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Als Betreuungsfachkraft raus aus der Arbeitslosigkeit

Als Betreuungsfachkraft raus aus der Arbeitslosigkeit

Für die Unternehmen ist er eine Plage, für die Bildungsträger die große Chance: Der Fachkräftemangel mischt derzeit die Karten auf dem Arbeitsmarkt neu. Auch die Regionale Initiative Delitzsch (RID) hat mit Berufsbildungsmaßnahmen gut zu tun und offenkundigen Erfolg.

Delitzsch. Eine Reihe von Langzeitarbeitslosen, die im Pflegebereich geschult wurden, sind inzwischen mit Arbeitsverträgen ausgestattet.

Annett Thiel und Frances Senf genießen es in vollen Zügen, das neue Lebensgefühl. Fast täglich, wenn sie in Delitzsch zu Pflegebedürftigen fahren, ihnen zur Seite stehen, Gespräche führen oder zu gymnastischen Übungen anleiten. Es ist ein noch ungewohntes Gefühl. Denn bis vor Kurzem konnten die beiden Frauen weder Auto fahren noch als Betreuungsfachkraft arbeiten. Frances Senf, gelernte Pferdewirtin, war nach einem Unfall lange arbeitsuchend, Annett Thiel stand nach dem Aus ihres Betriebes als Facharbeiterin für Tierproduktion auf der Straße.

Auto fahren und Betreuen haben die Delitzscherinnen ab September vergangenen Jahres gelernt. In einem Kurs bei der RID, der sowohl die Fachausbildung als auch den in der Branche so wichtigen Führerschein beinhaltete. Sie erhielten Übung im Umgang mit psychisch Kranken, von Demenz Betroffenen sowie mit körperlich und geistig behinderten Kindern. Sie dürfen mit Einschränkungen Spritzen und Medikamente verabreichen, kennen sich mit Waschen, Windeln und Erster Hilfe aus. Die Ausbildung öffnet ihnen den Weg in die Kurzzeit-, Tages- oder stationäre Pflege sowie für die Arbeit im Hospiz.

Der Lehrgang war bereits der zweite seiner Art in Regie des RID. Geldgeber sind Jobcenter und Arbeitsagentur. „Der Bedarf ist groß“, schildert RID-Chefin Martina Pönicke. „Seit einer Gesetzesänderung 2008 finanzieren die Krankenkassen auch die mobile Betreuung. Pflegebedürftige können dadurch daheim aufgesucht werden, was nicht zuletzt Angehörige entlastet.“ Sieben der zwölf Teilnehmer aus dem ersten Kurs seien inzwischen auf dem ersten Arbeitsmarkt untergekommen – ähnlich sieht die Bilanz für den zweiten Kurs aus, in dem Annett Thiel und Frances Senf mit elf anderen ihren Abschluss geschafft haben.

Zusammen mit einer weiteren Teilnehmerin haben die beiden einen Arbeitsvertrag beim Delitzscher Pflegedienst Silvia Haake erhalten. „Unbefristet, mit 40 Wochenstunden“, berichtet die Unternehmenschefin. Ganz bewusst habe sie sich für die ehemaligen Langzeitarbeitslosen entschieden. „Die RID-Absolventen sind fachlich gut ausgebildet, motiviert und haben das Herz am rechten Fleck.“ Schon im Vorfeld der Bildungsmaßnahme lernten sich Arbeitgeber und Arbeitsuchende bei Praktika kennen.

Inzwischen ist bei der Regionalen Initiative Delitzsch der dritte Betreuungs-Lehrgang gestartet. Diesmal werde der Schwerpunkt noch mehr auf die Pflege gelegt, erläutert Martina Pönicke. Und ist in Gedanken schon weiter: „Auch in anderen Branchen ist der Fachkräftebedarf hoch. Unsere Palette an Bildungsangeboten ist durchaus erweiterbar.“

Kay Wuerker

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