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Alter und Krankheiten setzen den Delitzscher Bäumen zu

Städtisches Grün Alter und Krankheiten setzen den Delitzscher Bäumen zu

Auch in diesem Winterhalbjahr wurden in Delitzsch wieder Bäume gefällt und Stimmen laut, die einen Kahlschlag befürchten. Die Stadtverwaltung weist wahlloses Abholzen aber zurück, führt vielfältige Gründe für Baumentnahmen ins Feld. Unter anderem ist auch in Delitzsch ein Eschensterben zu beklagen.

2011 stürzte dieser Baum am Delitzscher Wallgraben auf ein Auto. Erkennbar sind Auswirkungen des Brandkrustenpilzes.

Quelle: Stadtverwaltung Delitzsch

Delitzsch. In den zurückliegenden Monaten haben im städtischen Grünoft die Motorsägen geheult. Neben Pflegeschnitten ließ die Stadt auch Bäume fällen. Besorgte Bürger sprechen von Kahlschlag. Wie steht es um die Bäume in der Loberstadt? Schreitet das Baumsterben weiter voran? Laut Stadtverwaltung ist der Zustand der Bäume in Delitzsch nicht besorgniserregend und mit anderen Städten vergleichbar.

Unstrittig ist allerdings, dass in den vergangenen Jahren viele Bäume gefällt wurden. Die Ursachen seien unterschiedlich und zahlreich, begründet das Rathaus. 2011 wurde am Bürgerhaus Eschentriebsterben nachgewiesen, folglich mussten befallene Bäume entnommen werden. Seither stehen die Delitzscher Eschen unter Beobachtung, denn der für die Krankheit verantwortliche Pilz ist weiter aktiv. Ein Massensterben wie in Rheinland-Pfalz gibt es in Nordsachsen jedoch nicht.

Kataster erfasst alle Bäume

Wie die Stadtverwaltung mitteilt, würden häufig Zweistämmigkeit und Zwiesel (Baumgabelung aus zwei Trieben) im Kataster genannt, das seit 2013 existiert

Gespaltener Baum in der Loberaue

Gespaltener Baum in der Loberaue.

Quelle: Stadtverwaltung Delitzsch

und die Bäume dokumentiert. Besonders ein V-Zwiesel könne gefährlich werden und bedürfe größerer Aufmerksamkeit. Durch ihn könne der Baum sprichwörtlich auseinanderklappen.

Meist sind es verschiedene Gründe, die ineinander spielen: Pflegefehler kritisiert beispielsweise die Bürgerinitiative „Grünes Delitzsch“. Nachgewiesen ist, dass Pflegefehler zu Fäule führen können. Diese wiederum verursacht Vermorschungen im Inneren, was zu Instabilität führt – ein Grund für die Entnahme des Baumes.

„Leider ist es aber auch so, dass Kinder und Jugendliche ihr Unwesen mit Bäumen treiben und diese derart malträtieren, dass keine Chance auf Überleben mehr bleibt, obwohl sie zäh sind. Oft haben Bäume auch einfach ihr Alter erreicht und die Bürger nehmen den Platz, den eine kolossale Pappel freigibt ganz anders wahr, als wenn es der kleine Rotdorn ist, der im Straßenbild nun fehlt“, sagt Jan Matussek, der im Rathaus für das öffentliche Grün verantwortlich zeichnet.

Auch Pilze und Insekten bringen Bäume zu Fall

Neben vergreisten Bäumen nennt er vor allem Vermorschungen tief im Inneren oder im Wurzelbereich, die zum Absterben führen oder Bäume verkehrsunsicher machen. Nur in Teilen gehe diese Erscheinung auf den Wiederanstieg des Grundwassers zurück. Häufig seien es Baustellen, verdichteter Boden oder Kappungen ober- und unterirdisch, die dazu führten. Auch natürliche Ursachen, wie Pilze und Insekten, bringen Bäume zu Fall.

„In Delitzsch gehen Bäume ab, aber nicht aus!“, betont Matussek und zieht einen Vergleich: Mit über 17 000 Bäumen und 25 000 Einwohnern habe die Kleinstadt im Verhältnis zu Frankfurt am Main zwar weniger Bäume auf der Fläche, aber dafür dreimal mehr Gehölze pro Einwohner.

In der Stadt kümmert sich eine Fachkraft, unterstützt von einem Baumpflegerteam, um die Bäume. Bei Neupflanzungen würden die veränderten und besonderen Bedingungen in der Stadt berücksichtigt, damit Delitzsch eine grüne Stadt bleibe, so die Verwaltung.

Von Thomas Steingen

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