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Annabell und Marcel stehen als Bufdis hinter der Theke im Delitzscher Jugendhaus Yoz

Bundesfreiwilligendienst Annabell und Marcel stehen als Bufdis hinter der Theke im Delitzscher Jugendhaus Yoz

Bundesfreiwilligendienst. Ein sperriges Wort. Für Annabell Kunze und Marcel Rothe aber eine große Chance. Die beiden 19-Jährigen sind gerade Bufdis im Delitzscher Jugendhaus Yoz, unterstützen dort die Arbeit des DRK und sammeln wichtige Erfahrungen – schließlich waren sie selbst mal Gäste im Jugendhaus im Delitzscher Norden.

Annabell Kunze und Marcel Rothe sind Bufdis im Delitzscher Yoz.

Quelle: Wolfgang Sens

Delitzsch. Das Yoz in Delitzsch, ein Bau zwischen rauschender Umgehungsstraße auf der einen und Plattenbausiedlung sowie Stadtwerken auf der anderen Seite. Graffiti zieren die Wände. Draußen ziehen Skateboarder ihre Runden. Drinnen hocken ein paar Jugendliche auf Sofas und quatschen. Billardkugeln knallen aneinander. Musik dröhnt aus Lautsprechern. Yoz steht für „Youth Only Zone“. Für Annabell Kunze und Marcel Rothe ist das Yoz jetzt Arbeitsalltag. Und eine große Chance. „Es ist eine Überbrückung“, sagt sie. „Eine Erfahrung“, sagt er.

Beide sind 19 Jahre alt. Beide waren sie selbst Gäste im Treffpunkt, der seit Ende der 1990er-Jahre zweite Heimat für jährlich mehr als 30 000 Besucher im Kindes- und Jugendalter ist. 2009 übernahm der Kreisverband Delitzsch des Deutschen Roten Kreuzes das Haus. Da waren Annabell und Marcel selbst noch Kinder und einiges entfernt vom Yoz. Mit 14, 15 Jahren kamen sie dann regelmäßig hierher. „Mit neun stand ich noch auf dem Fußballplatz, dann kam eben die Skater-Anlage“, sagt Marcel Rothe.

Marcel, der Techniker

Marcel, der Techniker: Im Yoz kümmert er sich um die Bühnentechnik, möchte später mit einer neuen Ausbildung an die Erfahrungen anknüpfen.

Quelle: uelle: Wolfgang Sens

Er ist im Delitzscher Norden groß geworden, das Yoz war nur ein paar Minuten Fußweg entfernt. Also kam er nach der Schule hierher, um seine Kumpels zu treffen. „Das war und ist eben wirklich nur für Jugendliche“, sagt der 19-Jährige, „man kann Billard spielen und solche Sachen, einfach Zeit mit Freunden verbringen.“ Lieber hier als zu Hause habe sie ihre Zeit verbracht, erzählt Annabell. Die junge Frau wuchs im Delitzscher Osten auf. „Dort gibt es ja leider keinen Jugendtreff oder einen Club“, bedauert sie. Ihre beste Freundin lud sie dann ins Yoz ein.

Heute machen Marcel und Annabell die Jobs, die sie früher einfach nur nutznießend genossen haben. „Im Vergleich zu anderen Bufdi-Stellen ist unser Alltag aber noch recht chillig“, weiß die 19-Jährige. Wer im Fahrdienst arbeite, müsse immerhin schon ab sieben Uhr morgens eine Tour nach der anderen bewältigen. Für Annabell und Marcel beginnt der Tag in der Regel um 11.30 Uhr. Werktags öffnet das Yoz erst 14 Uhr, in den Ferien auch mal früher. Zunächst müssen Getränke und Essensvorräte der Bar aufgefüllt werden. Sind die Gäste da, sind die beiden beste Ergänzung der beiden Sozialarbeiter im Yoz.

Annabell Kunze betreut als Bufdi auch das PC-Kabinett

Annabell Kunze betreut als Bufdi auch das PC-Kabinett.

