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Zwischen den Fronten – Wenn Kinder unter der Trennung ihrer Eltern leiden

Fachtag Zwischen den Fronten – Wenn Kinder unter der Trennung ihrer Eltern leiden

Als extrem belastend empfinden Kinder Trennung oder Scheidung ihrer Eltern. Die Welt gerät plötzlich aus den Fugen. Erziehern, denen die Thematik im Berufsalltag begegnet, bot das Netzwerk Kinderschutz und Frühe Hilfen im Landkreis Leipzig jetzt eine Fortbildung in Grimma an.

Ein Ehering liegt auf einem Gerichtsbeschluss über eine Scheidung.

Quelle: dpa

Landkreis Leipzig. Wenn Eltern sich trennen, gerät für Kinder die Welt aus den Fugen. Denn die Folgen einer Trennung betreffen alle Familienmitglieder, nicht nur die Erwachsenen. Der alltägliche Rhythmus ist mit einem Schlag dahin: Umzüge sind zu organisieren, Kinder müssen nicht selten den Kindergarten oder die Schule wechseln. Auch liebgewonnene Freizeitaktivitäten fallen mitunter weg – und bei alldem wird die finanzielle Situation häufig nicht besser.

Eltern sorgen sich, ob das Kind zwangsläufig unter der Trennung der Partner leiden muss und sie machen sich Vorwürfe, welche Auswirkungen das auf die Entwicklung des Kindes hat. In der veränderten Lebenssituation ist es für alle eine Herausforderung, die Umgangsregelungen nach den Bedürfnissen des Kindes auszurichten. Unter dem Titel „...Heute Mama, morgen Papa ... und dabei habe ich doch euch beide lieb“ veranstaltete das Netzwerk für Kinderschutz und Frühe Hilfen im Landkreis Leipzig jetzt eine Informationsveranstaltung in Grimma. „Unser Angebot richtet sich an Lehrer, Erzieher der Horte und Kitas, Fachkräfte von Beratungsstellen, ebenso an Mitarbeiter von Polizei und Justiz sowie an Fach- und Leitungskräfte des Gesundheitswesens“, machte Netzwerk-Koordinatorin Anke Thomas deutlich. Der Termin reiht sich ein in eine Reihe von Aktionen, die zum zehnjährigen Bestehen des Netzwerkes das ganze Jahr über laufen.

Mit rund 50 Teilnehmern zeigte die Resonanz auf die Veranstaltung im Grimmaer Rathaussaal, dass pädagogischen Fachkräften das Thema vielfach im Berufsalltag begegnet. Wertvolle Impulse für die Diskussion gab Sylvia Karen Will von der Erziehungs- und Familienberatungsstelle des Wegweiser e.V.

Kinder haben feine Antennen dafür, wenn Mama und Papa sich nicht mehr mögen, wenn plötzlich immer einer fehlt bei Unternehmungen, die bislang stets gemeinsam bestritten wurden. „Erst wenn die Trennung aber ausgesprochen ist, wird die Sache für die Kinder greifbar“, so die Sozialpädagogin, die auf Erfahrungen aus ihrer Beratungstätigkeit zurückgreifen kann. „Auf diese extrem belastende Situation reagieren alle Kinder - manche zeigen es mehr, andere weniger.“ Trauer, Wut, Schuldgefühle gewinnen oft die Oberhand. „Manche Kinder können sich im Unterricht nicht mehr konzentrieren, schlechtere Leistungen sind die Folge“, schilderte die Expertin. Die Grundhaltung gegenüber dem getrennten Partner wirkt sich auf den Prozess aus. Unangebracht sei es, vor Kindern abfällig über die oder den „Ex“ zu reden, auch wenn der Ärger noch so groß ist. „Kinder geraten dann in Loyalitätskonflikte. Wenn die Mutter zum Beispiel etwas Schlechtes über den Vater sagt, beleidigt sie immer auch ihr Kind.“ Viele Eltern würden auch Gefahr laufen, Kinder in die Rolle von Beratern zu drängen. „Damit“, so die Referentin, „sind diese natürlich komplett überfordert.“

Früher war es in der überwiegenden Zahl der Fälle so: Die Kinder blieben bei der Mutter und besuchten den Vater nur gelegentlich. Mit dieser traditionellen Rollenverteilung scheint es allerdings vorbei zu sein. Immer mehr Ex-Paare würden das Wechselmodell bevorzugen, was allerdings mit einer erheblichen Logistik verbunden sei. Die Kinder leben wochen- oder tageweise bei beiden Elternteilen. Bei der praktischen Umsetzung würde das allerdings große Anstrengungen erfordern und sei für alle Beteiligten extrem stressig. „So gibt es auch Fälle, wo Eltern weit weg voneinander wohnen und das Kind wöchentlich auch den Kindergarten wechseln muss“, schilderte Sylvia Karen Will. Außerdem müsse alles doppelt vorgehalten werden: Kleidung, ein Kinderzimmer, eventuell Schulsachen. „Häufig passiert es auch, dass die Kinder dann in Einrichtungen wie Krippe oder Kita übergeben werden. Papa bringt das Kind früh, Mama holt es nachmittags wieder ab.“ Auch wenn es bei extrem verhärteten Fronten besser sei, wenn sich manche Eltern nicht begegnen – für die Erzieher sei das doch eine zusätzliche Bürde.

Dass die Fachkräfte die Informationen dankend annahmen, wurde auch bei der anschließenden Bücherrunde deutlich. Die fünf im Landkreis vertretenen Erziehungs- und Familienberatungsstellen präsentierten auf Einladung des Netzwerkes mehrere Buchtitel, die als Hilfen in Frage kommen. Elternratgeber, aber auch Bilderbücher, die sich an Kinder ab drei Jahren richten, wurden vorgestellt. „Die Fachkräfte erhalten dadurch weitere Anregungen, wie sie Kindern nach einer Trennung der Eltern beistehen oder Gesprächsangebote machen können“, hob Anke Thomas hervor und kündigte eine Neuauflage der Veranstaltung am 18. Januar 2018 in Markkleeberg an.

Von Simone Prenzel

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