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Angelköder aus Pohritzsch

Angel-Ausrüstung Angelköder aus Pohritzsch

Wenn Angelfans in Michael Bartels’ Lager schauen, dann bekommen sie glänzende Augen. Denn der 44-Jährige betreibt von Pohritzsch bei Delitzsch aus einen Online-Versandhandel für Angler-Ausrüstung. 2500 Artikel bietet er an, vor allem Angelköder. Und viele davon hat er selbst entworfen.

Michael Bartels in seinem Lager.

Quelle: Wolfgang Sens

Pohritzsch. . Leidenschaftliche Angler wissen es längst, andere lässt es naturgemäß kalt. Wer Erfolg beim Angeln haben will, braucht neben der Geduld vor allem eine 1a-Ausrüstung. Nicht nur das passende Angelgerät ist entscheidend, auch das ideale Angelzubehör müsse man dabeihaben. „Nicht zuletzt entscheiden die Köder, ob man den Fisch bekommt, auf den man es abgesehen hat“, weiß Michael Bartels aus Pohritzsch.

Dass der 44-Jährige heute mit MB Fishing einen erfolgreichen Online-Shop mit genau diesem Angelequipment führt, auf den es bereits knapp zwei Millionen Zugriffe gab, ist eigentlich nur einem Umstand zu verdanken: Der aus der Nähe von Nordhorn stammende Petrijünger Bartels hatte irgendwann mal Langeweile. „Angefangen hat es mit drei Kartons, aus denen ich Bissanzeiger für Karpfenangler verkaufte“, erinnert sich der gelernte Industriekaufmann. „Dann spezialisierten wir uns auf Angelköder und hatten dabei offenbar genau den richtigen Riecher.“ Denn mit dem mittlerweile legendären Stint Shad, einem Gummifischköder für Raubfische, hatte er Erfolg. Der Köder ließ sich verkaufen wie geschnitten Brot.

Angelköder

Angelköder

Quelle: Wolfgang Sens

„Er war damals für mich der Verkaufsrenner“, sagt Bartels. Dabei war dieser Köder keineswegs neu, es gab ihn bereits vor 30 Jahren. Deshalb nimmt der Pohritzscher für sich keineswegs in Anspruch, diesen Köder entwickelt zu haben. „Andere tun das leider und es ärgert mich“, betont der Mann, dem Ehrlichkeit ein sehr hohes Gut ist. Eines will er dennoch nicht unter den Tisch kehren: Den Verkaufsrenner hat er über die Jahre in Form und Farbe immer wieder weiterentwickelt, hat Unmengen an Erfahrungen einfließen lassen. So sind die heutigen Exemplare deutlich stabiler, insbesondere an der Schwanzflosse. Die war früher extrem anfällig, brach oft ab.

Die neuen Modelle konnte er natürlich unmöglich alle selbst testen, wie er einräumt. Bis 1. März dieses Jahres arbeitete Michael Bartels mit Veit Wilde, einem der bekanntesten Raubfischprofis Deutschlands, zusammen. Auch dessen Wissen floss in die Entwicklung neuen Zubehörs ein. Nun aber gehen sie getrennte Wege. Auch andere Angler probieren Bartels selbst entwickelte Köder aus. „Ich selbst komme leider fast nicht mehr zum Angeln“, sagt der Geschäftsmann und bedauert es sehr.

Angelköder

Angelköder

Quelle: Wolfgang Sens

Heute bietet er in seinem Online-Shop etwa 2500 Artikel an, 1800 davon sind Eigenentwicklungen. Er lässt sie unter eigenem Namen herstellen. Dass diese Produkte immer mal wieder von anderen kopiert werden, damit hat er gelernt umzugehen. Patente anzumelden, schaffe auch nicht mehr Sicherheit und sei vor allem zu teuer. Dennoch ist ihm eine Begegnung noch sehr deutlich im Gedächtnis und auch sehr nahegegangen. Irgendwann einmal hatte sich ein Mann bei ihm zu einem Beratungsgespräch angemeldet. „Als Privatperson, eben als interessierter leidenschaftlicher Angler.“ Michael Bartels dachte sich nichts Schlechtes und erzählte ausführlich, gab teils auch sein Fachwissen preis. Allerdings musste er für seine Freizügigkeit und Vertrauensseligkeit wie in diesem Fall Lehrgeld zahlen. Heute gehört genau dieser Mann zu den bundesweit agierenden Mitbewerbern und macht ihm Konkurrenz.

