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Andreas Kirchberg bereits in dritter Generation Kutscher in Delitzsch

Der letzte Kutscher Andreas Kirchberg bereits in dritter Generation Kutscher in Delitzsch

Andreas Kirchberg, er fühlt sich als der letzte Cowboy von Delitzsch, will Kremserfahrten anbieten, solange es seine Gesundheit zulässt. Momentan ist Hochsaison für ihn. Sicherheit sei für ihn oberstes Gebot, deshalb stecke er auch viel Geld in die Instandhaltung seiner Kutschen und Kremser.

Andreas Kirchberg – er fühlt sich als der letzte Cowboy von Delitzsch.

Quelle: Alexander Prautzsch

Delitzsch. Ein Pferdestall, fast schon ein kleines Gestüt, inmitten einer Stadt ist eher ungewöhnlich als typisch. Andreas Kirchberg, Geburtsjahr 1960, betreibt in der Lindenstraße eine solche Anlage jetzt in dritter Generation und sieht derzeit auch keinen Grund, damit aufzuhören. „Warum, ich kann ja nichts anderes so gut, wie mit Pferden umzugehen“, sagt der Vater von Zwillingen. Dass er in der Winterzeit nebenbei für eine Spedition Lkw fährt und damit auch seinen Lebensunterhalt sichert, erwähnt er nur ganz nebenbei.

Sechs Pferde im Stall

Momentan ist Hochsaison für ihn und seine sechs Pferde, alle im besten Alter. Kremser- und Hochzeitsfahrten bestimmen seinen Tagesablauf. „Manches mal geht es früh um 6 Uhr los und bin erst um 22 Uhr mit allem fertig“, sagte der letzte Kutscher von Delitzsch, der seinen Job liebt. Es gebe ja auch Zeiten, in denen es sehr entspannt zugehe. Andreas Kirchberg selbst sieht sich als der letzte Cowboy von Delitzsch, deshalb gibt es ihn auch nur mit entsprechendem Hut. Quasi sein Markenzeichen. Tatsächlich sollen im jetzigen Pferdestall auch mal Kühe untergebracht gewesen sein.

Unfall mit Lehrlingspferden

Seit 1974 sind die Kutschfahrten und die Pferdezucht sein Lebensinhalt. Darauf hat er sich aus- und eingerichtet. Er gehört mit seinem Pferdegespann seit Jahrzehnten zum Bild der Loberstadt. Allerdings hatte er in jüngster Zeit auch etwas Pech und Ärger mit den Behörden. Beim Heu-Transport mit einem Wirtschaftswagen kippte kürzlich die ganze Fuhre in der Securiusstraße um. Die sogenannten Lehrlingspferde, unerfahren im Gespannfahren, waren ihm durchgegangen. Jetzt steht sogar Fahrerflucht im Raum. Er habe die Unfallstelle pflichtwidrig verlassen, hieß es von der Polizei. „Es stimmt, ich habe die Pferde ausgespannt und habe sie in den Stall gebracht. Was hätte ich anderes machen sollen?“, sagte der Mann mit Unschuldsmiene, der immer wieder froh ist, wenn er mit seinen Pferden wohlbehalten den Stall erreicht. Pferde, schon gar keine, die völlig aufgebracht sind, könne man nicht einfach an irgendeinen Zaun binden und dann warten, bis die Polizei komme, meinte er. „Ich bin ja auch sofort zurückgekehrt“. Wie die ganze Sache letztlich ausgeht, weiß der Kutscher nicht. Er wird abwarten müssen.

In Sicherheit investiert

Dass er mitunter ein lockeres Mundwerk hat und dass er sich damit nicht unbedingt Freunde macht, weiß der Mann. „Im Nachhinein tut es mir dann oft leid, weil es auch nicht so gemeint war“, sagte Kirchberg. Möglichst lange will der 57-Jährige auf dem Bock sitzen. So lange es die Gesundheit zulässt. Der Grund klinkt einleuchtend. „Ich bekomme mal 179 Euro Rente.“ Um zu leben, muss er weiter mit seinen Pferden arbeiten. Ob sich der Job rechnet, verneint Kirchberg sofort. Natürlich käme durch die Kremserfahrten schon Geld in die Kasse, aber wenn er gegenrechne, was er hineinsteckt, bleibe kaum etwas übrig.

Kutschenführerschein machen

Auch die Instandhaltung der Kutschen koste nicht wenig Geld. Auf die Sicherheit seiner Gespanne lege er viel wert. „Ich könnte es mir nie verzeihen, wenn einem meiner Fahrgäste etwas passiert“, betonte der Kutscher aus Leidenschaft. Aus dem Grund werde er in Kürze auch seinen Kutscherführerschein auffrischen. „Ich habe zwar einen, aber der ist schon ziemlich alt“, merkte Kirchberg an. Wenn er denn einen Wunsch frei hätte, wäre es der, dass die Autofahrer vielleicht ein wenig mehr Rücksicht auf die Pferde im Straßenverkehr nehmen. Er sei mit seinem Gespann genauso ein Verkehrsteilnehmer wie jeder andere und so wolle er auch behandelt werden.

Von Ditmar Wohlgemuth

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