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Borna Zweite Runde für Enthärtungsanlage im ZBL: Groitzsch bleibt beim Widerspruch
Region Borna Zweite Runde für Enthärtungsanlage im ZBL: Groitzsch bleibt beim Widerspruch
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00:20 21.08.2017
Am Dienstag entscheidet der ZBL zum zweiten Mal über den Bau einer Enthärtungsanlage im Wasserwerk Kesselshain. Quelle: Jens Paul Taubert
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Borna/Blumroda

Die Argumente und Ansichten sind ausgetauscht, die Fronten weitgehend abgesteckt. Am Dienstag wird die Versammlung des Zweckverbandes Wasser und Abwasser Bornaer Land (ZBL) zum zweiten Mal über den Bau einer Enthärtungsanlage abstimmen.

Die soll die Härte des im Wasserwerk Kesselshain produzierten und an rund 35 000 Einwohner gelieferten Wassers so weit herabsetzen, dass der Härtebereich zwei erreicht wird. Den besitzt das Wasser, welches die andere Hälfte der Abnehmer im ZBL-Gebiet bezieht, vorwiegend Fernwasser des Versorgers Elbaue-Ostharz. Hartes Wasser führt zu Kalkablagerungen an Armaturen und Heizelementen und begünstigt schnelleren Verschleiß.

Im Mai hatte die Verbandsversammlung mit deutlicher Mehrheit für den Bau der Anlage gestimmt. Weil die Stadt Groitzsch, die gemeinsam mit Elstertrebnitz dagegen gestimmt hatte, dem Beschluss anschließend widersprach, muss die Beschlussfassung wiederholt werden. So sieht es das Gesetz über kommunale Zusammenarbeit vor.

Dass es diesmal eine andere Entscheidung geben könnte, ist kaum zu erwarten. Viele Verbandsräte sind an das Votum ihrer kommunalen Parlamente gebunden, darunter die der Stadt Borna. Gestritten wird im Vorfeld kaum noch, eher abgewartet. Die Stadt Groitzsch hat ihren Widerspruch noch einmal ausführlich begründet und sieht sich in ihrer Haltung noch bestärkt, wie Bürgermeister Maik Kunze (CDU) der LVZ sagte. Aus Groitzscher Sicht könne der Verband noch nicht entscheiden, weil nicht alle Alternativen, zu weicherem Wasser zu kommen, geprüft worden seien.

Bestätigung bekommt die Stadt ausgerechnet aus Kitzscher, der Stadt, die die Bemühungen des Verbandes um weicheres Wasser mit einer per Stadtratsbeschluss untersetzten Forderung erst ausgelöst hatte. Damals forderte die Stadt den Verband auf, weiterhin das weichere Fernwasser zu beziehen. Hans-Dietrich Welde aus Kitzscher, ehemaliger Verbandsrat im ZBL, knüpft daran an und fordert mehr Fernwasser anstelle einer Enthärtungsanlage, „mit der allen Einwohnern des Verbandsgebietes höhere Gebühren aufgebürdet werden“.

Dies Haltung unterstützt Ute Reuther, aktuelle Stadt- und Verbandsrätin aus Kitzscher. Sie ist davon überzeugt, dass eine Enthärtungsanlage den Wasserpreis um deutlich mehr als die vom Verband ausgerechneten acht Cent je Kubikmeter steigen lassen wird. Ausgehend von den aktuellen Preisen erwartet sie einen Anstieg von derzeit 1,71 auf 2,10 Euro je Kubikmeter. „Das ist den Verbrauchern nicht zu vermitteln, da es kostengünstigere und auch einfachere Lösungen gibt, um alle Verbraucher im Verbandsgebiet mit Trinkwasser im Härtebereich zwei zu versorgen“, sagt Reuther und meint damit wie Welde die Erhöhung des Bezuges von Fernwasser durch den Verband. Das sei ohne einen Anstieg der Trinkwassergebühr möglich.

Ganz anders sieht das der Bürgermeister von Kitzscher, Maik Schramm (Freie Wähler). Angesichts der jüngsten Berichte über zunehmende Belastung des Grundwassers mit Nitrat durch die Landwirtschaft, hält er es erst recht für geboten, am Wasser aus eigenen Brunnen festzuhalten und dafür eine Enthärtungsanlage zu bauen. Denn das Wasser, welches der ZBL mit Tiefbrunnen aus mehr als 100 Meter Tiefe fördert, wie auch das, welches die so genannten Flachbrunnen bei Kitzscher 20 bis 30 Meter unter der Oberfläche zapfen, werde von den Nitrateinträgen nicht beeinflusst. Das Fernwasser dagegen werde auch aus oberflächennahem Grundwasser aufbereitet, das bei zunehmender Nitratbelastung aufwendig gereinigt werden müsse. Auf der Internetseite von Fernwasser Elbaue-Ostharz heißt es dazu: „Nitrat ist in der Trinkwasseraufbereitung nur mit äußerst hohem technischem und finanziellem Aufwand zu entfernen.“

Der ZBL hatte erst kürzlich die Bürgermeister der Verbandskommunen über die aktuellen Ergebnisse des Grundwassermonitorings informiert, was alle zwei Jahre geschieht. Laut ZBL-Geschäftsführer Michel Spitzner gebe es keinerlei Verschlechterungen bei Qualität und Quantität, weder durch Bergbaufolgen noch durch anthropogene, also von Menschen verursachte Einträge.

Wie sich die Stadt Groitzsch verhalten wird, falls der ZBL erneut für den Bau der Enthärtungsanlage stimmt, sagte Groitzschs Bürgermeister nicht. Darüber, so Kunze, werde eine Woche später der Verwaltungsausschuss der Stadt entscheiden.

Die öffentliche Sitzung des ZBL beginnt am Dienstag, 17 Uhr. Sie findet diesmal nicht am Verbandssitz in Blumroda statt, sondern im Saal der Gemeindeverwaltung Neukieritzsch, am Schulplatz 3.

Von André Neumann

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