Angelköder

Angelköder

Quelle: Wolfgang Sens

Michael Bartels nimmt es sportlich. Qualität und vor allem ein vernünftiges Preisleistungsverhältnis setze sich durch, ist er sich sicher. Die Zahlen geben ihm recht. In den Anfangsjahren fand er durch Zufall ein äußerst hochwertiges Fluorocarbon-Vorfach, von dem vielleicht in zwei Jahren 200 Stück verkauft wurden, heute sind es mehr als 1000 in zwölf Monaten. „Das ist für mich ein absoluter Glücksfall“, sagt Bartels. Dieses Vorfach ist speziell gehärtet und von Hechtzähnen kaum zu knacken. Zudem sei es etwas steifer als vergleichbare Vorfächer. Das habe zur Folge, dass sich der Köder sehr natürlich im Wasser bewegt.

Hauptabsatzgebiete sind längst nicht mehr nur Deutschland, Österreich und die Schweiz, sondern verschickt wird in ganz Europa. Bis zu 1000 Gummifische verlassen teils pro Tag das Pohritzscher Versandlager. Das gibt es erst seit 2011. Zwischenstationen waren bis dahin Köthen und Zschepplin. Aus Köthen ist Michael Bartels freiwillig weggezogen, weil man „mich dort offenbar nicht haben wollte“. In Zschepplin bewohnte er ein Mietshaus, das Lager war im Keller. Unpraktisch, wie er fand. Die nächste Veränderung stand an.

Angelköder

Angelköder

Quelle: Wolfgang Sens

Den jahrelang nicht mehr bewirtschafteten Dreiseitenhof in Pohritzsch hat er mit seiner Frau Ina erworben. Seit 60 Jahren wurde an den Gebäuden nichts mehr gemacht. „Ein Glücksumstand war, dass wir den Hof vom Eigentümer direkt kaufen konnten“, fand Michael Bartels. Seitdem wird um- und ausgebaut. Der Zustand Baustelle werde auch noch eine ganze Weile anhalten. Jeder erwirtschaftete Gewinn fließe wieder in das Ein-Mann-Unternehmen, speziell natürlich in die Gebäude. Dass ihm dabei seine Kumpels Jens und Mirko tatkräftig helfen, verschweigt er nicht, freut sich im Stillen sehr darüber. Mit diesem Engagement wird der dörfliche Charakter in Pohritzsch erhalten.

Den Shop vor Ort, den er vor nicht langer Zeit auch mit Regalen aus der Schlecker-Insolvenz eingerichtet hatte, wandelte er in ein reines Versandlager um. Es habe sich einfach nicht gelohnt, bei drei, vier Leuten, die im Jahr vorbeikommen. Jetzt ist der Shop Lager und auch Präsentationsfläche. „Das ist Zalando für Männer“, bemerkt Ehefrau Ina. Sie habe schon so manchen durch die Regalreihen gehen sehen, dem vor Verzücken die Augen glänzend wurden.

