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560 Delitzscher Haushalte kehren zur Fernwärme zurück

560 Delitzscher Haushalte kehren zur Fernwärme zurück

Für 560 Haushalte in Delitzsch beginnt aktuell eine neue Epoche der Wärmeversorgung. Die Wohnungsbaugenossenschaft Aufbau verabschiedet sich im Norden der Stadt von knapp einem Dutzend Blockheizkraftwerken, kehrt zurück zur Fernwärme der Technischen Werke (TWD).

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Die alten Blockheizkraftwerke werden demontiert, wie aktuell im Keller der Rosa-Luxemburg-Straße 36. Dazu zählt unter anderem die zentrale Einheit mit Motor und Generator wie auch der große Palmöl-Tank (links im Bild)

Quelle: Kay Würker

Delitzsch. Hintergrund: Die kleinen Kraftwerke - mit Palmöl betrieben - sind veraltet, verschlissen, nicht mehr energiepolitisch korrekt. Eine Neu-Investition wäre die Genossenschafter teuer zu stehen gekommen.

Sechs Jahre können manchmal vieles verändern. So lange ist es her, dass die WBG Aufbau sich von der Fernwärmeversorgung in Delitzsch-Nord trennte und einen Vertrag mit einem externen Dienstleister abschloss. "Die Preise der Technischen Werke für Fernwärme waren damals um 50 oder 60 Prozent gestiegen, und trotz intensiver Bemühungen war es uns nicht gelungen, da noch zu verhandeln", erinnert Aufbau-Geschäftsführerin Anette Pittschaft. Es war die Zeit, als bei den TWD gerade die Mörtl-Ära endete und die neue Epoche noch nicht richtig begonnen hatte. Die Genossenschaft einigte sich mit der ECS Energieconsulting und Service GmbH: Das Unternehmen baute kleine Blockheizkraftwerke (BHKW) in die Keller mehrerer Wohnblöcke, die Genossenschaft kaufte der ECS die Wärme ab.

Bei den BHKW handelte es sich um Module aus Dieselmotor und Generator, die Strom erzeugen sowie Wärme für Wasserbereitung und Raumheizung. Das Problem: "Es gab in den vergangenen Jahren vermehrt Ausfälle, der Hersteller der BHKW existiert nicht mehr, Ersatzteile sind entsprechend schwer zu beschaffen", schildert Anette Pittschaft. Zwei BHKW sind gar ausgebrannt - man müsste sie komplett ersetzen. "Doch dafür gibt es keine Förderung mehr, der erzeugte Strom kann dann nicht mehr gegen EEG-Umlage ins Netz eingespeist werden." Der Treibstoff der Motoren, das Palmöl, gilt ökologisch nicht mehr als das Nonplusultra. Binnen sechs Jahren ist aus einem innovativen Vorstoß ein Auslaufmodell geworden.

Das hat offenbar auch ECS erkannt und sich mit Genossenschaft und TWD an einen Tisch gesetzt. Das Ergebnis: Die Technischen Werke liefern nun die Wärme und rechnen mit der ECS GmbH ab, die die Wärme wiederum an die Genossenschaft weiterverkauft - "allerdings genau zu dem Preis, den die TWD erheben. Da wird nichts aufgeschlagen", betont Geschäftsführerin Pittschaft.

Die Tinte der Unterschriften ist trocken, nun läuft die praktische Umsetzung. Die Fernwärme-Leitungen vor den Aufbau-Wohnblöcken liegen noch, lediglich die Hausanschlüsse müssen neu geschaffen werden. Zuvor baut ECS die alten BHKW aus - samt den riesigen Palmöl-Tanks und den Heizöl-Aggregaten, die den BHKW ergänzend zur Seite gestellt wurden. Auch die verchromten Abzüge an den Stirnseiten der Häuser verschwinden. "Seit dieser Heizsaison werden wieder 300 unserer Wohnungen mit Wärmeenergie der TWD versorgt", berichtet Anette Pittschaft. Der Anschluss weiterer 260 Wohnungen soll im Frühjahr nach Abschluss der Heizperiode erfolgen. "Es ist das Beste, was wir im Sinne der Versorgungssicherheit der Mieter tun können." Ausfälle der Technik, wie sie zuletzt häufiger vorgekommen seien, sollen nun der Vergangenheit angehören. Zudem habe es zur Fernwärme keine erkennbare wirtschaftliche Alternative gegeben. Für Pelletheizungen etwa fehle es an Lagerkapazitäten.

"Wir freuen uns über die konstruktive Zusammenarbeit mit der WBG", sagt TWD-Geschäftsführer Gunter Haase. "Unser Blockheizkraftwerk in der Sachsenstraße erzeugt Fernwärme, die zu 83 Prozent auf nachhaltiger Kraft-Wärme-Kopplung basiert. Dabei wird die bei der Stromerzeugung entstehende Wärme für den Delitzscher Norden mitgenutzt und der Brennstoff optimal verwertet", erklärt er.

Inwieweit sich der Versorgerwechsel preislich in den Betriebskosten-Abrechnungen niederschlägt, sei erst in zwei, drei Jahren absehbar, sagt Anette Pittschaft. Sie gehe aber davon aus, dass die Kosten pro Verbrauchseinheit weitgehend stabil bleiben. Ab 2017, wenn die Kooperation mit ECS auslaufe, wollen TWD und Aufbau direkte Vertragspartner werden.

Nicht betroffen von diesen Neuerungen sind im Übrigen all jene Genossenschaftsmieter, die eigene Gasheizungen in ihren Wohnungen haben - zum Beispiel im Delitzscher Osten. Die Fernwärme bleibt rund einem Dutzend Blöcken im Norden vorbehalten.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 23.11.2013
Kay Würker

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