Quelle: Wolfgang Sens

Die 19-Jährigen kümmern sich um die Kinderbeschäftigung. Sie basteln und spielen mit den Kleinen, spielen Basketball mit den Älteren, betreuen das PC-Kabinett. Aber sie drängen sich nie auf: „Wer beschäftigt werden will, der meldet sich schon“, hat Marcel beobachtet. Tickt die Uhr gen 18 Uhr müssen die Kinder unter 14 das Jugendhaus verlassen. 21 Uhr ist dann Schluss. Manchmal trösten Annabell und Marcel auch gefrustete Teenager – ein paar aufmunternde Worte auf Augenhöhe helfen viel. Wer könnte einen Teenager wohl besser verstehen als ein Teenager? Nur, dass die Zwei eine Spur erwachsener an alles gehen. Während der Ferien organisieren und betreuen sie zudem zusammen mit den beiden festen Sozialpädagogen Ausflüge und Angebote.

Seit Mai 2015 ist Annabell Kunze Bufdi. Angefangen hatte sie zur Überbrückung. Unter ihrer Lehre zur Krankenpflegehelferin hatte sie sich was anderes vorgestellt, schmiss hin. Und wollte was Vernünftiges machen, statt beim Umorientieren nur Däumchen zu drehen oder Däumchen bei Facebook zu verteilen. Wie das die jungen Leute von heute eben sonst so machen würden. „Ich kann gut mit Kindern“, weiß die Schwester zweier jüngerer Geschwister. Praktika in Kindereinrichtungen habe sie auch schon gemacht. Und so ein Bundesfreiwilligendienst, der mache sich auch gut im Lebenslauf. Also bewarben sie sich, als das DRK die Stellen als Bufdis ausschrieb.

Bufdi-Dienst als Überbrückung

Auch Marcel überbrückt im Yoz Zeit. Auf die sinnvolle Art. Er war mitten in seiner Ausbildung zum technischen Modellbauer, da kam im zweiten Lehrjahr die Hiobsbotschaft: Kunststoff- und Stauballergie. Untragbar in seinem Traumjob. Im August stieg er also ebenfalls als Bufdi im Yoz ein. Parallel schaut er sich nach einer neuen Ausbildungsstelle um. In der Metallverarbeitung vielleicht. Oder als Mechatroniker für Klimatechnik.

„Wir waren früher anders“, sagen die beiden heute und müssen selbst schmunzeln über ihren „Früher war alles besser“-Tenor aus dem Munde 19-Jähriger. „Aber es stimmt einfach, wir waren früher anders“, bekräftigt Annabell Kunze. Weniger aufmüpfig sei ihre Generation gewesen. Weniger fordernd. Nicht so frech. Gewählter in der Wortwahl. Nicht so derb im Verbalen. „Ich musste hier schon Hausverbote erteilen“, sagt Annabell. Nur am Anfang sei es ihr ein wenig schwer gefallen, die Autoritätsperson zu sein – nun gehört es für sie zum Alltag. Fürs Selbstbewusstsein – mindestens – hat ihr das knappe Jahr im Yoz schon viel gebracht.

Schon Hausverbote erteilt

„Ich trage mehr Verantwortung und bin eine Autorität“, sagt Annabell. Drei Ermahnungen und dann wird man von ihr vor die Tür gesetzt, missachtet man Regeln oder benimmt sich unhöflich, kommt man eine Weile nicht mehr an Annabell und Marcel vorbei. Verweise und Hausverbote haben die 19-Jährigen so schon erteilt. Teilweise an Leute, die sechs Jahre älter waren als sie. „Darin sehe ich kein Problem“, betont Annabell Kunze.

„Das macht nicht wirklich was, es gehört doch zu unserem Job“, pflichtet ihr Marcel Rothe bei. Eine gewisse Basis hätten sie sich aufgebaut, heißt es aus dem festen Team des Yoz. Freundlich aber bestimmt gehen die Teenager an jede ihrer Aufgaben. Mit freundschaftlicher Basis klappt es, auch mal den „Bestimmer“ zu geben.

Die Zeit im Yoz hat die junge Delitzscherin Annabell sogar nochmal verlängert, wird bis Juni bleiben und noch an Seminaren – so wollen es die Statuten des Bundesfreiwilligendienstes – teilnehmen. Danach will sie eine Lehre in der Gastronomie anfangen, mit ihrem Freund nach Leipzig ziehen. Annabell spricht und handelt wie eine Frau Mitte 20. Und auch Marcel ist erwachsener geworden. „Ich möchte die Zeit hier nicht missen“, sagt Annabell. Und eines ist – aus Teenagersicht – dann doch ganz besonders gut: „Wir haben sonst vor der Theke gestanden, jetzt stehen wir dahinter – das ist schon ziemlich cool.“

Von Christine Jacob

Delitzsch Sachsenstraße 6 51.5378191 12.3279303
Delitzsch Sachsenstraße 6
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