Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Delitzsch Ali will in Delitzsch wieder in seinen Traumberuf
Region Delitzsch Ali will in Delitzsch wieder in seinen Traumberuf
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:00 15.08.2017
Ali Wihbe Dib zeigt seine Kenntnisse in Sachen Bindfadentechnik. Sandra Freiberg, der Delitzscher Wirtschaftsförderer Alexander Lorenz, Geschäftsführerin Silvana Walter und Salonleiterin Grit Lorenz (von links) sind überzeugt. Quelle: Wolfgang Sens
Delitzsch

Ginge es nach Grit Lorenz würde Ali Wihbe Dib immer im „Quickhair“- Friseursalon in der Eilenburger Straße arbeiten. „Wir würden ihn gerne behalten“, sagt die Salonleiterin über den Praktikanten aus dem Libanon, den sie die vergangenen vier Wochen betreut hat. Der 43-Jährige möchte (wieder) als Friseur arbeiten, doch so leicht ist das nicht.

Delitzscher Filiale räumt Chance ein

Waschen, Schneiden, Föhnen, Babierhandwerk und Haare zupfen mit Bindfadentechnik sind eigentlich schon seine Profession. „Bei uns im Libanon gibt es sogar zwei Friseurberufe, einen für Männer und einen für Frauen und die Ausbildung dauert jeweils zwei Jahre“, erzählt der 43-Jährige. Einfach anerkannt wird seine Qualifikation in Deutschland jedoch nicht und er muss seine Kenntnisse beweisen, hat immerhin auch 17 Jahre nicht in seinem ursprünglichen Beruf gearbeitet. Nun will er sich beweisen. Seit 2012 haben Zuwanderer die Möglichkeit, ihren im Ausland erworbenen Berufsabschluss mit den Anforderungen an diesen Beruf in Deutschland vergleichen zu lassen, um dann einen reglementierten Beruf in Deutschland ausüben zu können. „Reglementiert“ bedeutet, dass der Beruf ohne ein staatliches Zulassungsverfahren und ohne Anerkennung ihrer Berufsqualifikation nicht ausgeübt werden darf. Der lückenlose Nachweis ist zwingend erforderlich. Ali Wihbe Dib wurde über das Arbeitsamt zur Stiftung Bildung & Handwerk mit der zuständigen SBH Südost GmbH mit Sitz in Leipzig vermittelt. Im Rahmen des Projekts „Modulare Nachqualifizierung für Menschen mit Migrationshintergrund“ (kurz: MoNaMi 3.0) kann Ali Wihbe Dib jetzt in fünf Arbeitsproben – von Dauerwelle bis Hochsteckfrisur – seine Anerkennungspraktika absolvieren. „Es geht um den beruflichen Einstieg und Wiedereinstieg, um Möglichkeiten der Qualifizierung und das persönliche Gespräch“, erklärt die zuständige SBH-Mitarbeiterin Sandra Freiberg. Mit der Figaro Bitterfeld GmbH, die in Delitzsch neben „Quickhair“ einen weiteren Salon betreibt, war ein guter und durch und durch toleranter Partner gefunden.

Migranten gegen Fachkräftemangel

„Was das Herrenfach betrifft, ist er sehr sicher“, schätzt Grit Lorenz ein, „im Damenfach muss er an manchen Stellen noch sicherer werden.“ Sie ist rundum zufrieden mit ihrem Praktikanten, bringt der doch eine Einstellung mit, die bei hiesigen Azubis und auch Arbeitnehmern nicht mehr selbstverständlich ist: „Er will wirklich arbeiten, er will sich wirklich engagieren.“ Darum habe sie ihm gerne die Chance gegeben. Leute wie Ali seien enorm wichtig für die Branche, in der absoluter Fachkräftemangel herrscht und sich die Suche nach Lehrlingen immer schwieriger gestaltet. Zwei Praktika muss der Libanese noch absolvieren, Grit Lorenz hätte ihn gerne wieder im achtköpfigen Salonteam. Auch aus politischen Gründen: „Es wird so viel Negatives über unsere Mitbürger geredet, wir wollen den Leuten eine Chance geben.“

Auch mit der Flamme lassen sich Haare sanft und effektiv entfernen. Quelle: Wolfgang Sens

Ali Wihbe Dib kam vor elf Jahren nach Deutschland und lebt seitdem in der Region Leipzig. Er handelte als Selbstständiger mit Autos, fasste im März jedoch den Entschluss, zurück in seinen angestammten Beruf zu kehren. Zuhause im Libanon leben noch seine Frau Sokiana und die beiden Kinder Mariam (8) und Assil (4). Einmal im Jahr fährt er nach Hause in die Stadt Maarake im Süden des Libanon, wo seine Frau als Englischlehrerin arbeitet und die Tochter schon die Schule besucht. Wenn alles gut klappt und er bald wieder finanziell unabhängig ist, will Ali Wihbe Dib seine Familie nachholen. Und er hat große Ziele: „Ich möchte gern meinen Meister machen.“

Von Christine Jacob

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Behalten oder abstoßen? Diese Frage stellen sich derzeit die meisten Diesel-Fahrer in Deutschland, immerhin lockt jetzt eine Abwrackprämie. Auch Volker Tiefensee (CDU) kommt ins Grübeln was seinen Rekord-Fabia betrifft.

15.08.2017

Die Stadt Delitzsch verfügt aktuell über 702 Hortplätze in insgesamt acht Einrichtungen, wovon zwei in kommunaler Trägerschaft sind. In diesem Jahr gab es 227 Schulanfänger und damit deutlich mehr als im Durchschnitt der vergangenen Jahr. Zusätzliche Plätze wurden geschaffen, fast 100 entstanden neu.

15.08.2017

Stichroben des Vereins VSR-Gewässerschutz haben in Delitzsch, Schkeuditz und Krostitz ergeben, dass das Wasser in privaten Brunnen mitunter stark mit Nitraten belastet ist. Diese werden durch das oberflächennahe Grundwasser gespeist. Ist damit auch das Trinkwasser in Gefahr? Die LVZ hat nachgefragt, auch bei den in der Kritik stehenden Bauern.

14.08.2017