über den Zweigelt bis zum „Orange Wein“, der vierten Farbe. „Ich möchte die alten Bänder neu knüpfen“, bestätigte Krickl nach seiner Stippvisite. „Ich bin nur die Vorhut, es gibt schon viele Interessenten, die beim nächsten Besuch gerne mitkommen würden.“

Von Gislinde Redepenning

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