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100 Tage im Amt – Nordsachsens Landrat Kai Emanuel im Interview

Optimismus 100 Tage im Amt – Nordsachsens Landrat Kai Emanuel im Interview

Kai Emanuel (parteilos) hatte am 27. August seinen ersten Arbeitstag als Landrat des Landkreises Nordsachsen. Im Interview spricht der 47-Jährige nun optimistisch über die neue Herausforderung, das dominierende Thema Asyl sowie über Hoffnungen und Wünsche.

Seit 100 Tagen im Amt: Nordsachsens Landrat Kai Emanuel.

Quelle: Archiv

Nordsachsen. Kai Emanuel (parteilos) hatte am 27. August seinen ersten Arbeitstag als Landrat des Landkreises Nordsachsen. Der 47-Jährige konnte sich damals gleich im ersten Wahlgang mit 51,7 Prozent gegen vier Konkurrenten durchsetzen. Kai Emanuel holte in allen Städten und Gemeinden des Landkreises die meisten Stimmen. Im Interview spricht er nun optimistisch über die neue Herausforderung, das dominierende Thema Asyl sowie über Hoffnungen und Wünsche.

Wie geht es Ihnen nach 100 Tagen als Landrat von Nordsachsen?

Mir geht es sehr gut!

Klingt optimistisch. Wie viel ist von der Freude über den ziemlich grandiosen Wahlsieg übrig geblieben?

Die Freude über den Wahlsieg, die ist noch uneingeschränkt vorhanden. Aber die Frage zielt sicher eher darauf ab, ob ich nach 100 Tagen an meiner Aufgabe als Landrat noch Freude habe. Auch dies kann ich Ihnen bestätigen! Ja die Freude am Amt des Landrates und den damit einhergehenden Aufgaben ist dazugekommen.

Was hat sich seit August für Sie grundlegend geändert?

Natürlich hat sich seit Dienstantritt eine Menge geändert. Als Landrat steht man in Führungsverantwortung für über 1300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, für das gesamte Landratsamt. Viele erwarten Entscheidungen, die es zu treffen gilt, im Haus und außerhalb. Themen, die mich vorher nur aus Sicht der Finanzen tangierten, sehe ich jetzt auch aus anderer Perspektive. Hinzu kommt, dass manches auch politisch bewertet werden muss. Ich lerne täglich dazu - das ist spannend! Auch in der öffentlichen Wahrnehmung stehe ich natürlich in einem ganz anderen Fokus. Doch das war mir vorher bewusst.

Wie groß sind die privaten Einschnitte, wie viel Zeit bleibt für handballspielende Söhne und Fahrradwanderungen?

Das sollte man vielleicht meine Familie fragen. Nein, Spaß beiseite: Es gilt einfach Privates und Dienstliches unter einen Hut zu bringen. Aber dies muss jeder meistern. Natürlich steht für private Aktivitäten weniger Zeit zur Verfügung, gerade auch an Wochenenden erwartet man einfach die Präsenz des Landrates. Doch auch dies war mir vorher bewusst und eine straffe und disziplinierte Terminplanung helfen hier ungemein.

Das Thema Asyl und Flüchtlinge dominiert momentan so ziemlich alles in Deutschland. Wie stark beschäftigt Sie das Thema?

Auch ein Großteil meiner Arbeit dreht sich derzeit ausschließlich um dieses Thema, das ist einfach so. Kein Tag ohne Asyl, doch das geht ja in der Tat derzeit vielen so.

Wie groß ist die Unterstützung, auch aus dem Kreistag, für Sie und Ihre Mitstreiter, vor allem für Dezernentin Angelika Stoye?

Es ist eine Pflichtaufgabe des Landkreises, hier bedarf es vieler verwaltungsinterner Entscheidungen. Doch ich betone immer wieder: Es ist eine schwierige Mammutaufgabe, die nur gemeinsam zu bewältigen ist. Nicht nur der Kreistag unterstützt die Verwaltung, sondern ich möchte hier die Oberbürgermeister und Bürgermeister nicht vergessen! Auch die freien Träger und viele ehrenamtliche Helfer müssen einfach an dieser Stelle genannt werden.

Ihr Vorgänger Michael Czupalla hat jüngst im Interview gesagt, wir dürfen nicht vergessen, dass das normale Leben weitergehen muss. Teilen Sie diese Meinung, können Sie als Landrat etwas dafür tun?

