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Zwei Wohnblöcke in Gnandorf fallen

Zwei Wohnblöcke in Gnandorf fallen

Borna. Die Sonne scheint in den Vormittagsstunden auf die Balkons in der Neuen Platekaer Straße in Borna. Vereinzelte Blumenkästen bringen Farbtupfer an die triste Fassade des Sechsgeschossers.

In Mint, Hellblau und Gelb haben Mieter ihr Freiluftzimmer getaucht. Zum Teil sind sie verglast. Da, wo Offenheit herrscht, schützen Schirme vor Sonnenstrahlen. Trotz der idyllischen Ruhe täuschen die vielen Fenster ohne Gardinen nicht darüber hinweg, dass Gnandorf ein Problem hat. Eine Frau im mittleren Alter steht an der Brüstung und schaut betrübt auf die Nadelbäume vor dem Haus. "Wir müssen raus", beantwortete sie die fragenden Blicke. Nach mehr als 17 Jahren müsse sie ihre Wohnung verlassen. Der Block werde abgerissen.

Was bislang als Gerücht durch das Quartier waberte, hat sich nun bestätigt. Auf einer Mieterversammlung am Donnerstagabend im Bürgerhaus Goldenen Stern hat die Bornaer Wohnungsgenossenschaft (BWG) die Pläne zum Rückbau von 144 Wohnungen bestätigt. Betroffen sind zwei Wohnblöcke in der Neuen Platekaer Straße mit den Hausnummern 1 bis 11 und 13 bis 19. Die Abrissbirne soll im Dezember 2016 anrücken und den Plattenbau auf dem Scheiterhaufen der Geschichte entsorgen. Wohnungen, die erst Mitte der 80er-Jahre gebaut und bezogen worden sind.

"Das ist keine leichte Entscheidung", sagte Andreas Beier, Vorstandsvorsitzender der BWG. Aber der wachsende Leerstand zwinge die Genossenschaft zum Handeln. Beier legte Fakten auf den Tisch: Von den rund 700 BWG-Wohnungen in Gnandorf seien inzwischen 300 unbewohnt. Während um die Jahrtausendwende der Bestand noch voll vermietet war, nahm die Flucht aus dem Viertel ab 2006 rasant zu. Seit 2006 hat sich der Leerstand verdoppelt. Beier ist davon überzeugt, dass der Abriss der Grundschule dem Stadtteil den Gnadenstoß gegeben hat. "Auf Dauer sind die Leerstände betriebswirtschaftlich nicht durchzustehen", so Beier. Mietausfälle und nicht umlagefähige Betriebskosten würden riesige Löcher in die derzeit gesunde Gesamtbilanz der Genossenschaft reißen.

Deshalb zieht die BWG jetzt die Reißleine. Wie Beier versicherte, seien mehrere Umbauvarianten geprüft worden. Diese hätten von der Sanierung des gesamten Bestandes bis zu einem Teilabriss und der Auflockerung der Blockbauweise gereicht. Bei derartigen Lösungen wäre die Genossenschaft allerdings mit bis zu 20 Millionen Euro dabei gewesen. Die Prognosen für die Zukunft würden derartige Investitionen jedoch nicht zulassen. Experten gehen davon aus, dass sich aufgrund der demografischen Entwicklung der Leerstand in Borna Gnandorf so schnell nicht stoppen lässt.

Für die noch verbliebenen 59 Mieter in dem langen Block, der zum Abriss vorgesehen ist, bedeutet die Entscheidung der BWG Umzug. "Ab sofort stehen die Bewohner der frei zu lenkenden Wohnungen auf der Prioritätenliste ganz oben", sagte Beier. Bis 30. November nächsten Jahres sollen alle eine gleichwertige oder auf Wunsch auch besser ausgestattete Wohnung in unmittelbarer Nähe erhalten. "Keine Angst, es wird kein Bagger anrücken, wenn auch nur ein Genossenschafter noch im Block wohnt", beruhigte Beier die aufgeregten Gemüter. Im Bewusstsein, dass es viele ältere Menschen treffen wird, bietet das Wohnungsunternehmen bezugsfertige Alternativen an, sagt Hilfe beim Umzug zu, unterstützt die Betroffenen darüber hinaus mit Geld für den Wohnungswechsel und die Ummeldung.

Trotz der Versicherung, dass der Umzug sozial verträglich gestaltet wird, schaut die Frau auf ihrem Balkon in Borna Gnandorf immer noch skeptisch drein. Da die Tochter ausgezogen ist, würde sich das Ehepaar verkleinern wollen. Die Gelegenheit bietet sich dazu. Aber trotzdem bleiben da Bedenken - ob sie wieder eine Erdgeschoss-Wohnung beziehen kann. Obwohl erstes oder zweites Obergeschoss auch noch gehen würde. Aber die beiden Hunde, die müssten in der neuen Wohnung unbedingt akzeptiert werden. "Ein bisschen traurig bin ich schon, man hängt ja ein bisschen an seiner Wohnung", sagte die Gnandorferin. © Kommentar

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 25.07.2015
Birgit Schöppenthau

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