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Ali will in Delitzsch wieder in seinen Traumberuf

Gelebte Integration Ali will in Delitzsch wieder in seinen Traumberuf

17 Jahre hat er nicht in seinem gelernten Beruf gearbeitet, nun will Ali Wihbe Dib wieder Friseur werden. Doch das ist gar nicht so leicht und mit einigen Stolperstellen verbunden. Die Delitzscher Quickhair-Filiale hat ihm ein Praktikum ermöglicht.

Ali Wihbe Dib ist vor allem im Herrenfach sehr souverän.

Quelle: Wolfgang Sens

Delitzsch. Ginge es nach Grit Lorenz würde Ali Wihbe Dib immer im „Quickhair“- Friseursalon in der Eilenburger Straße arbeiten. „Wir würden ihn gerne behalten“, sagt die Salonleiterin über den Praktikanten aus dem Libanon, den sie die vergangenen vier Wochen betreut hat. Der 43-Jährige möchte (wieder) als Friseur arbeiten, doch so leicht ist das nicht.

Delitzscher Filiale räumt Chance ein

Waschen, Schneiden, Föhnen, Babierhandwerk und Haare zupfen mit Bindfadentechnik sind eigentlich schon seine Profession. „Bei uns im Libanon gibt es sogar zwei Friseurberufe, einen für Männer und einen für Frauen und die Ausbildung dauert jeweils zwei Jahre“, erzählt der 43-Jährige. Einfach anerkannt wird seine Qualifikation in Deutschland jedoch nicht und er muss seine Kenntnisse beweisen, hat immerhin auch 17 Jahre nicht in seinem ursprünglichen Beruf gearbeitet. Nun will er sich beweisen. Seit 2012 haben Zuwanderer die Möglichkeit, ihren im Ausland erworbenen Berufsabschluss mit den Anforderungen an diesen Beruf in Deutschland vergleichen zu lassen, um dann einen reglementierten Beruf in Deutschland ausüben zu können. „Reglementiert“ bedeutet, dass der Beruf ohne ein staatliches Zulassungsverfahren und ohne Anerkennung ihrer Berufsqualifikation nicht ausgeübt werden darf. Der lückenlose Nachweis ist zwingend erforderlich. Ali Wihbe Dib wurde über das Arbeitsamt zur Stiftung Bildung & Handwerk mit der zuständigen SBH Südost GmbH mit Sitz in Leipzig vermittelt. Im Rahmen des Projekts „Modulare Nachqualifizierung für Menschen mit Migrationshintergrund“ (kurz: MoNaMi 3.0) kann Ali Wihbe Dib jetzt in fünf Arbeitsproben – von Dauerwelle bis Hochsteckfrisur – seine Anerkennungspraktika absolvieren. „Es geht um den beruflichen Einstieg und Wiedereinstieg, um Möglichkeiten der Qualifizierung und das persönliche Gespräch“, erklärt die zuständige SBH-Mitarbeiterin Sandra Freiberg. Mit der Figaro Bitterfeld GmbH, die in Delitzsch neben „Quickhair“ einen weiteren Salon betreibt, war ein guter und durch und durch toleranter Partner gefunden.

Migranten gegen Fachkräftemangel

„Was das Herrenfach betrifft, ist er sehr sicher“, schätzt Grit Lorenz ein, „im Damenfach muss er an manchen Stellen noch sicherer werden.“ Sie ist rundum zufrieden mit ihrem Praktikanten, bringt der doch eine Einstellung mit, die bei hiesigen Azubis und auch Arbeitnehmern nicht mehr selbstverständlich ist: „Er will wirklich arbeiten, er will sich wirklich engagieren.“ Darum habe sie ihm gerne die Chance gegeben. Leute wie Ali seien enorm wichtig für die Branche, in der absoluter Fachkräftemangel herrscht und sich die Suche nach Lehrlingen immer schwieriger gestaltet. Zwei Praktika muss der Libanese noch absolvieren, Grit Lorenz hätte ihn gerne wieder im achtköpfigen Salonteam. Auch aus politischen Gründen: „Es wird so viel Negatives über unsere Mitbürger geredet, wir wollen den Leuten eine Chance geben.“

Auch mit der Flamme lassen sich Haare sanft und effektiv entfernen

Auch mit der Flamme lassen sich Haare sanft und effektiv entfernen.

Quelle: Wolfgang Sens

Ali Wihbe Dib kam vor elf Jahren nach Deutschland und lebt seitdem in der Region Leipzig. Er handelte als Selbstständiger mit Autos, fasste im März jedoch den Entschluss, zurück in seinen angestammten Beruf zu kehren. Zuhause im Libanon leben noch seine Frau Sokiana und die beiden Kinder Mariam (8) und Assil (4). Einmal im Jahr fährt er nach Hause in die Stadt Maarake im Süden des Libanon, wo seine Frau als Englischlehrerin arbeitet und die Tochter schon die Schule besucht. Wenn alles gut klappt und er bald wieder finanziell unabhängig ist, will Ali Wihbe Dib seine Familie nachholen. Und er hat große Ziele: „Ich möchte gern meinen Meister machen.“

Von Christine Jacob

Delitzsch, Eilenburger Straße 82 51.5244614 12.3440746
Delitzsch, Eilenburger Straße 82
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