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77-Jährige vergewaltigt: Krankenpfleger zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt

In Bad Dübener Rehaklinik 77-Jährige vergewaltigt: Krankenpfleger zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt

Im Prozess um die Vergewaltigung einer 77-jährigen Patientin in einer Bad Dübener Rehaklinik wurde der 31-jährige Täter am Amtsgericht Leipzig zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. Das Gericht attestierte dem ehemaligen Krankenpfleger „eine gewisse Empathielosigkeit“.

30 Monte Gefängnis wegen Vergewaltigung für Michael F., hier mit Verteidiger Malte Heise.

Quelle: Dirk Knofe

Leipzig/Bad Düben. Im Prozess um eine Vergewaltigung in einer Bad Dübener Rehaklinik fiel am Montag das Urteil: Der 31 Jahre alte ehemalige Krankenpfleger Michael F., der eine 77-jährige Patientin im Dezember vergangenen Jahres vergewaltigt hat, muss für zwei Jahre und sechs Monate ins Gefängnis.

Hintergrund: Seit einer Hirnblutung infolge eines Schlaganfalls ist die Frau auf den Rollstuhl angewiesen und wurde nach einem Krankenhausaufenthalt nach Bad Düben verlegt. Krankenpfleger Michael F. hatte sie dort am 22. Dezember zunächst unplanmäßig gewaschen und anschließend gefragt, ob sie mit ihm schlafen wolle. Laut der Erklärung von Verteidiger Malte Heise habe Michael F. „ihr Schweigen als Zustimmung interpretiert“, auch in den folgenden Tagen sei er von Einvernehmlichkeit ausgegangen. Dieser Darstellung widersprachen die polizeilichen Protokolle der Vernehmung des Opfers. So soll der Angeklagte nicht gefragt, sondern die Seniorin aufs Bett geworfen haben, woraufhin sie verbalen wie auch körperlichen Widerstand geleistet habe.

Tochter des Opfers sagt vor Gericht aus

Als einzige Zeugin trat am Montag die Tochter der Geschädigten auf. Sie sagte aus, dass ihr ihre Mutter beim Familienbesuch an Heiligabend von den Ereignissen berichtet habe, sie die Sache jedoch allein klären wolle. Erst am 25. Dezember hatte sie sich an die Pflegekräfte gewandt. Die Geschädigte selbst konnte aufgrund körperlicher Probleme nicht vor Gericht vernommen werden, weshalb ihre Aussagen aus zweiter Hand wiedergegeben werden mussten. Gegenüber der Polizei hatte sie ausgesagt, dass der Akt etwa zehn Minuten gedauert habe. Eine Stationshilfe der Einrichtung, die beim ersten Verhandlungstermin am Freitag als Zeugin geladen war, bescheinigte ihr leichte Demenz, „aber auch klare Momente“. Auch ihre Tochter berichtete davon, dass der geistige Zustand des Opfers nach anfänglicher Verwirrung inzwischen wieder relativ klar sei.

Michael F. wurde von der Verteidigung als Mensch mit einem „freudlosen und unglücklichen Leben“ beschrieben, der in der Schule gemobbt und mehrfach stationär sowie ambulant wegen Depressionen behandelt wurde. Sämtliche Versuche, eine Beziehung mit Frauen seines Alters aufzubauen, scheiterten. „Glückliche Momente erlebte er nur im Kontakt mit Patienten.“ Bereits im November 2015 – ein Jahr nach seiner Anstellung – soll er zwei Patientinnen angeboten haben, sie zu küssen, was er vor seinem Chef bestritt. Weiterhin erlebte er in Bad Düben „so etwas wie eine Liebesbeziehung“ mit einer 80-jährigen Patientin, mit der er sexuellen Kontakt hatte und von der er auch Liebesbriefe erhielt. In der Einrichtung habe er „Erfahrungen mit mindestens drei Frauen“ gemacht.

Sachverständiger: Täter nicht zu normalen Kontakten fähig

Der psychologische Sachverständige des Gerichts attestiert F. eine Persönlichkeitsstörung sowie eine „schwere ängstliche Verunsicherung“, die es ihm unmöglich machten, Kontakt zu gleichaltrigen Frauen aufzubauen. Zum Zwecke der Triebbefriedigung habe er sich deshalb an der Patientin vergangen. Die Staatsanwaltschaft sah keine verminderte Schuldfähigkeit, rechnete dem Angeklagten jedoch an, dass er nicht vorbestraft sei und sich im Laufe des Verfahrens zum Teil geständig zeigte. So gab er zu, dass seine Wahrnehmung eines Einverständnisses seitens des Opfers „wohl Wunschdenken war“. Die Anklage forderte zwei Jahre und zehn Monate Haft.

Auch Verteidiger Malte Heise gab zu: „Dieser Vorgang macht sprachlos“, forderte allerdings nur ein Jahr und sechs Monate auf Bewährung. Die Gründe: Michael F. habe eine „positive Sozial- und Kriminalprognose“ und sei bereit, eine entsprechende Therapie in Anspruch zu nehmen. Auch seien die Straftatbestände der Körperverletzung und des Ausnutzens einer schutzlosen Lage nicht gegeben. In seinen letzten Worten wandte sich der Angeklagte an die Familie des Opfers und bat um Entschuldigung.

Gericht sieht „eine gewisse Empathielosigkeit“

Die Vorsitzende Richterin Ute Fritsch verurteilte Michael F. im Anschluss zu zweieinhalb Jahren Haft. Es habe „keine Anzeichen für ein Einverständnis“ gegeben. Auch habe der Angeklagte sehr wohl die hilflose Lage seines Opfers und seine Stellung als Krankenpfleger ausgenutzt. Weiterhin bescheinigte Fritsch ihm „eine gewisse Empathielosigkeit“. Das Gericht gehe jedoch davon aus, dass er „alle Möglichkeiten zur Besserung“ nutzen werde, auch wird von keiner Wiederholungsgefahr ausgegangen. Berufung und Revision sind möglich.

Von Christian Neffe

amtsgericht leipzig 51.322232 12.376562
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