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Aktion: Delitzscher testen Elektroautos

Image-Kampagne Aktion: Delitzscher testen Elektroautos

42 private und gewerbliche Pendler sind am Mittwoch zum Elektroautotest ausgeschwärmt. Zehn Tage lang dürfen sie die Stromer nutzen – ihre Erfahrungen notieren sie in Bewertungsbögen. Auch Delitzscher sind mit von der Partie. Möglich macht’s die Kampagne „ePendler – elektromobil unterwegs“.

Susan Ellmann hat im Testwagen Platz genommen.

Quelle: Wolfgang Sens

Leipzig/Delitzsch. Die Hersteller von Elektroautos sind auf der Suche nach Fürsprechern. Weil die Fahrzeuge für die Steckdose noch immer ein Nischengeschäft sind, soll ein groß angelegter Praxistest die Herzen der Alltagsfahrer öffnen. 42 Privatleute und Firmenmitarbeiter aus dem Raum Leipzig, darunter auch Delitzscher, erhielten am Mittwoch auf dem Messegelände stromgetriebene Leihautos, dürfen damit zehn Tage lang unterwegs sein. „ePendler – elektromobil unterwegs“ heißt die Kampagne. Die Initiatoren, unter anderem der Bundesverband eMobilität (BEM), dem Auto- und Energiefirmen angehören, sind von der Alltagstauglichkeit der Stromer überzeugt.

Am allgemeinen Interesse jedenfalls besteht kein Zweifel. Mehr als 1000 Bewerbungen von Testkandidaten seien eingegangen, berichtete Michael Tschakert von der zuständigen PR-Agentur PP:Agenda. Ausgewählt wurden die Probanden dann unter anderem nach ihrem Fahrverhalten – Vielfahrer und Fahrgemeinschaften hatten gute Karten. Auch sollen Lademöglichkeiten vorhanden sein. Zudem spielte die geografische Verteilung eine Rolle: Etwa 50 Prozent der Elektrotestfahrer wohnen im ländlichen Raum, sagte Tschakert.

Delitzscherin nutzt den Stromer familiär

Susan Ellmann etwa. Die Delitzscherin hatte in der LVZ von der Aktion gelesen, sich spontan beworben. Zwar arbeite sie bei den lokalen Stadtwerken, habe also keinen weiten Arbeitsweg, dafür aber eine Familie in Obhut. Der kleinste Sohn lerne gerade schwimmen, werde deshalb regelmäßig nach Eilenburg zur Halle gefahren, die beiden älteren Sprösslinge sind sportlich in Leipzig verortet. „Da komme ich Woche für Woche schon auf einige Kilometer“, sagte die 43-Jährige, die sonst im Diesel-VW-Bus unterwegs ist. Am Mittwoch nahm die kaufmännische Angestellte einen Audi A3 e-tron in Empfang.

Ebenso Lutz Schmalz, ein Schkeuditzer mit Versicherungsagentur in Delitzsch. Täglich pendelt er zwischen den Städten, legt mit Dienst- und Privatfahrten rund 30 000 Kilometer pro Jahr zurück. „Ich glaube, dass Verbrenner auf Dauer keine Zukunft haben. Deshalb möchte ich mal die Alternative ausprobieren“, erklärte der 24-Jährige. Nachladen könne er zu Hause oder am Unteren Bahnhof in Delitzsch, in der Nähe des Arbeitsplatzes. „Ob das so klappt, wird sich zeigen.“

Wenig Ladesäulen im ländlichen Raum

Tatsächlich ist das Delitzscher Land hinsichtlich Ladestationen nicht gerade üppig bestückt. Besser zwar als die östliche Hälfte des Landkreises, aber schlechter als die Großstadt. „Das Angebot an Stromtankstellen wird wachsen, wenn die Nachfrage steigt“, ist Hartmut Mangold, Staatssekretär im sächsischen Verkehrsministerium, überzeugt. „Und um die Nachfrage in Gang zu bringen, braucht es Anstöße wie diese Kampagne.“ Das Ministerium beteiligt sich an den Kosten der „ePendler“-Aktion mit 50 000 Euro, weitere 10 000 Euro gibt die Stadt Leipzig hinzu. Der Ausbau der Ladeinfrastruktur speziell im unterversorgten ländlichen Raum werde Schritt für Schritt weiter vorangetrieben, ergänzte Burkhard Zscheischler, Referent im Verkehrsministerium. Gerade sei zu diesem Zweck eine neue millionenschwere Bund-Länder-Initiative auf den Weg gebracht worden, an der sich auch Sachsen mit 400 000 Euro beteilige. Weitere öffentliche Ladesäulen sollen entstehen – als Initialzündung für private Anbieter. BEM-Präsident Kurt Sigl machte sich zudem für eine Kaufprämie stark: „Die Bundesregierung muss endlich mit einer Anreizfinanzierung in die Pötte kommen. Schließlich sollen Normalbürger für E-Autos motiviert werden, die bis zu 15 000 Euro teurer sind als gleichartige Benziner.“

Die aktuellen „ePendler“ müssen sich übers Geld keine Gedanken machen. Für sie ist die Elektrizitäts-Erfahrung kostenlos – zumindest zehn Tage lang. Parallel füllen sie Fragebögen aus, die ab Ende nächster Woche von der Agentur PP:Agenda ausgewertet werden sollen. „Ich möchte einfach mal ausprobieren, wie weit ich mit dem Elektroauto komme“, sagte Susan Ellmann. Ihre Familie hat den Stromer am Mittwoch schon mit Spannung erwartet.

Von Kay Würker

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