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Delitzsch Amtsgericht Eilenburg: Geldstrafe für Misshandlung von Schutzbefohlenen
Region Delitzsch Amtsgericht Eilenburg: Geldstrafe für Misshandlung von Schutzbefohlenen
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09:06 07.10.2016
Das Amtsgericht Eilenburg. Quelle: Wolfgang Sens
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Eilenburg

Das Urteil des Eilenburger Amtsgerichtes nahm Maika H. scheinbar unberührt hin, dabei wünschte man sich, dass sie wenigstens jetzt eine Regung des Bedauerns, auch der Entschuldigung zeigt. 780 Euro Geldstrafe muss sie zahlen, hinzu kommen noch die Kosten des Verfahrens. Eine Menge Geld für die Hartz-IV-Empfängerin. In der Beweisaufnahme und in der Befragung etlicher Zeugen wurde schließlich deutlich erkennbar, dass sich die 25-Jährige der Misshandlung von Schutzbefohlenen durch Unterlassung schuldig gemacht hat.

Richterin Carmen Grell sah es als erwiesen an, dass die junge Frau der Pflege der Mutter ihres Freundes in einer Schkeuditzer Wohnung über einen längeren Zeitraum nur unzureichend nachkam. Insbesondere die Nichtversorgung der pflegebedürftigen Frau mit Essen und Getränken führten dazu, dass sie in einen Zustand geriet, der mehrfache Einweisungen ins Krankenhaus erforderlich machte. Die wollte der Lebensgefährte von Maika H. jedoch regelmäßig verhindern, weil er, auch das kam heraus, in der Wohnung nicht gemeldet war und von dem Geld der Mutter einfach nur lebte, ohne etwas dafür zu tun.

Trostloses Zimmer

Maika H. war ihm zudem hörig, wie Zeugen, vor allem Mitarbeiter des Pflegedienstes, wiederholt bestätigten. Sie habe auch einen eingeschüchterten, verängstigten Eindruck auf sie gemacht. „War der Lebensgefährte nicht im Raum, konnte man mit ihr ganz normal sprechen, sie nahm auch scheinbar dankbar Hinweise an, doch umgesetzt hat sie sie wohl nicht, wie wir regelmäßig feststellen mussten“, so eine Zeugin.

Sie berichtete auch von einem trostlosen Zimmer, in dem die Patientin lag. „Im Raum war lediglich das Pflegebett und ein Beistelltischchen. Kein Bild an der Wand, keine Blumen.“ Auch durften sie nicht selbst das Bad oder andere Zimmer der Wohnung betreten. Warum, kam dann aber doch raus. Die Wohnung machte insgesamt einen verwahrlosten Eindruck. „Haben wir sonst die Überzieher über die Schuhe gemacht, um nichts schmutzig zu machen, so war es dort andersherum“, schilderte eine Krankenschwester, die die Patientin medizinisch versorgte. Überall hatten die Exkremente der Katzen herumgelegen, es stank widerlich. Auch waren die Katzen während der Pflege ständig auf dem Bett der Patientin.

Nasse Matratze

Über all das hätten die Pflegekräfte, die zum Schluss dreimal in der Woche kamen – an allen anderen Tagen wollte Maika H. die Aufgabe übernehmen – hinweggesehen. Dass die alte Frau jedoch nahezu immer auf einer nassen Matratze lag, war ihnen dann doch zu viel.

Die Reißleine zog schließlich die Tochter der Pflegebedürftigen. Sie holte die Mutter aus der Wohnung, besorgte einen Platz im Heim. Dort wollte die Mutter schon immer hin, bat förmlich alle, mit denen sie noch Kontakt hatte, darum: „Ich will hier nur raus“, soll sie immer wieder gebettelt haben. Die Tochter, selbst in der Altenpflege tätig, hatte jahrelang keinen Kontakt zur Mutter, wähnte sie noch in einem guten Zustand, obgleich sie wusste, was für ein Mensch ihr Bruder ist: Ein Schmarotzer, der auf Kosten anderer lebe. Er habe es damals getan und tut es womöglich heute noch. „Das Gericht konnte bislang den Aufenthaltsort des Mannes nicht ermitteln, aber wir bleiben dran. Da können Sie sicher sein“, erklärte Richterin Grell. Eigentlich waren er und Maika H. gemeinsam angeklagt gewesen, doch weil sich der Ex-Freund absetzte, möglicherweise jetzt in Holland ohne Anmeldung lebt, wurden die Verfahren getrennt. Die pflegebedürftige Patientin liegt derzeit in einem Berliner Heim im Sterben.

Von Ditmar Wohlgemuth

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