Angelköder

Angelköder

Quelle: Wolfgang Sens

Es ist tatsächlich ein Eldorado für Angler. Produkte von MB Fishing gibt es aber auch in ausgewählten Angelshops deutschlandweit. Momentan sind es um die 80 Läden. „Ich beliefere nur die, die auch die entsprechende Kompetenz haben, die Kunden in meinem Sinne zu beraten.“

Michael Bartels verkauft aber nicht nur Angelequipment, sondern vertritt auch eine Philosophie, die Respekt vor dem Tier heiß. Er tritt dafür ein, Fische mit Bedacht den Gewässern zu entnehmen. Aber nicht nur deshalb war er im vergangenen Jahr vielleicht sechsmal am Wasser, bevorzugt an der Mulde und an der Zscheppliner Kiesgrube. „Es bleibt einfach keine Zeit“, sagt der Mann, der andere Angler mit seinen Produkten glücklich macht.

Üblicherweise beginnt der Arbeitstag für Michael Bartels um 6.30 Uhr. Bis 14 Uhr wird quasi im Akkord verpackt, seine Frau unterstützt ihn dabei, wenn sie nicht selbst gerade im Job ist. Am Nachmittag ist dann zumeist Bürozeit angesagt. Buchhaltung und die Korrespondenz mit den Lieferanten. Die kommen fast ausschließlich aus dem asiatischen Raum, aus Korea, Japan und vor allem China. Jeden Tag durchstöbert der Pohritzscher dortige einschlägige Internetseiten, lässt sich etliche Proben – egal ob Haken, Köder oder Rolle – schicken und gibt sie an befreundete Angler weiter. Die testen ausgiebig. Hält ein Produkt den Anforderungen stand, kommt es in die engere Wahl und es beginnt womöglich ein Verhandlungsmarathon mit dem Hersteller. „Das passiert alles in Englisch.“

Angelköder

Angelköder

Quelle: Wolfgang Sens

Michael Bartels hat mittlerweile aber einen ganzen Stamm von Herstellern, die er regelmäßig auch vor Ort besucht. Alle zwei, drei Jahre reist er deshalb nach Asien, sieht genau hin, wie produziert wird und ob zum Beispiel Arbeits- und Umweltschutzstandards erfüllt werden. Bislang hat er keine gravierenden Dinge beobachten müssen.

Auf Messen, auf denen er ebenso regelmäßig als Besucher auftaucht, wird er bei manchen Ausstellern allerdings nicht so gern gesehen. „Ich prüfe schon mal sehr genau, ob beispielsweise Karpfenkescher auch das halten, was sie versprechen“, sagt er. Manche gingen schon beim ersten Test kaputt, andere beim zweiten. Von zehn blieb einer heil. Ihm scheint in solchen Momenten, dass die Chinesen nicht wissen, was sie da wirklich bauen. Seine Vorgaben an die Produzenten sind deshalb sehr detailgenau und präzise. „Dann klappt es auch mit der Qualität“, weiß er. Mittlerweile haben die Gummifische materiell abgespeckt, geplant sei, sie aus noch umweltfreundlicherem Material herzustellen. Schon heute halten sie deutlich länger als die Vorgänger. Konnten bislang 20 Fische mit einem Köder gefangen werden, so sind es mit den neuen mindestens 70. „Eigentlich sollte das für meinen Umsatz schlecht sein, doch ich erlebe genau das Gegenteil. Gerade jetzt zum Saisonstart gehen die Bestellungen fast schon im Minutentakt ein“, stellte der Kaufmann fest. MB Fishing ist natürlich auch als Aussteller auf Messen gefragt, insbesondere in Magdeburg. Ob es auch in Leipzig klappt, ist noch offen. „Da sind die Gespräche noch ganz am Anfang“, macht Bartels deutlich.

Der Pohritzscher fährt geschäftlich nicht eingleisig, sondern betreibt noch einen Palettenhandel. In diesem Jahr sind es genau 20 Jahren. Beide Geschäftsfelder bedient er gleichberechtigt, wie er sagt. Bald wird er allerdings seine Zeit noch besser einteilen müssen. Nachwuchs hat sich in der Familie Bartels angesagt. Dann ist noch mehr Leben auf dem Hof. Er wird es verkraften.

Von Ditmar Wohlgemuth

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