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Angetrunken Telefonzelle gesprengt

Angetrunken Telefonzelle gesprengt

Mit gewaltigem Krach explodierte am 22. Dezember gegen 2.15 Uhr eine Telefonzelle im Delitzscher Ortsteil Spröda und trieb die Anwohner aus den Betten. Der erste Tag im Prozess gegen sechs 20- bis 25-Jährige aus Delitzsch und Radefeld wegen gemeinschaftlicher Herbeiführung einer schweren Sprengstoffexplosion rollte das Geschehen vor dem Amtsgericht Leipzig nun noch einmal genau auf.

Delitzsch. Frenetisches Beifall-Geheul von sechs jungen Leuten – festgehalten in Handy-Aufnahmen von einem der Täter – schallte in die Nacht. Dann stürzte die von ihrer zerstörerischen Tat offensichtlich begeisterte Meute zu zwei Autos und gab Fersengeld. Die Telefonzelle wurde völlig zerfetzt, die Polizei nahm im ersten Schadensbericht noch zerbrochene Fensterscheiben in einem nahe gelegenen Haus und einen demolierten Stromkasten zu Protokoll. Der Sachschaden belaufe sich auf mehrere tausend Euro.

Die Polizei ermittelte die Bombenleger schnell. Noch vor Weihnachten musste der erste Tatverdächtige in Untersuchungshaft, die anderen Festnahmen erfolgten in den nächsten Tagen (wir berichteten). In den Vernehmungen wie vor dem Gericht konnten die Beteiligten kein richtiges Motiv ihres gemeingefährlichen Handelns angeben. Freude am Knall, am Zerstören? Vier bestritten, aktiv gewesen zu sein und nur aus Dummheit und Kameradschaft mitgemacht zu haben und mitgefahren zu sein, ohne aber ein Wort gegen die Aktion ausgesprochen zu haben.

Der angebliche Tippgeber unter ihnen – übrigens stand auch der gläserne Aufzug am Delitzscher Bahnhof als Ziel der Bombenzündung in der Diskussion – wie auch der Haupttäter, der die Bombe zum Treffen mitgebracht und dann in der Telefonzelle gezündet hatte, blieben vor Gericht stumm. Eine für Höhenfeuerwerke gedachte, nur in Tschechien oder Polen auf Märkten erwerbbare und für den Laien in Deutschland nicht erlaubte eiförmige Kugelbombe, mindestens zehn Zentimeter breit und 20 Zentimeter groß, ermittelten die Kriminalisten als Ursache der Explosion anhand der Überreste. Bei Hausdurchsuchungen wurden bei einigen der Beteiligten weitere dutzende Feuerwerkskörper aller Art sichergestellt. Aus einem angeblich, so einige der Mittäter, angestrebten Feierabendbier war ein gefährliches Sprengstoffexperiment mit hohem Sachschaden entstanden, das laut Strafgesetzbuch mit empfindlichen Strafen (im Extremfall mehrere Jahre Gefängnis) geahndet werden kann. Unsachgemäßes Hantieren mit Sprengstoff stelle, so das Gericht, eine lebensgefährliche Tat dar, für Täter, Mittäter und Unbeteiligte, die sich zufällig in der Nähe aufhalten.

Der Anwalt des Haupttäters regte am Ende des Prozesstages überraschend noch ein Gutachten durch Sachverständige für seinen Mandanten an, ob dieser nicht durch übermäßigen Alkoholgenusses weder zurechnungsfähig noch für die Tat verantwortlich zu machen sei. Die Richterin zeigte sich skeptisch, was die Erfolgsaussichten betraf – schließlich habe junge Mann die ganze Verhandlung über kein Wort gesagt. Das Anliegen werde aber geprüft. Der Prozess wird am 30. Oktober und am 6. November fortgesetzt.

Hellmut Mauersberger

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