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Delitzsch 2,2 Gramm Handarbeit
Region Delitzsch 2,2 Gramm Handarbeit
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14:41 19.05.2015
Kaubonbons so weit das Auge reicht. Noch sind die Karamellen sortenrein. Damit das nicht so bleibt, kommen die Stückchen aufs Band samt Karussell. Fertig ist die Tüte. Quelle: Alexander Bley

Im Tochterunternehmen von Halloren laufen die Kaubonbonbon- Maschinen derzeit auf Hochtouren. 230 Tonnen verlassen allein in den nächsten 14 Tagen das Werk. Hellau!

Eigentlich gehören die beiden Maschinen, die unter ohrenbetäubendem Lärm je 1400 Kaubonbons pro Minute in die Plaste-Boxen schießen ins Mu-seum. Seit den 1950er-Jahren klacken die ununterbrochen und stellen wohl ein Produkt her, dass es so auf dem Weltmarkt nur einmal gibt und ohne genau diese Maschinen auch nicht geben kann - Fruchtkaramellen. "Wir haben schon alles mit neuester Technik probiert, aber es hat nicht funktioniert", muss selbst der Werkleiter der Delitzscher Schokoladenfabrik Andreas Brose schmunzelnd zugeben. Trotz gleicher Rezeptur blieb die markanteste Eigenart aus: der kurze Biss. "Unsere Kaubonbons sind keine Plombenzieher, sind abbeißbar, ohne dass was in den Zähnen hängen bleibt", erklärt Brose.

Und so sind die liebevoll gepflegten Maschinen eine Art Lebensversicherung für 24 Arbeitsplätze. Nur bei Halloren und Storck sind die Raritäten noch im Einsatz. Da wird genau aufgepasst, wenn so ein altes Teil zum Verkauf steht, wie vor Kurzem. Eins haben die Delitzscher in Reserve. Genauso so ist es mit dem Mega-Kaubonbonzieher, der Luft in die Masse bläst und so lange den Klumpen zusammen und auseinander bewegt, bis die gelbliche Färbung einem strahlenden Weiß gewichen ist. Dann wird der Batzen zu einer Art Walze getragen, die solange drückt, bis ein Kaubonbonwürstchen entsteht, das dann per Hammerschlag auf fünf Millimeter geplättet wird. Egal bei welchem Arbeitsschritt, ohne Handarbeit geht nichts im eintägigen Herstellungsprozess. Selbst das Kochen erfolgt per Hand, nach dem Rezept aus den 1950ern.

Die Erfolgsgeschichte ist aber in Wirklichkeit keine Ur-Delitzscher. 2002 kamen die klobigen Maschinen aus Mühlheim an der Ruhr. Das Wissoll-Werk ging Pleite, van Netten erwarb die Masse. Und die Bonbonsparte blieb übrig. Adalbert Blenkner nahm die "Dukatenesel" huckepack, lernte die Mitarbeiter in Delitzsch an. Mittlerweile ist Blenkner Betriebsleiter des Werks.

Das kleine Kaubonbon ist ein Selbstläufer, eine Erfolgsstory in zwölf Geschmacksrichtungen. 2500 Tonnen spucken die Maschinen jährlich aus. Allein in den nächsten 14 Tagen 230. Das sind auf Karamellen umgerechnet 104 545 454. Und von den Jecken durch die Luft geworfen werden. Weder in Eilenburg noch im Rhein-Main-Gebiet dürfen Karamellen bei den Rosenmontagsumzügen fehlen. Oder in den Zuckertüten, beim Kindertag, Weihnachten. Der neueste Clou aus dem Trend-Kochtopf der Delitzscher: natürliche Aromen in den Sorten Vanille, Erdbeer-Joghurt, Schoko und Zitrone.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 08.02.2014
Alexander Bley

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