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Zeig mir deine Welt – Bornaer Kindergartenkinder feiern kulturelle Vielfalt

Blick über den Tellerrand Zeig mir deine Welt – Bornaer Kindergartenkinder feiern kulturelle Vielfalt

In der Bornaer Kindertagesstätte Regenbogenland treffen sich mittlerweile tagtäglich Kinder aus zwölf verschiedenen Nationen. Grund genug für die Erzieherinnen, dieser Vielfalt ein Fest zu widmen, auf das die Kinder sich in Gruppen vorbereitet haben. Im Mittelpunkt standen dabei verschiedene Kulturen und Länder der Welt.

Gummibärchen für alle: Pia (r.) erklärt, dass die Leckerei in Deutschland erfunden wurde.

Quelle: Jens Paul Taubert

Borna. Etwas schüchtern lächelt Soliman in die Menge. Über 170 neugierige Augenpaare sind auf den Vierjährigen gerichtet. Er trägt eine kunstvoll bestickte Weste, darunter ein feines Hemd und auf dem Kopf einen kleinen Hut. An seiner Hand hält er seine kleine Schwester, die Dreijährige Sadaf. Beide wollen ihren Freunden aus der Kita Regenbogenland, ihren Erzieherinnen und den anwesenden Eltern einen Tanz aus ihrem Heimatland Afghanistan vorführen. „Zeig mir deine Welt“ lautet das Motto des Tages.

Zwei Monate lang haben sich die Kitakinder aller Gruppen – von der Krippe bis zur Vorschule – mit verschiedenen Ländern und Kulturen der Welt beschäftigt. Ein großes Fest stellt das Finale der Projektarbeit dar. „Wir haben in den letzten Jahren einen großen kulturellen Zuwachs erfahren“, erklärt Erzieherin Jenny Weiske. Diesem wolle man mit der Veranstaltung gerecht werden. Die 26-Jährige hat bei der Aktion den Hut auf, führt am Donnerstagvormittag durch das Eröffnungsprogramm, bei dem die Kinder verschiedene Tänze aufführen und singen.

Soliman und Sadaf werden auf der Bühne von ihrer Mama unterstützt, das Publikum klatscht im Rhythmus. Eine ganze Kindergartengruppe performt später gemeinsam mit den Erzieherinnen einen indischen Teppichtanz, dann bewegen sich die Kinder im typischen Stil zu Balkanmelodien, singen „Babuscka, komm tanz mit mir“. Nach dem Programmteil in der Turnhalle durchlaufen die Kinder in ihren Gruppen verschiedene Stationen, an denen sie vieles über andere Länder lernen sollen – und nebenbei ganz viel naschen können.

„Jede Gruppe hat einen Schwerpunkt gesetzt – dabei spielt natürlich eine Rolle, aus welchen Ländern Kinder dabei sind“, erläutert Weiske. Sie steht dabei vor dem Stand der Spatzengruppe, die sich mit dem Orient befasst hat. Auf einem Tisch, der durch ein großes Plakat mit vielen Bildern geschmückt wird, stehen Teller mit verschiedenen Speisen. Ehab und Ola Abou Yjab, die Eltern von Joud und Ward, haben traditionelle arabische Speisen für die Kindergartenkinder mitgebracht. Es gibt Samosas und kleine dönerartige Teigtaschen mit einer würzigen Soße, Weinblätter mit Reisfüllung und süße Plätzchen. Der Vierjährige Joud ist mit seiner Familie vor knapp eineinhalb Jahren von Damaskus in Syrien nach Deutschland gekommen. Fleißig hilft er beim Verteilen der Leckereien. Herzhaft beißt der sechsjährige Lennox in eins der Plätzchen. „Richtig lecker, sehr gut“, sagt der Vorschüler anerkennend.

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Kinder aus zwölf Nationen gehen in die Bornaer Kita Regenbogenland – „Zeig mir deine Welt“ heißt das Projekt, in dem sie sich gegenseitig ihre Heimat näher brachten.

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Man habe gezielt die Eltern eingebunden, erklärt Weiske. „Zum einen können sie viel beitragen zum Projekt, zum anderen können wir auf diese Weise zeigen, dass wir sie wertschätzen, uns interessieren und zusammenarbeiten wollen.“ Und das kommt sehr gut an. Nicht nur Jouds Eltern sind zum Fest gekommen. Auch die Mama und Tanten von Anna und Marcel sind da. Sie backen köstliche Süßigkeiten aus Russland für die Kinder. Imani Abubakarova, die Mama von Fariza und Elita, hat traditionelles tschetschenisches Manti gekocht, eine würzige Teigspeise.

„Die Eltern haben vor allem Essen mitgebracht. Das liegt auch daran, dass viele geflüchtet sind, kaum etwas aus ihrer Heimat mitnehmen konnten“, macht Weiske deutlich. Die Krippenkinder würden überwiegend noch nicht verstehen, dass Kinder aus unterschiedlichen Ländern in die Kita gehen. „Aber die größeren merken das schon und interessieren sich dann natürlich auch dafür, reden miteinander darüber“, sagt Weiske. So sei man auf die Idee für das Projekt gekommen. „Es gibt Kinder aus zwölf unterschiedlichen Ländern bei uns. Das bietet die Möglichkeit, ganz viel über die Länder zu lernen“, betont die junge Erzieherin.

Die Kinder präsentieren an ihren Ständen stolz, was sie gelernt haben, erzählen ihren Freunden davon. Natürlich gibt es auch einen Stand, an dem es um Deutschland geht. Es gibt viel zu lernen. Die Fünfjährige Pia zum Beispiel hält einen Teller mit bunten Gummibärchen. Während gierige kleine Fingerchen nach der Süßigkeit greifen, erklärt sie ganz souverän, dass das Rezept dafür aus Deutschland stamme und schon 1922 seinen Ursprung hatte. Gegenüber steht Oskar. Er ist ebenfalls fünf Jahre alt und auch er hat einiges an Wissen, das er mit seinen Freunden teilen kann. „Den ersten Kindergarten gab es in Thüringen und ein typisches deutsches Essen ist die Wienerwurst mit Kartoffelsalat“, sagt er stolz.

Der Kartoffelsalat hat es neben vielen anderen Leckereien auch in ein internationales Rezeptbuch geschafft, das im Zuge des Projekts entstanden ist. „Wir haben in den letzten Monaten vieles verkosten können. Da kam uns die Idee, die Rezepte zu sammeln“, sagt Jenny Weise. Das Buch, das im Auftrag des Elternbeirats erstellt wurde, kann man für einen kleinen Obolus, der den Kindern zugute kommt, erwerben. „Liebe – auch freundschaftliche – geht durch den Magen“, sagt Jenny Weise. Sie ist sehr zufrieden mit dem Ausgang des Projekts. „Die Kinder und die Eltern waren sehr offen und sehr interessiert. Es gab einen sehr guten Austausch“, resümiert sie stolz.

Pünktlich zur Mittagszeit sind fast alle Häppchen aufgegessen, viele Kinder sind so satt, dass sie das Kitamittagessen kaum anrühren. Sie haben viel erlebt und viel gelernt an diesem Tag und träumen beim obligatorischen Nickerchen sicher von all den spannenden Ländern und Kulturen dieser Welt.

Von Nathalie Helene Rippich

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