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Delitzsch Alarmierende Zahlen im Altkreis Delitzsch: Crystal macht Schule
Region Delitzsch Alarmierende Zahlen im Altkreis Delitzsch: Crystal macht Schule
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15:00 19.05.2015
Cornelia Engelhardt (links) und Tina Löscher von der Suchberatungsstelle informieren über die Problematik im Rahmen des Fachtages. Quelle: Kay Würker

Fast ausschließlich ist Crystal die Ursache, ein synthetisches Stimulans. Der Anstieg schlägt sich auch in Nordsachsen nieder, unter anderem an hiesigen Schulen. Am Beruflichen Schulzentrum Delitzsch wurde deshalb erstmals ein Fachtag zum Thema Sucht einberufen.

Sie sind in der Regel noch vergleichsweise jung, selten älter als 30. Doch wenn Crystal-Konsumenten von sich aus die Hilfe von Fachleuten suchen, haben sie ihr Leben oft schon weitgehend zerstört. Der erste Kontakt mit der Droge findet meist im Jugendalter statt, sagt Sozialpädagogin Tina Löscher. Mit Anfang 20, wenn die Konflikte mit Gesetz und Polizei zunehmen, wenn es ernste Probleme mit Job oder Ausbildung gibt, finden sie mitunter den Weg in die Suchtberatungsstelle - gesundheitlich angeschlagen, latent aggressiv. "Der Jüngste, der zu uns kam, war 17. Seine Oma hatte ihn dazu gezwungen", erzählt Löscher.

Die rasant gestiegene Verbreitung von Crystal macht den Beratern in Nordsachsen zu schaffen. Zwar ist Alkohol nach wie vor die Ursache Nummer eins, wenn es um Suchterkrankungen geht. Doch die synthetische Droge rückt auf, auch unter anderen Namen: Meth, Pervitin, Ruppe, Methedrin. Oder kurz C. 129 von Crystal abhängige Klienten zählte die Suchtberatungs- und Behandlungsstelle im Raum Delitzsch-Eilenburg von Januar bis August 2013. Im Vorjahreszeitraum waren es 93. "Das entspricht einer Steigerung von fast 40 Prozent", verdeutlicht Löscher.

Die Sozialpädagogin arbeitet in den Außenstellen Schkeuditz und Taucha der Beratungsstelle. In Eilenburg gibt es einen weiteren Außenposten, Hauptsitz ist Delitzsch. Dort ist Beraterin Cornelia Engelhardt tätig. "Finanziert vom Freistaat, bieten wir einerseits Basisversorgung an, indem wir Abhängige und Suchtgefährdete beraten und auf Entwöhnungstherapien vorbereiten", erklärt Engelhardt. Andererseits gehe es um die Begleitung Angehöriger und um die soziale Reintegration Betroffener. Am Delitzscher Schäfergraben 5 befindet sich zudem das Kontaktcafé Anker als unkomplizierter Anlaufpunkt.

Und auch Fachtagungen gehören zum Aufgabenfeld der Suchtexperten. An Schulen allerdings sind Veranstaltungen dieser Art Neuland. "Dabei sind Drogen leider auch an den Bildungsstätten im Landkreis Realität ", konstatiert Conny Dietze vom Gesundheitsamt Nordsachsen. "Im Sinne des Bildungs- und Erziehungsauftrages ist es nötig, dass sich Pädagogen und Sozialarbeiter möglichst kompetent und sensibel mit Suchtfragen auseinandersetzen." Das Gesundheitsamt organisierte deshalb vergangene Woche zusammen mit der hiesigen Arbeiterwohlfahrt und dem Beruflichen Schulzentrum (BSZ) einen Pädagogischen Fachtag. Eine Reihe von Schulen im Raum Delitzsch wurde eingeladen - erschienen waren letztlich aber nur Vertreter des BSZ und des Ehrenberg-Gymnasiums.

Sechs Stunden lang vertieften sie sich in das Thema. Daniel Graubaum von den Drugscouts Leipzig informierte über die vielfältigen Substanzen, Matthias Jentsch vom Projekt Drahtseil referierte über den Umgang mit drogenkonsumierenden Jugendlichen. "Toleranz ist in solchen Fällen das falsche Signal. Es gibt die Möglichkeit, Schüler für die Suchtberatung freizustellen - sie bekommen dort eine Teilnahmebescheinigung. Es ist aber wichtig", betonte Jentsch, "dass sich Lehrerkollegium und Sozialarbeiter vorab verständigen, wie im konkreten Fall vorzugehen ist."

Der Aspekt der Prävention spielte bei dem Fachtag keine Rolle. Der entsprechende Referent von der Fachstelle für Suchtprävention Leipzig war verhindert. Im Rahmen einer Lehrerkonferenz am BSZ soll das aber nachgeholt werden. Und auch der Fachtag an sich könnte eine Neuauflage bekommen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 17.12.2013
Kay Würker

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