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111 Fundstücke warten in Delitzsch auf Abholung

Fahrräder und Co. 111 Fundstücke warten in Delitzsch auf Abholung

"Ich wünschte mir, es kämen tatsächlich mehr Leute, um bei mir nachzufragen", sagt die Chefin des Delitzscher Fundbüros Petra Wojcik. In ihrem Büro in der Schloßstraße findet sich ein, was anderen abhanden gekommen ist.

Meist sind's Fahrräder, die abgegeben und versteigert werden.

Quelle: Alexander Prautzsch

Delitzsch. Sie hat es nicht nur einmal erlebt, dass die Freude über das verlorengegangene und nun wiedergefundene Utensil sehr euphorisch war. "Wenn der Schlüsselbund für eine Schließanlage weg ist, kann das für den Betroffenen richtig teuer werden." Lösen sich die Sorgen dann plötzlich auf, gebe es schon mal feuchte Augen. Manche freuen sich aber auch still in sich hinein, sind einfach nur froh.

Der Publikumsverkehr im Technischen Rathaus, Zimmer 106, hält sich in Grenzen, obgleich ein Besuch durchaus Glücksgefühle auslösen kann.

Derzeit sind genau 111 Fundstücke registriert. Mehr als die Hälfte sind Fahrräder oder Fahrradteile, die im Stadtgebiet einschließlich der Ortsteile gefunden wurden und denen kein Besitzer zugeordnet werden kann. Um welche Drahtesel es sich handelt, können Interessenten auf der Homepage der Stadt im Internet nachlesen. Die Beschreibung ist spärlich und kurz gehalten, aber das ganz bewusst, wie Petra Wojcik verrät. Wer meint, sein Fahrrad - oder auch eine andere Fundsache - erkannt zu haben, müsse den Eigentumsnachweis erbringen. "Ich frage nach Details, die nur der Eigentümer kennen kann", so die Fundbüro-Chefin, die seit den 1990er-Jahren akribisch ihren Job macht. "Am besten sind natürlich Kaufbelege und Fotos."

Total ausgefallene Funde sind ihr während ihrer Dienstzeit noch nicht untergekommen. Es sei "eigentlich immer wieder das Übliche: Taschen, Rucksäcke, Schirme, aber auch Handys und Laptops", zählt Petra Wojcik auf. Der Finder erwirbt in der Regel nach sechs Monaten das Eigentumsrecht an der Fundsache. Solange hat das Amt Zeit, den Eigentümer zu ermitteln, ihn zu benachrichtigen. Meist fehlen jedoch Anhaltspunkte, um da tatsächlich zum Erfolg zu kommen.

Immerhin: Bei Handys sei das schon gelungen. "Weil eine Spezialfirma mit der Löschung der Daten auf dem Telefon beauftragt wird, kann das passieren, das ist dann Glück für den Besitzer", berichtet Petra Wojcik. Will der Finder das Handy nach Ablauf der Frist behalten, muss er die Kosten der Datenlöschung von etwa 50 Euro übernehmen. Dann wird aus dem vermeintlichen Schnäppchen meist nichts. Schnäppchen lassen sich aber in vielen Fällen bei den Versteigerungen machen. Dort ging schon mal ein Rennrad für 400 Euro an den neuen Besitzer - obwohl das Gefährt aus Carbonrad einen Neuwert von mehreren 1000 Euro hatte.

Im Übrigen steht Findern auch Lohn zu, quasi für die Mühe des Abgebens. "Zwei Prozent des Wertes des Gegenstandes sind rechtlich vorgesehen. Manchmal ist es aber schwierig, den genauen Wert zu ermitteln", erklärt Petra Wojcik. Meist sind die Dinge eben gebraucht. Die Eigentümer seien bislang aber immer fair gewesen, würden dem Finder lieber mehr als zu wenig hinterlassen. Einen direkten Kontakt zwischen Finder und Verlierer gibt es in der Regel nicht. Aus datenschutzrechtlichen Gründen blieben die Kontaktdaten im Amt. Die meisten Finder wollen auch gar nicht gefunden werden.

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