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50 Plätze – Hohenroda und Reibitz nehmen junge Flüchtlinge auf

Asyldebatte 50 Plätze – Hohenroda und Reibitz nehmen junge Flüchtlinge auf

Löbnitzer und Schönwölkauer Gemeinderat haben am Montag zur Kenntnis genommen oder beschlossen, dass Ortsteile demnächst zur Unterbringung unbegleiteter jugendlicher Flüchtlinge genutzt werden. Dass eine alte Lagerhalle zur Flüchtlingsunterkunft wird, wollten die Löbnitzer dagegen nicht auf sich sitzen lassen und schritten zur Tat.

Das Soziokulturelle Zentrum betreibt künftig die Unterkunft für unbegleitete minderjährige Ausländer in der ehemaligen Mittelschule in Reibitz.
 

Quelle: Ditmar Wohlgemuth

Löbnitz/Hohenroda.  Zwei Gemeinderäte, ein dominierendes Thema: Gleich zwei Unterkünfte für minderjährige Flüchtlinge, die ohne Eltern in Deutschland landen, sollen in Kürze entstehen. Platz für fast 50 Teenager. Prognosen für den gesamten Landkreis gingen Ende des vergangenen Jahres von 100 unbegleiteten Kindern und Jugendlichen aus, die in Nordsachsen untergebracht werden müssen. Dabei ist klar, dass sich diese Zahlen angesichts des weiteren Zustroms von Tag zu Tag ändern, nichts definitiv ist. Die Frage ist also nicht „ob Unterbringung“, sondern „wie“? Für Reibitz ist das seit Montagabend beschlossene Sache, in Hohenroda werden die Weichen gestellt und sollen heute die Bürger frühzeitig beteiligt werden. Dabei ist noch nicht abzusehen, ob aus dem Hohenrodaer Hotel langfristig eine Art Jugendheim entstehen könne. Klar ist: Gerüchte beziehungsweise Hoffnungen, Hohenroda diene als Ersatz für die Belegung der Mittelschule Reibitz sind haltlos.

Hohenroda angeblich nicht spruchreif

Auf Antrag des Eigentümers Matthias von Hermanni sei das Landhotel Hohenroda in die Reihen möglicher Flüchtlingsunterkünfte aufgerückt, schilderte der Schönwölkauer Bürgermeister Volker Tiefensee (CDU) am Montag seinem Gemeinderat. Dabei betonte er erneut, es stehe überhaupt noch nichts fest und sei „gar nichts“ spruchreif. Da aber heute Abend bereits in einer öffentlichen Ortschaftsratssitzung auf dem Mühlengelände (Beginn 19.30 Uhr) Landratsamt und möglicher Betreiberverein sowie vermutlich auch der Eigentümer des Hotels informieren, hegen Räte und Bürger ihre Zweifel an seiner Darstellung. Immerhin könne schon in der 6. Kalenderwoche – also ab 8. Februar – Start der Einrichtung sein, das Landhotel muss im Gegensatz zur Schule in Reibitz nicht aufwendig ertüchtigt werden. Diese konkreten Eckdaten aber seien also kein Zeichen von „nicht spruchreif“, so die Kritik. Akzeptiert ist das Vorhaben dennoch. Bei rund 400 Einwohnern im Ortsteil seien 24 Jugendliche akzeptabel, so Tiefensee – bei 50 alleinreisenden Männern würde die Sache anders aussehen. Im Landhotel soll sich der Verein Lucky Punch Jugendhilfe um die Minderjährigen kümmern. Dabei, so Tiefensee, sei für ihn bei einem ausführlichen Gespräch mit von Hermanni auch klar geworden, dass dieser sich vorstellen kann, die Einrichtung länger zu betreiben und sie für deutsche Jugendliche und Kinder zu nutzen.

Mittelschule Reibitz ist gesetzt

In der ehemaligen Mittelschule im Löbnitzer Ortsteil Reibitz werden in diesem Jahr ebenfalls bis zu 24 unbegleitete minderjährige Ausländer, sogenannte UMA, untergebracht und betreut. Der Löbnitzer Gemeinderat gab in seiner Sitzung am Montagabend grünes Licht. Betrieben wird die Einrichtung vom Soziokulturellen Zentrum (SKZ) in Delitzsch. Wie der Löbnitzer Bürgermeister Axel Wohlschläger (CDU) mitteilte, existiere bereit ein Vertragsentwurf zur künftigen Nutzung des Gebäudes, das ab dem 1. Februar wieder in den Bestand der Gemeinde übergeht. Es war zwischenzeitlich von der Landespolizei als Ausbildungsobjekt genutzt worden. „Der freie Träger hat bereits einen entsprechenden Bauantrag zur Umnutzung gestellt“, erklärte Wohlschläger. Auch Fördermittel wurden nachgefragt. Es existieren bereits erste Pläne für die neuen Einrichtung, auch hätten sich Vertreter des Vereins vor Ort bereits umgesehen, den Sanierungsbedarf einhegend geprüft. „Der Bedarf für solche Einrichtungen ist da“, betonte der Bürgermeister. Allerdings bedürfe es nach Ansicht von Wohlschläger auch eines grundsätzlichen Beschlusses, wie die Gemeinde künftig Asylbewerber und Flüchtlinge unterbringen und integrieren will.

Alexandra Ihbe kritisierte, dass für solche Umbauten Geld vorhanden sei, für dringende Sanierungen in Schulen und Sporthallen offenbar nicht. Heiko Wittig (SPD), auch im Vorstand des SKZ tätig, erklärte, dass die Gemeinde für das Gebäude Pacht einnehmen wird, „deutlich mehr als wir von der Polizei bekamen“. Damit stünden der Gemeinde wiederum mehr Mittel zur Verfügung, die für andere Vorhaben verwendet werden könnten. Deshalb sei es wichtig, das Genehmigungsverfahren schnell voranzubringen. Über konkrete Inhalte des Pachtvertrages wurde im nichtöffentlichen Teil gesprochen. Lediglich die Laufzeit des Vertrages wurde erwähnt, es handelt sich um 15 Jahre. „Es ist eine der Fördermittelbedingungen“, informierte Wohlschläger. Die Reibitzer Bürgerschaft hatte sich für die Nutzung der Schule als UMA-Unterkunft per Unterschriftenaktion stark gemacht und sich vehement gegen die Verwendung der ehemaligen Teppichlagerhalle am Dorfrand ausgesprochen. „Mit der Lösungen könnten die Reibitzer leben, auch wenn die direkten Nachbarn nicht unbedingt begeistert sind“, sagte Eberhardt Ehrhardt (parteilos). Allerdings hält sich die Befürchtung, dass nach den UMA dann vielleicht junge Männer einziehen könnten. Dem stellten sich die Abgeordneten mit einer deutlichen politischen Willensbekundung entgegen. Ein Einzug von einzelreisendenden jungen Männern komme nicht in Frage. Das Gebäude soll dann für deutsche, sozial benachteiligte Kinder genutzt werden. „Betreutes Wohnen, selbst als Kinderheim wäre es denkbar“, erklärte Wittig.

Von Ditmar Wohlgemuth und Christine Jacob

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