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Delitzsch "Alle waren voller Hoffnung"
Region Delitzsch "Alle waren voller Hoffnung"
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18:01 04.06.2010
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. Dieser feierliche Akt vollzog sich nach der ersten demokratischen Kommunalwahl, die am

6. Mai 1990 nach 40 Jahren DDR stattfand, am 29. Mai auch in Bad Düben sowie am 30. Mai in Delitzsch. Komunalpolitiker, die damals dabei waren, erinnern sich. Der erste Nachwendebürgermeister in Delitzsch hieß

Heinz Bieniek

(CDU). Und der könnte ein Buch schreiben, „so beeindruckend sei die Zeit damals gewesen". Es habe in der Stadt und unter den Menschen eine Pionier- und Aufbruch-Stimmung geherrscht, aber auch viel Ungewissheit. „Wir hatten ja keine Verwaltungserfahrung und wussten nicht, was da kommt. Aber wir waren gemeinsam voller Optimismus und Freude und dazu bereit, die Aufgaben zu meistern", sagte der 63-Jährige. Noch heute ist Bieniek „dankbar, diese Zeit miterlebt zu haben". Aber auch die Hilfe und Unterstützung der westdeutschen Partnerstädte und der dort wirkenden Menschen, habe er nicht vergessen.  Auch sein damaliger Amtskollege in Eilenburg,

Herbert Poltersdorf

(CDU), erinnerte sich an Pioniergeist und Aufbruchstimmung. „Das ging durch alle Parteien bis hin zur PDS. Wir hatten alle eine Richtung eingeschlagen", so der 68-Jährige. Die Wahlbeteiligung lag damals bei über

70 Prozent. Der Saal der Stadthalle in Eilenburg war bei der ersten Stadtverordnetenversammlung so voll, dass viele nur noch Stehplätze bekamen. Was sich nicht ausdrücken lasse, sei der Enthusiasmus und der Eifer, mit dem die zumeist Neulinge in der Kommunalpolitik eine nur vier Jahre dauernde Legislatur begannen. Poltersdorf: „Alle waren voller Hoffnungen und Träume und haben über die gesamten vier Jahre mit bemerkenswertem Einsatz für ihre Auffassung gekämpft und gestritten. Die Erwartungen der Öffentlichkeit und auch der Abgeordneten waren riesig und in der Kürze der Zeit meist gar nicht realisierbar. Trotzdem wurden in diesen vier Jahren so viele wichtige Grundlagen geschaffen, dass sie in den Jahren danach und selbst heute noch wirken."

Peter Burck

(Freies Bündnis), der wie

Reiner Weihmann

(SPD) in Eilenburg damals wie heute im Ortsparlament mitarbeitet, ist sich ebenfalls sicher, „dass alle, die sich seinerzeit in die Kommunalpolitik gestürzt haben, etwas von dem Pioniergeist dieser Tage in Erinnerung behielten. Zumindest haben wir uns redlich bemüht, aus den neuen Möglichkeiten das Beste für unsere Heimatstadt zu machen". Der Bürgerrechtler hat aber auch nicht vergessen, „dass die Opposition mit dem geschickten Schachzug Helmut Kohls für eine ,Allianz für Deutschland‘ ins Abseits geraten war". In guter Erinnerung sind dem Ehrenbürger der Stadt Bad Düben,

Wolfgang Apitzsch,

jene Jahre nach der friedlichen Revolution in der Kleinstadt. Er saß damals im ersten Stadtrat, war Stadtverordnetenvorsteher. Das Parlament hatte

30 Sitze. „Es waren aber immer nur 29 im Stadtrat, weil

Dr. Fischer bei der Wahl so viele Stimmen erhielt, dass er gleich zwei Sitze einnehmen konnte", erinnerte sich Apitzsch. Erster Bürgermeister war Hans-Günther Lange, ein Sozialdemokrat. Die Sozis und die Christdemokraten hatten jeweils sieben Sitze, die PDS vier, die FDP zwei, die DSU drei. Die übrigen Stadträte waren Parteilose. DSU und FDP schlossen sich später unter Karl-Heinz Emmrich zum Bündnis zusammen. Bürgermeister Lange war nur kurze Zeit im Amt – bis September 1991. Er trat zurück und Eckehard Tulaszewski (damals SPD, später parteilos) setzte sich bei einer Wahl gegen CDU-Kandidat Oskar Henke durch. „Politisch gesehen lag viel Spannung in der Luft", sagte der 80-jährige Apitzsch. „Wir hatten damals viele Bausachen abzuarbeiten, waren teilweise aber auch blauäugig. Die Freiheiten waren größer. Schon damals spielte eine Umgehungsstraße für Bad Düben eine Rolle, wie sie heute im Gespräch ist, und die Muldebrücke. Auf unserem Tisch lagen aber auch Eigentumsprobleme, die Abwasserentsorgung, das Gewerbegebiet und das Moorbad." Apitzsch besucht heute noch als politisch interessierter Bürger die Stadtratssitzungen in der Kurstadt.

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