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Zehn Jahre Groitzscher Eigenheimzulage: Fast 700 000 Euro an Familien ausgezahlt

Wohneigentum Zehn Jahre Groitzscher Eigenheimzulage: Fast 700 000 Euro an Familien ausgezahlt

Nach dem Aus der staatlichen Eigenheimzulage hat Groitzsch 2007 eine kommunale Förderung eingeführt. Mittlerweile hat die Schusterstadt rund 683 000 Euro an Familien ausgezahlt, wenn sie erstmals eine selbst genutzte Wohnimmobilie erwerben.

Der Groitzscher Markt: Die Stadt unterstützt die Schaffung von Wohneigentum mit einer kommunalen Eigenheimzulage für Immobilien, die vor 1990 errichtet wurden.

Quelle: Andreas Döring

Groitzsch. Im Bundesbauministerium wird derzeit über einen staatlichen Eigenkapitalzuschuss für den Aufbau von Wohneigentum nachgedacht, die Regierungspartei CDU plant die Rückkehr des Baukindergeldes. Nach 2005 hatte es eine solche Förderung deutschlandweit nicht mehr gegeben – fast deutschlandweit: Das kleine Städtchen Groitzsch im Landkreis Leipzig hatte damals das Aus für diese Finanzspritze nicht hingenommen. Seit zehn Jahren erhalten dort Familien auf Antrag eine kommunale Eigenheimzulage, wenn sie erstmals eine selbst genutzte Wohnimmobilie erwerben. Mittlerweile hat die Schusterstadt dafür rund 683 000 Euro ausgegeben.

„Wir wollten Einfluss auf die Einwohnerzahl nehmen, dem Negativtrend entgegenwirken“, blickt Bürgermeister Maik Kunze (CDU) auf den Grundsatzbeschluss des Stadtrates vom Mai 2006 zurück. Der städtische Zuschuss war dann zum 1. Januar 2007 eingeführt worden. Noch immer gibt es eine Schere zwischen Geburten und Sterbefällen, sagt der Stadtchef heute. Doch nach und nach verringerte sich der Abstand zwischen Zu- und Wegzügen. „Jetzt haben wir wieder eine leicht ansteigende Einwohnerzahl.“ Womit sich seine damalige Aussage bestätigt: „Diese Zulage ist eine Investition in die Zukunft.“

Anfangs kamen vor allem Häuslebauer in den Genuss der kommunalen Förderung, aber auch Käufer von älteren Gebäuden und Wohnungen. Mit einer Änderung der Satzung per Jahresbeginn 2012 gibt es das städtische Geld aber nur noch, wenn Bestandsimmobilien erworben werden, die bereits vor 1990 existierten. Diese Entscheidung sei gefällt worden, um das Leben in den innerstädtischen Straßenzügen sowie in den Dorfkernen zu erhalten. „Bei uns muss man leer stehende Häuser schon suchen“, frohlockt Kunze. „Es gibt sie noch, doch in wesentlich geringerem Maße als andernorts.“

79 Altbau-Objekte wurden auf diese Art gefördert, macht es Bauamtsleiter Dirk Schmidt konkret. „Insgesamt haben bisher 109 Haushalte unsere kommunale Eigenheimzulage erhalten“, erläutert er weiter.

Seit 2012 zahlt Groitzsch pro Elternteil, das im Grundbuch steht, 500 Euro und pro Kind 1000 Euro – jeweils über vier Jahre. Eine vierköpfige Familie kann so 12 000 Euro erhalten. Ein Stopp ist vorerst nicht vorgesehen. Die geplanten Ausgaben werden bis zum Jahr 2019 auf etwa 795 000 Euro anwachsen, so Schmidt.

Die Beschränkung auf Bestandsimmobilien hing zudem mit weniger gewordenen Flächen für Häuslebauer zusammen. „Inzwischen ist die Nachfrage nach Eigenheimstandorten wieder gestiegen, und wir können dafür einiges anbieten“, sagt Bürgermeister Kunze.

Auch wenn Bauwillige in den neuen Arealen schon zahlreiche Kaufverträge abgeschlossen sowie Reservierungen vorgenommen haben, können Interessenten in der nächsten Zeit noch aus etwa 35 Grundstücken in verschiedenen Bereichen wählen. Dazu zählt vor allem das Wohngebiet „Wiesenblick“, das 2017 im Osten der Stadt an der ehemaligen Bahnlinie nach Zwenkau erschlossen werden soll. Auch am „Schiefen Weg“ gebe es demnächst Bauplätze.

Zudem bekommt inzwischen das private Baugebiet „An der Hohle“ im Ortsteil Audigast mehr Zuspruch und „läuft jetzt gut“, so Maik Kunze.

Von Olaf Krenz

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