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Borna Zu religiös? Linke gegen Betreuungsauftrag an Diakonie
Region Borna Zu religiös? Linke gegen Betreuungsauftrag an Diakonie
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08:09 11.09.2018
Das Symbol der Diakonie. Quelle: Archiv
Landkreis Leipzig

Die geplante Übertragung der Hortbetreuung an den Schulen zur Lernförderung in Borna, Elstertrebnitz und Burkartshain wird offenbar kein glatter Durchläufer. Zumindest die Fraktion der Linkspartei im Kreistag hat Bauchschmerzen mit der angedachten Übertragung an die Diakonie Leipziger Land. „Wenn die Landkreisverwaltung die von der Diakonie auserbetenen zusätzlichen jährlichen Finanzmittel von 137 000 Euro für zusätzliche Personalkosten selbst in die Hand nehmen würde, könnte man damit das beklagte Vertretungsproblem für Erzieherinnen ebenso gut selbst lösen“, erklärt Roswitha Brunzlaff, Kreisrätin der Linksfraktion.

Mit Zusatzkosten kann Kreis Problem allein lösen

Der Landkreis hatte argumentiert, dass man im Krankheits- und Vertretungsfall nach Übertragung der Hortbetreuung an einen freien Träger schneller reagieren könne, weil bisher die Entfernungen für Vertretungen schwierig zu bewerkstelligen seien. Für die Linke greift diese Argumentation zu kurz. Auch an der prinzipiellen Notwendigkeit, die Aufgabe in neue Hände zu legen, hegt die überwiegende Mehrheit der Fraktion Zweifel. „Es gab bisher keinerlei Probleme oder Beschwerden der Eltern, die den Landkreis in der Pflicht sehen, etwas zu ändern“, erklärt Brunzlaff. „Um die Betreuung weiter zu verbessern, könnten die 137 000 Euro, die die Diakonie zusätzlich finanziert bekommen sollte, im Kreishaushalt für Personal eingesetzt werden. Die angeblich längeren Arbeitswege im Vertretungsfalle können jedenfalls kein Kriterium darstellen, weil sie ja auch bei der Übernahme durch die Diakonie dieselben bleiben“, so Brunzlaff.

Keine Wahl – Religionspädagogik der Diakonie

Die Kreisrätin geht sogar noch weiter. Erhebliche Bedenken meldet sie bezüglich des Betreuungskonzeptes der Diakonie an. Dieses stelle die Religionspädagogik in den Mittelpunkt, was – nach Meinung der Linken – Eltern und Kinder mehrheitlich vor eine schwierige Situation stelle. „Wenn bei Kitas nichtreligiöse Eltern ihre Kinder in einer Diakonie-Einrichtung betreuen lassen, weil sie die hochwertige Gesamtbetreuung schätzen, so ist das ihre freie Entscheidung, die mit diesem Konzept verbundene religiöse Erziehung hinzunehmen“, betont Brunzlaff. Anders liege der Fall bei den Schulen zur Lernförderung. „Die Eltern der Schüler in Borna, Elstertrebnitz und Burkartshain würden diese Wahlmöglichkeit nicht haben. Denn es ist“, so die Kreisrätin weiter, „eine unrealistische Annahme, dass nichtreligiöse Eltern ihr lernbehindertes Kind nach der Schule abholen und in einen anderen Hort des Landkreises fahren könnten.“

Diakonie hält an religiösen Pädagogik-Inhalten fest

Auf ein Interessenbekundungsverfahren, das der Landkreis im Vorjahr initiierte, hatte als einziger Bewerber die Diakonie Leipziger Land reagiert. Deshalb liegt dem Kreistag nunmehr der Vorschlag der Verwaltung vor, die Ganztagsbetreuung in die Hände des kirchlichen Trägers zu legen. „Die Diakonie erbringt nachweislich eine gute Arbeit, die hohe Wertschätzung genießt“, möchte die Vertreterin der Linksfraktion nicht missverstanden werden. Allerdings käme in der Hortbetreuung für die Linkspartei nur ein fakultatives christliches Angebot in Frage. Im Sozialausschuss des Kreistages habe sich der zuständige Fachbereichsleiter der Diakonie aber nicht bereit gezeigt, die Religionspädagogik im Konzept zugunsten einer nicht religiös gebundenen Pädagogik zu verändern. Kein Kind, hieß es, würde gezwungen, an den religiösen Angeboten teilzunehmen. „Doch wie realistisch ist es“, fragt Brunzlaff, „dass Kinder sich dem tatsächlich entziehen können, wenn ihre Eltern nicht dabei sind?“ Letztlich sieht die Kreisrätin auch die Sächsische Förderschülerbetreuungsverordnung verletzt. Diese sehe eine Beteiligung der Eltern an wesentlichen Entscheidungen, insbesondere der Fortschreibung oder Änderung der pädagogischen Konzepte vor, was ebenso wenig erfolgt sei.

Von Simone Prenzel

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