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Delitzsch 8000 „Alten“ stehen in Delitzsch nicht mal 4000 unter 20-Jährige gegenüber
Region Delitzsch 8000 „Alten“ stehen in Delitzsch nicht mal 4000 unter 20-Jährige gegenüber
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07:00 04.06.2016
Eine Momentaufnahme – doch nur noch alt und trist, ist Delitzsch eigentlich nicht. Es werden wieder mehr Kinder geboren und es ziehen junge Familien in die Stadt. Quelle: Wolfgang Sens LVZ
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DELITZSCH

Fakt ist: Deutschland wird immer älter. Von einer Alterspyramide kann keine Rede mehr sein. Wenig Alte oben, viele Junge unten im Bevölkerungsdiagramm – das wäre das Ideal, das die Wissenschaft gerne hätte und wie es in den 1950er-Jahren noch wahr wurde. Ein Ideal, das es heute nicht gibt. Oben viele Alte, unten tragen wenig Junge. Bevölkerungsdiagramme sind längst Bäume geworden. Alt wie ein Baum? Das gilt auch in Delitzsch. Allerdings mit Einschränkungen.

Die gute Nachricht ist: Damit, dass das Bevölkerungsdiagramm keine Pyramide ist, liegt die Loberstadt absolut im bundesdeutschen Trend. Von einer besonders krassen Überalterung und einer nur noch alten Stadt mit Angeboten nur noch für Alte, wie sie jüngst für Delitzsch in der Gruppe „Du bist ein echter Delitzscher wenn ...“ hitzig diskutiert wurde, kann allerdings laut den Statistikern keine Rede sein. Von den 24 911 Einwohnern, von denen das Statistische Landesamt in seinen jüngsten Daten ausgeht, sind zwar 8085 Menschen älter als 60. 6095 davon älter als 65 – mit dem Alter um den Renteneintritt spätestens gilt ein Mensch in der Wissenschaft als alt. Noch nicht einmal ihren 20. Geburtstag gefeiert haben 3728 Menschen in der Stadt. Allerdings werden auch so viele Kinder geboren – rund 200 jährlich nimmt das Statistische Landesamt an –, dass es inzwischen Wartelisten für die Kindergärten gibt. Auch der Vorwurf, Delitzsch blute aus, ist statistisch gesehen also nicht haltbar. Allein mehr als 600 Knirpse unter drei Jahren listen die Statistiker in Kamenz für die Loberstadt. Dennoch gilt – auch das im Rahmen des bundesdeutschen Trends –, dass die Zahl der Gestorbenen in Delitzsch noch höher ist als die Zahl der Geborenen. Einen „Überschuss Gestorbene“ von 156 weisen die Statistiker in ihren Zahlen für 2015 aus.

Städte wie Delitzsch zweifeln Statistiker an

Wobei auch zu bedenken ist, dass die Jahres-Daten des Statistischen Landesamtes zwar als amtlich gelten, mitunter aber schnell weil monatsweise überholt sind und die „geheimen“, weil schnelllebigeren Daten der Einwohnermeldeämter eine andere Sprache sprechen. So gehörte auch Delitzsch im Jahre 2013 zu den vielen deutschen Städten, denen mit dem jüngsten Zensus Bürger verloren gingen. Unter dem Titel „Zensus“ wurden damals die amtlichen Bevölkerungszahlen bundesweit neu berechnet, wobei die Betonung auf rechnen liegt – die Stadt Delitzsch schrumpfte dabei von 26 212 auf 25 333 Einwohner zum Stichtag 30. Juni 2011. Fast 1000 Menschen gingen der Stadt laut den Statistikern und ihren Hochrechnungen verloren. Die Stadtverwaltung zweifelt bis heute daran.

So gilt, Delitzsch ist so alt wie es sich fühlt. Und das ist, wiederum statistisch untersetzt, gar nicht mal so seniorenhaft: Die weibliche Delitzscherin ist laut jüngsten Daten der Stadtverwaltung 49 Jahre alt, der männliche Delitzscher 45. Der Durchschnittsdelitzscher ist also 47. Und damit ist der durchschnittliche Delitzscher noch nicht einmal ein „Best Ager“, wie die Generation 50+ inzwischen genannt wird. 13 098 Menschen im Alter zwischen 20 und 60 verzeichnen auch die Landesamtsstatistiker, insgesamt mehr als 15 000 Delitzscher haben das Alter der Erwerbsfähigkeit bis 65 – „bringen“ der Gesellschaft mit ihrer Arbeit für Geld und damit Steuern, salopp formuliert, also noch was. Zudem gibt es, so betont beispielsweise Oberbürgermeister Manfred Wilde (parteilos), mehr Zu- als Fortzüge in die Stadt, es kommen besonders viele junge Familien in die Stadt. Von mehr als 70 neuen Delitzschern pro Monat schwärmt der Rathauschef mitunter.

Von Christine Jacob

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