Volltextsuche über das Angebot:

21 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Alarmierende Zahlen im Altkreis Delitzsch: Crystal macht Schule

Alarmierende Zahlen im Altkreis Delitzsch: Crystal macht Schule

Die Entwicklung ist alarmierend: Die Zahl der Drogenkonsumenten, die in Sachsen Hilfe bei Beratungsstellen suchen, ist 2012 im Vergleich zum Vorjahr um 47 Prozent gewachsen.

Voriger Artikel
Hochfliegende Choreografien in Krostitz
Nächster Artikel
Zwei mal zwei Zicklein

Cornelia Engelhardt (links) und Tina Löscher von der Suchberatungsstelle informieren über die Problematik im Rahmen des Fachtages.

Quelle: Kay Würker

Kreisgebiet. Fast ausschließlich ist Crystal die Ursache, ein synthetisches Stimulans. Der Anstieg schlägt sich auch in Nordsachsen nieder, unter anderem an hiesigen Schulen. Am Beruflichen Schulzentrum Delitzsch wurde deshalb erstmals ein Fachtag zum Thema Sucht einberufen.

Sie sind in der Regel noch vergleichsweise jung, selten älter als 30. Doch wenn Crystal-Konsumenten von sich aus die Hilfe von Fachleuten suchen, haben sie ihr Leben oft schon weitgehend zerstört. Der erste Kontakt mit der Droge findet meist im Jugendalter statt, sagt Sozialpädagogin Tina Löscher. Mit Anfang 20, wenn die Konflikte mit Gesetz und Polizei zunehmen, wenn es ernste Probleme mit Job oder Ausbildung gibt, finden sie mitunter den Weg in die Suchtberatungsstelle - gesundheitlich angeschlagen, latent aggressiv. "Der Jüngste, der zu uns kam, war 17. Seine Oma hatte ihn dazu gezwungen", erzählt Löscher.

Die rasant gestiegene Verbreitung von Crystal macht den Beratern in Nordsachsen zu schaffen. Zwar ist Alkohol nach wie vor die Ursache Nummer eins, wenn es um Suchterkrankungen geht. Doch die synthetische Droge rückt auf, auch unter anderen Namen: Meth, Pervitin, Ruppe, Methedrin. Oder kurz C. 129 von Crystal abhängige Klienten zählte die Suchtberatungs- und Behandlungsstelle im Raum Delitzsch-Eilenburg von Januar bis August 2013. Im Vorjahreszeitraum waren es 93. "Das entspricht einer Steigerung von fast 40 Prozent", verdeutlicht Löscher.

Die Sozialpädagogin arbeitet in den Außenstellen Schkeuditz und Taucha der Beratungsstelle. In Eilenburg gibt es einen weiteren Außenposten, Hauptsitz ist Delitzsch. Dort ist Beraterin Cornelia Engelhardt tätig. "Finanziert vom Freistaat, bieten wir einerseits Basisversorgung an, indem wir Abhängige und Suchtgefährdete beraten und auf Entwöhnungstherapien vorbereiten", erklärt Engelhardt. Andererseits gehe es um die Begleitung Angehöriger und um die soziale Reintegration Betroffener. Am Delitzscher Schäfergraben 5 befindet sich zudem das Kontaktcafé Anker als unkomplizierter Anlaufpunkt.

Und auch Fachtagungen gehören zum Aufgabenfeld der Suchtexperten. An Schulen allerdings sind Veranstaltungen dieser Art Neuland. "Dabei sind Drogen leider auch an den Bildungsstätten im Landkreis Realität ", konstatiert Conny Dietze vom Gesundheitsamt Nordsachsen. "Im Sinne des Bildungs- und Erziehungsauftrages ist es nötig, dass sich Pädagogen und Sozialarbeiter möglichst kompetent und sensibel mit Suchtfragen auseinandersetzen." Das Gesundheitsamt organisierte deshalb vergangene Woche zusammen mit der hiesigen Arbeiterwohlfahrt und dem Beruflichen Schulzentrum (BSZ) einen Pädagogischen Fachtag. Eine Reihe von Schulen im Raum Delitzsch wurde eingeladen - erschienen waren letztlich aber nur Vertreter des BSZ und des Ehrenberg-Gymnasiums.

Sechs Stunden lang vertieften sie sich in das Thema. Daniel Graubaum von den Drugscouts Leipzig informierte über die vielfältigen Substanzen, Matthias Jentsch vom Projekt Drahtseil referierte über den Umgang mit drogenkonsumierenden Jugendlichen. "Toleranz ist in solchen Fällen das falsche Signal. Es gibt die Möglichkeit, Schüler für die Suchtberatung freizustellen - sie bekommen dort eine Teilnahmebescheinigung. Es ist aber wichtig", betonte Jentsch, "dass sich Lehrerkollegium und Sozialarbeiter vorab verständigen, wie im konkreten Fall vorzugehen ist."

Der Aspekt der Prävention spielte bei dem Fachtag keine Rolle. Der entsprechende Referent von der Fachstelle für Suchtprävention Leipzig war verhindert. Im Rahmen einer Lehrerkonferenz am BSZ soll das aber nachgeholt werden. Und auch der Fachtag an sich könnte eine Neuauflage bekommen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 17.12.2013
Kay Würker

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Delitzsch
  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • Geld für Vereine der Region
    Mikrologo Angestust

    Mit der Aktion „Angestupst“ unterstützen LVZ und Sparkasse Leipzig die Vereine der Region. Die nächste Runde läuft - jetzt mitmachen und bewerben! mehr

  • LVZ-Sommerkino im Scheibenholz
    LVZ Sommerkino im Scheibenholz: Alle Infos zu Filmen, Ticketverkauf und dem Rahmenprogramm.

    Das LVZ-Sommerkino lud wieder zu unterhaltsamen Filmabenden ins Scheibenholz ein. Sehen Sie hier einen Rückblick in Fotos und Geschichten. mehr

  • LVZ-Fahrradfest 2017
    Logo LVZ-Fahrradfest

    Das 13. LVZ-Fahrradfest lud am 14. Mai 2017 wieder Radler ein, gemeinsam in die Pedalen zu treten. Fotos, Videos und Infos finden Sie in unserem Sp... mehr

Blättern Sie in der prall gefüllten Veranstaltungsbeilage und entdecken Sie die Termine aus den Städten und Gemeinden. mehr

  • Jahrtausendflut 2002

    Entlang von Mulde, Elbe und Pleite brach im August 2002 eine verheerende Flutkatastrophe herein. Die LVZ zeigt eine Bestandsaufnahme. mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr

  • Sparkassen Challenge
    Logomotiv der Sparkassen Challenge 2017

    "Sport frei!" heißt es auch 2017 bei zahlreichen Wettkämpfen der Sparkassen-Challenge. Alle Events mit vielen Fotos finden Sie hier! mehr

  • Gutes von hier

    Das regionale Schaufenster mit Produkten und Dienstleistungen aus dem Leipziger Raum - von traditionell bis innovativ. Gutes von hier eben! mehr