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359 Wohnungen stehen in Delitzschauf der Abrissliste

359 Wohnungen stehen in Delitzschauf der Abrissliste

Wie sieht Delitzsch-Nord in fünf Jahren aus? Der Stadtteil schrumpft bis zum Jahr 2020 um weitere 359 Wohnungen, lässt sich aus Planungsunterlagen herauslesen.

Delitzsch. Es kann aber auch ganz anders kommen, hält die Stadtverwaltung den Ball flach. Als sicher gilt, dass im Plattenbaugebiet mittelfristig weitere Abrissmaßnahmen anstehen. Wo und welchem Umfang, darüber wird noch hinter verschlossenen Türen diskutiert.

Zukunftsszenarien werden in Delitzsch-Nord schon ziemlich lange durchgespielt. Kernfragen: Wie viele Einwohner leben dort auf längere Sicht noch und welchen Wohnungsbedarf wird es geben? Bereits im 2009 beschlossenen Stadtentwicklungskonzept ist der Rückbau von Gebäuden als notwendig formuliert, zunächst bis 2014. Um den Weg fortzuschreiben, folgten 2012 sogenannte Vorbereitende Untersuchungen, die inzwischen in einem recht konkreten Umsetzungskonzept mündeten. Die beiden Großvermieter vor Ort - Wohnungsgesellschaft (WGD) und Wohnungsbaugenossenschaft Aufbau - beschäftigten sich mit dem Leerstand, der Altersstruktur in der Mieterschaft sowie betriebswirtschaftlichen Belangen. Beleuchtet wurde ein mehr als zehn Hektar großes Gebiet, das unter anderem die Alexander-Puschkin- und die Otto-von-Guericke-Straße sowie Teile des Sonnenwinkelweges, der Rudolf-Breitscheid- und der Rosa-Luxemburg-Straße umfasst. Ergebnis: 359 Wohnungen kommen mittelfristig für den Abriss infrage. Auf Basis des Konzeptes sollen Stadtumbau-Fördermittel beantragt werden - insgesamt 1,23 Millionen Euro, aufgeteilt in Jahresscheiben. Für jede Teilsumme ist jährlich ein neuer Antrag zu stellen.

Im Herbst ist zunächst die Alexander-Puschkin-Straße dran: 100 Wohnungen werden abgebrochen (wir berichteten). Betroffen sind die Hausnummern 1 bis 11 sowie 2 bis 8. Die Blöcke gehören WGD und Genossenschaft. Und wo verschwinden die übrigen 259 Quartiere? Darüber herrscht Schweigen - das Konzept lagert nicht öffentlich in der Schublade. Aus gutem Grund, betont Bürgermeister Thorsten Schöne (parteilos). "Die Planungen müssen Jahr für Jahr angepasst werden, da sich auch die Situation in der Gesamtstadt immer wieder neu darstellt." In die vorbereitenden Untersuchungen sei die Tendenz der vergangenen Jahre hinsichtlich Bevölkerungsentwicklung, Wohnungsbedarf und Leerstandsquoten eingeflossen. "Die Erfahrung zeigt aber, dass sich diverse Prognosen zur Stadtentwicklung mittlerweile überholt haben."

Soll heißen: Die Zahl der in Rede stehenden Abriss-Wohnungen könnte noch deutlich nach unten korrigiert werden, kein Einwohner solle deshalb unnötig verunsichert werden. "Wird tatsächlich ein Block zurückgebaut, erfahren das die verbliebenen Bewohner in der Regel eineinhalb Jahre vorher", sagt Aufbau-Geschäftsführerin Anette Pittschaft. Das nächste derartige Benachrichtigungsschreiben an die Mieter eines Blockes gehe im September raus. Dann werde für jeden Einzelnen eine Umzugslösung gesucht. Anette Pittschaft betont zudem, dass zwar etwa 140 Genossenschafts-Wohnungen in der Abbruchplanung stehen, diese Zahl allerdings noch nicht komplett mit konkreten Objekten untersetzt sei. Es sei ein Puffer eingebaut worden. Das bestätigt auch WGD-Chef André Planer. "Es gibt immer wieder Änderungen bei den Objekten, für die Fördermittel beantragt werden sollen. Vor einiger Zeit hatten wir zum Beispiel noch einen Block im Auge, wo viele Vier-Raum-Wohnungen leerstanden. Doch inzwischen sind Quartiere dieser Größe wieder deutlich gefragter. Wir müssen umdenken", schildert Planer. Abgesehen von der Puschkin-Straße werde die WGD frühestens 2017 wieder einen Abriss veranlassen.

Fern der Realität seien die Pläne zum hundertfachen Wohnungsrückbau trotzdem nicht. "Nach wie vor", so der WGD-Chef, "steht die Prognose, dass demografisch bedingt spätestens 2020 eine zweite Leerstandswelle rollt." © Kommentar

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 10.06.2015
Kay Würker

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