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Borna Zeitreise mit Witz und Gefühl
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21:20 18.08.2013
Theaterspektakel zur Völkerschlacht: mit dem wortgewaltigen russischen Zar Alexander I. (Hans-Joachim Keil). Quelle: Thomas Kube

in das Jahr der Völkerschlacht 1813.

Drehbuchautorin Gabriele Richter bewies bereits beim Schreiben das richtige Gespür. Sie verzichtete auf blutiges Gemetzel, das es in jenen geschichtsträchtigen Oktobertagen 1813 in Rötha nachweislich nicht gab. Sie konzentrierte sich zum einen auf das Geschehen im Schloss, wo die alliierten Monarchen europäische Geschichte schrieben und den Plan gegen Napoleon schmiedeten. Und zum anderen auf die Menschen in der Kleinstadt, die plötzlich mit grölenden Soldaten, Hunger, Plünderung und vielen Verwundeten leben mussten. Deren Charaktere sind es, die dem ernsten Thema eine unterhaltsame Note verpassen. Dazu gehören der kleinkarierte Mädchenlehrer, der seine Schülerinnen vor unmoralischen Dingen bewahren und "verwerfliche Gespräche" mit Männern verhindern will. Als er seine Schule als Lazarett hergeben muss, bricht seine kleine Welt zusammen. Architekt Uwe Herrmann verleiht dieser Rolle viel Witz - sehr zur Freude des Publikums. Schauspielerisches Talent steckt auch in der Figur des Schösser Bernhardt, den Elektriker Dieter Kunze mimt. Er überzeugt in der Rolle des Entscheidungsträgers, weil Freiherr Johann Georg von Friesen damals im Auftrag des Königs nach Dresden abreiste.

Rötha. Es war eine besondere Premiere auf der Schlossparkwiese in Rötha: das Open-Air-Theaterspektakel "Rötha im Jahr 1813". Bei Kaiserwetter erlebten rund 500 Besucher am Sonnabend eine authentische Zeitreise in das Jahr der Völkerschlacht 1813.

Schöner Effekt der ganz bewussten Rollen-Besetzung: Mancher spielt sich selbst. Bürgermeister Ditmar Haym mimt den damaligen Bürgermeister Schirmer und landet immer dann, wenn es aktuelle Bezüge gibt, große Lacher im Publikum. "Schösser, das ist meine Art!", sagt er auf die Frage des Gutsverwalters, warum er so schreie. Mit Humor nimmt er den eigenen verpatzten Auftritt, weist das geneigte Publikum extra drauf hin.

Zum emotionalen Höhepunkt wird der Live-Gesang von Birgit Geuther, im Stück Ehefrau des Gutsverwalters. Das neu vertonte Lied "Lieber Gott" von Andrea Berg - ein Hilferuf der Menschen am Vorabend des 18. Oktober - macht Gänsehaut, mancher ringt mit den Tränen.

Auch andere Episoden gehen zu Herzen. Etwa die Geschichte des Bauern Sparborth, der einen Balten vor dem Tod rettet, in dem er ihn zu Dr. Stöbe (Wolfgang Schiepek) bringt. Der bei 1555 Verletzten und Mangel von Verbandszeug und Branntwein völlig überlastete Arzt amputiert den jungen Gerhardt Wilhelm von Reutern (1794-1865), der ein berühmter Maler wurde.

Dass alle Akteure Laien sind, macht den besonderen Reiz des kurzweiligen Stücks aus. Souffleuse Annelie Möschke hilft, wenn der Text partout nicht einfallen will. Im Übrigen sorgen ein liebevoll dekoriertes Bühnenbild und Darsteller in historischen Kostümen auch für optische Reize. So manche Figur entpuppt sich in historischer Uniform als ein recht stattliches Mannsbild - auch wenn der Schweiß literweise floss.

Am Ende sind alle mehr als erleichtert, genießen den Beifall. Uwe Wellmann (Graf von Metternich) dankt Gabriele Richter und Annelie Möschke, ohne die das Projekt nicht zustande gekommen wäre und schickt Genesungswünsche ins Krankenhaus. Petra Müller war bei der Generalprobe gestürzt, so dass die Nebenrolle des Adjutanten des Zaren neu besetzt werden musste.

"Hut ab vor dieser Leistung und dem bürgerschaftlichen Engagement", lobte der Murrhardter Bürgermeister Armin Mößner (CDU). Der Schlosspark habe Potenziale.

So mancher bedauerte, dass die Aufführung einmalig bleiben soll. Offen blieb, was aus der zarten Liebesbande zwischen Theresa (Marlene Ollermann) und Peter, dem Schäfersohn (Eugene Müller) wurde. Stoff für Teil zwei...

© Kommentar

iWeitere Fotos vom Theater auf der Röthaer Schlossparkwiese gibt es im Internet unter: www.lvz-online.de/borna

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 19.08.2013

Saskia Grätz

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