Mit dieser Aussage hat er vollkommen recht und was die Arbeit der Verwaltung betrifft, kann ich versichern, dass dies auch so ist. Asyl dominiert in der öffentlichen Wahrnehmung, doch unsere zahlreichen Pflichtaufgaben werden trotzdem erfüllt. Das Leben geht weiter! Das ist auch meine Botschaft. Als Landrat nutze ich jede Gelegenheit dazu, um auch andere Themen anzusprechen. Viele meiner Termine haben auch mit Asyl nichts zu tun.

Berlin entscheidet, Sie müssen das umsetzen, die Menschen müssen das akzeptieren. Wie viel Gegenwind spüren Sie täglich? Was motiviert Sie, am Bürgerwillen vorbei Entscheidungen durchsetzen zu müssen, ohne Licht am Ende des Tunnels zu sehen?

Das ist mir zu einfach formuliert. Die Ursachen für die derzeitige Situation sind sicher sehr vielschichtig, dies zu analysieren, würde hier zu weit führen. Ich nehme die Ängste der Menschen sehr ernst und es gibt Grenzen des Machbaren. Das sehe ich ähnlich wie viele Menschen im Landkreis. Doch ich möchte klar sagen, dass es nicht nur Gegenwind gibt, um im Bild zu bleiben.

Wie könnte die Bundesregierung für mehr Akzeptanz in der Bevölkerung sorgen und damit auch die Landräte und Bürgermeister entlasten?

Das Entscheidende für mich ist, dass im Grundgesetz das Recht auf Asyl klar definiert ist. Daran kann man nicht rütteln. Und auch die christliche Nächstenliebe verlangt von uns, dass wir die Menschen zunächst einmal unterbringen. Andererseits muss der Dreiklang Unterbringung, Integration derer, die ein Bleiberecht bekommen, und konsequente Abschiebung derer, bei denen dies eben nicht der Fall ist, eingehalten werden. Hier gibt es noch Reserven, die Verfahren müssen schneller erfolgen. Hier ist noch Handlungsbedarf und dies fordere ich auch. Nur so kann es gelingen, auf Dauer Akzeptanz zu erlangen

Was kommt 2016 auf Nordsachsen zu?

Mark Twain sagte einmal: "Voraussagen soll man unbedingt vermeiden, besonders solche über die Zukunft." Ich halte nicht viel von solchen Ausblicken, denn es kommt am Ende eh alles ein wenig anders. Ich denke, wir sollten optimistisch in das Jahr 2016 schauen. Das sollte eine Grundeinstellung sein, denn ich glaube, das hilft! Sicher ist, dass auch 2016 Entscheidungen getroffen werden müssen. Nicht immer wird es angenehm sein. Sicher wird uns auch Asyl begleiten.

Welche Themen stünden auf der Agenda, gebe es das Flüchtlingsproblem nicht, wo drückt der Schuh noch im Kreis Nordsachsen?

Es bleibt trotz Asyl nichts liegen oder auf der Strecke. Wir erfüllen in vielen Bereichen unsere Aufgaben. Breitband, ein großes Thema, welches für die Bevölkerung und Unternehmen gleichermaßen wichtig ist. Hier sind wir mit der Bestandsaufnahme für den gesamten Landkreis auf einem guten Weg, um die Voraussetzungen für einen zeitgemäßen Ausbau zu schaffen. Infrastruktur, Bildung, Entwicklung des ländlichen Raums, wirtschaftliche Stärkung unserer Region, Anbindung an das Oberzentrum Leipzig - zahlreiche Themen die uns tagtäglich beschäftigen. Wir werden auf Schloss Hartenfels mit der Ausstellung "Schätze einer Fürstenehe" von Mai bis Oktober ein weiteres kulturelles Highlight bieten.

Was wünschen Sie sich für das kommende Jahr? Was möchten Sie den Nordsachsen sagen?

Wir dürfen den Optimismus nicht verlieren! Optimismus - Zuversicht - Selbstvertrauen. Oder anders und spaßig formuliert: Mundwinkel küsst Ohrläppchen. Das wünsche ich mir. Doch vor dem neuen Jahr haben wir ja noch die schöne Adventszeit, das Weihnachtsfest und Silvester vor uns. Daher möchte ich den Bürgerinnen und Bürgern eine gesegnete Adventszeit, ein wunderbares Weihnachtsfest und vor allem Momente der Ruhe und Besinnung wünschen. Und wenn neben der existenziell wichtigen Gesundheit noch ein Quäntchen Glück dazu kommt, dann ist schon viel erreicht.

Interview: Frank Pfütze

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