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Abc-Schützen sind 60 Jahre älter

Abc-Schützen sind 60 Jahre älter

Es war ein bewegender Moment, als die ehemalige Klassenlehrerin Thusnelda Klötzl (89) von ihren einstigen Schützlingen begrüßt wurde. Vor genau 60 Jahren war sie diejenige gewesen, die den damals kleinen Abc-Schützen in der alten Dorfschule in Großwölkau die Zuckertüten überreichte.

Wölkau. Ab November 1957 besuchten alle Schüler gemeinsam dann die in Kleinwölkau neu gebaute Schule. Heute haben die Mädchen und  Jungen von einst ein arbeitsreiches Leben hinter sich und genießen bereits ihren wohlverdienten Ruhestand.

Für die meisten Schüler der Klasse gab es bereits schon mal vor zwei Jahren ein fröhliches Wiedersehen zur goldenen Konfirmation in der Kirche Großwölkau. Und damals wurde die Idee geboren, auch das 60. Einschulungsjubiläum zu feiern. „In dem Zusammenhang ist es besonders erfreulich, unsere ehemalige Klassenlehrerin in unserer Mitte zu wissen“, erzählte Erika Stephan aus Eilenburg am vergangenen Wochenende. Mit dem Mädchennamen Bleu wuchs sie in Boyda auf und lernte Krankenschwester in Torgau und Eilenburg. Ihr gesamtes Berufsleben verbrachte sie  dann im Kreiskrankenhaus der Muldestadt. Nach vielen Jahren als stellvertretende Stationsschwester wechselte sie in die Pflegedienstleitung und war dort in der Ausbildung tätig.

Ihre Mitschülerin Sigrid (Bärbel) Baumgärtel (geborene Apitzsch) aus Krostitz wuchs ebenfalls in Boyda auf. Nach der 8. Klasse absolvierte sie eine kaufmännische Lehre im Volkseigenen Gut Wölkau. Später arbeitete sie in einem Leipziger Büro und elf Jahre leitete sie die Konsum-Kommissionsgaststätte Zur Goldenen Aue in Krostitz. Nach der Wende übernahm sie die Büroarbeiten ihres Mannes, der eine Straßenbaufirma gründete. „Es ist schön, die ehemaligen Klassenkameraden zu treffen und zu erfahren, wie es ihnen im Leben ergangen ist“, schwärmt die Krostitzerin.

Dem konnte Ursel Baumgarten aus Lindenhayn nur zustimmen. Sie trug den Mädchennamen Braunsdorf, als sie in einer Wölkauer Damenschneiderei in die Lehre ging. Anschließend arbeitete sie als Schneiderin am Städtischen Theater in Leipzig. 1966 heiratete die Lindenhaynerin Rolf Baumgarten aus Bad Düben. 15 Jahre war sie als Sachbearbeiterin im Rat der Gemeinde Lindenhayn tätig und zwölf Jahre arbeitete sie in der Bad Dübener Gebäudewirtschaft in der Buchhaltung.

Dieter Jung hat es nach der Wende nach Mühlbach bei Wurzen verschlagen. Dort kauften er und seine Frau Carmen das 1945 enteignete Rittergut seiner Familie zurück und galt fortan als Wiedereinrichter im Haupterwerb.  „Ich habe in Kleinwölkau eine schöne Kindheit und Jugend verbracht“, erzählt der studierte Landwirt, der bis 1991 LPG-Vorsitzender in Zschölkau war. Inzwischen leitet Sohn Thomas die Geschicke eines Familienunternehmens in Mühlbach.

Ein großes Lob an die Organisatoren des Treffens sprach Dieter Weigelt aus Eilenburg aus. Er lernte Maurer und wechselte zum Baukombinat Leipzig. Er lebte viele Jahre in Kospa, war Bauleiter und nach der Wende der Geschäftsführer eines Doberschützer und später eines Eilenburger Baubetriebes.

„Ich bin überglücklich über den heutigen Tag“, schwärmte Marlis Tonn (geborene Uhlitzsch) aus Eilenburg. Die gelernte Sekretärin arbeitet viele Jahre als Postzustellerin in der Muldestadt. Seltener bekam man Dieter Rüffert zu sehen, weil es den gelernten Schlosser nach Leipzig verschlug. Nach der Lehre im Leichtmetallwerk Rackwitz studierte er Polytechnik in Karl-Marx-Stadt und ging als Lehrer an die 54. Polytechnische Oberschule im Leipziger Süden.

Übrigens, neben mehreren kulturellen Einlagen im Landgasthof Böttge erfreute beim Treffen auch die Schalmeienkapelle Lindenhayn. Für die ehemaligen Klassenkameraden steht jetzt schon fest, dass es am 31. Juli des nächsten Jahres ein erneutes Wiedersehen gibt, wenn Thusnelda Klötzl ihren 90. Geburtstag feiert.

Heike Nyari

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