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88 Hektar am Werbeliner See zu verkaufen – Delitzsch sucht nach Investor

Ausschreibung läuft 88 Hektar am Werbeliner See zu verkaufen – Delitzsch sucht nach Investor

In die Delitzscher Hoffnungen auf ein Stranderlebnis direkt vor der Haustür kommt neuer Schwung. 88 Hektar am Nordufer des Werbeliner Sees werden jetzt überregional zum Verkauf angeboten. Die Ausschreibung läuft bis 14. Dezember und soll der Stadt mindestens 860.000 Euro einbringen – zu zahlen vom Erwerber, der das Areal dann auf eigene Kosten weiter entwickeln kann.

Die Stadt Delitzsch sucht aktuell einen potenten Käufer für ein 88 Hektar großes Grundstück am Werbeliner See.

Quelle: Alexander Bley

Delitzsch. Allerdings steht die Veräußerung unter schwierigen Vorzeichen. Sie ist - nachdem mehrere potenzielle Investoren bereits das Handtuch warfen - offenbar ein finaler Versuch, eine mit Delitzscher Interessen abgestimmte Nutzung des Nordufers zu realisieren.

"Wir hoffen, dass es Interessenten gibt, die auch mit den gegebenen Beschränkungen in der Lage sind, eine naturnahe Nutzung herbeizuführen", sagt Oberbürgermeister Manfred Wilde (parteilos). Mit "Beschränkungen" fasst er zusammen, was die Stadtverwaltung seit inzwischen rund fünf Jahren mit der Naturschutzbehörde im Landratsamt diskutiert. Bekanntermaßen wurden weite Teile des Werbeliner Sees einschließlich umliegender Feldflächen 2006 zum Europäischen Vogelschutzgebiet deklariert. Hintergrund ist die Bedeutung des Gewässers als Brut- und Zugvogelquartier. Baden ist verboten, ebenso das Verlassen der Wege, Camping und freilaufende Hunde. Im Sommer teilte die Landkreis-Behörde mit, an einer Naturschutzgebiets-Verordnung zu arbeiten, die eine schärfere Ahndung von Störungen des Schutzgebietes ermöglicht.

Die nun zum Verkauf stehenden Flächen gehören zwar nicht zur Schutzzone. Aufgrund der direkten Nachbarschaft könnten sich Aktivitäten aber störend auswirken. Mögliche Investoren müssen nachweisen, dass das nicht passiert. Zuletzt bemühte sich die Stadtverwaltung mit einer Öko-Untersuchung und einem juristischen Gutachten, zumindest den Badebetrieb zu legalisieren. Der Vorstoß ruhe derzeit, teilt Bürgermeister Thorsten Schöne (parteilos) mit. Der kleinste gemeinsame Nenner mit der Umweltbehörde sei noch nicht gefunden.

Immerhin: Dem Vernehmen nach gibt es durchaus Nutzungsinteressenten. Unter anderem wurde nach LVZ-Informationen über Pferdesport gesprochen. In Frage steht allerdings, ob die möglichen naturnahen Projekte so viel Gewinn versprechen, dass Delitzsch das gewünschte Mindestkaufgebot erzielen kann. Die 860.000 Euro sind bewusst angesetzt: In der Summe enthalten ist der Kaufpreis für das Gelände, den Delitzsch 2010 an den Bergbausanierer LMBV zahlte. Der Rest, etwa 300.000 Euro, soll die bisherigen Ausgaben der Stadt im Zusammenhang mit planerischen Voruntersuchungen und der infrastrukturellen Anbindung des Gebietes decken. Seit diesem Jahr führt eine Asphaltstraße zum Nordufer, gibt es vor Ort einen Großparkplatz.

Die Straße selbst wird von der Stadt aber nicht verkauft. Auch ein Bereich am Brodauer Zinken, wo weiterhin Badebetrieb angestrebt wird, bleibt kommunales Eigentum. Ebenfalls unverkäuflich ist der direkte Uferrandbereich. Eine Teilflächenveräußerung also. Weil das erst jetzt per Vertragsänderung mit der LMBV möglich werde, sei die Ausschreibung nicht schon Jahre früher erfolgt, erklärt OBM Wilde. Bei den zur Veräußerung stehenden 88 Hektar handelt es sich im Wesentlichen um das Areal der ehemaligen Tagesanlagen des Tagebaus Delitzsch-Südwest - ein länglicher Flickenteppich aus naturbelassenem Boden, Forst- und Agrarflächen sowie rund zwei Hektar Biotop, gelegen zwischen dem südlichen Ende der Rudolf-Diesel-Straße im Gewerbegebiet Delitzsch-Südwest und dem Brodauer Zinken. Falls sich kein Käufer findet, hat Delitzsch bis Ende 2016 eine Rückgabeoption an die LMBV.

Kay Würker

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