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Zwölf Jahre im Amt: Böhlens Friedensrichter geehrt

Schlichten statt richten Zwölf Jahre im Amt: Böhlens Friedensrichter geehrt

Seit nunmehr zwölf Jahren mischt sich Walter Sgundek sozusagen in die Streitigkeiten anderer Leute ein. Nicht nur, dass er darum von den sich streitenden Parteien gebeten wird, er macht das zudem ehrenamtlich. Jetzt wurde der 73-Jährige für sein unermüdliches Engagement als Friedensrichter am Amtsgericht Leipzig geehrt.

Ob Nachbarrechtsgesetz, Schiedsstellengesetz oder Strafgesetzbuch: Friedensrichter Walter Sgundek kennt sich im Paragrafen-Dschungel aus.

Quelle: André Neumann

Böhlen. Mit ihm zusammen erhielt die Protokollantin Sieglinde Horn eine Auszeichnung. Seit 2003 kümmern sich die beiden um Schlichtungen, Kompromisse und um gute nachbarschaftliche Verhältnisse. Doch das ist nicht immer so einfach, wie Sgundek erzählt. Wenn es in der Nachbarschaft Ärger gibt, dann geht es meist um Hundegebell, Lärm, Wegerecht und Rauchbelästigungen beim Grillen. Selbst so manche Gemeinschafts-Wäschespinne kann für ordentlich Unfrieden sorgen, dann nämlich, wenn sich zwei Frauen partout nicht einig werden, wer wie viel der Spinne mit seiner Wäsche behängen darf. "Ein Fall hatten wir, bei der sich die Frauen so in die Haare gekriegt haben, dass eine zugeschlagen hat", erinnert sich Sgundek.

Gerade der Herbst und das Frühjahr seien "Glanzzeiten" für Streitigkeiten unter Nachbarn. Während sich im Herbst viel um fallendes Laub dreht, das auf das benachbarte Grundstück fällt, sind es im Frühjahr frische Triebe von Bäumen, die über den Zaun wachsen und deshalb Unmut auslösen.

"Oft ist es der Fall, dass die Leute das aufbauschen, was sie stört. Manche haben einfach Langeweile und suchen Probleme, wo eigentlich keine sind", sagt der 73-Jährige. Dabei könnten sich viele Menschen das Leben leichter machen, indem sie mehr Rücksicht aufeinander nehmen und nicht alles als persönlichen Angriff werten würden.

Sollten sich zwei Parteien selbst nicht einigen können, kann Sgundek von einer Partei beauftragt werden. Kommt es dann zwischen allen Beteiligten zu einem Verfahren, also zu einem gemeinsamen Termin beim Friedensrichter, kostet das zwischen zehn und 50 Euro, die der Antragsteller übernehmen muss. "Meistens gibt es dann eine Einigung", erklärt der Böhlener, nur selten seien Fälle so verfahren, dass er diese an ein Gericht weiterleite. Sgundek kann auch Fälle ablehnen - dann nämlich, wenn beispielsweise Polizisten, Ratsmitglieder und Gerichtsmitarbeiter involviert sind.

Ein ruhiges und ausgeglichenes Gemüt ist nicht nur hilfreich, sondern geradezu geboten, wenn Sgundek in die Streitigkeiten eingreift. Er muss zuhören können, Vorschläge unterbreiten und Streithähne unter ruhigen Bedingungen miteinander sprechen lassen. Und er muss sich im Gesetzes-Wald gut auskennen.

Und nach eben diesem sollte Sgundek selbst gar nicht mehr Friedensrichter sein dürfen. "Das Gesetz sieht vor, dass man nicht jünger als 30 und nicht älter als 70 Jahre sein darf, um Friedensrichter zu werden", erklärt der gebürtige Böhlener, der einst als Ingenieur im Chemieanlagenbau Böhlen und für das Wirtschaftsamt in Borna tätig war. Doch weil sich bisher kein Nachfolger gefunden hat, gab es von der Direktorin des Amtsgerichtes Borna eine Ausnahme.

André Neumann

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