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Aufregung in Selben: Erntefahrzeuge verschmutzen immer wieder die Straße

Aufregung in Selben: Erntefahrzeuge verschmutzen immer wieder die Straße

Immer wieder kommt es vor, dass landwirtschaftliche Fahrzeuge Straßen verschmutzen. Dass passiert, wenn sie von den Feldern auf öffentliche Straßen fahren, aber auch beim Durchfahren von Ortschaften, wenn von den Hängern Stroh oder gehäckselter Mais rieselt.

Im schlimmsten Fall verteilen sich die Schnipsel nicht nur auf der Fahrbahn, sondern ebenfalls auf angrenzende Grundstücke. So kürzlich in Selben, wie Christine Adam im Namen von Anwohnern der Langen Straße in der jüngsten Ortschaftsratssitzung kritisierte. "Können die Traktorfahrer ihre Hänger nicht mit einem Netz oder einer Plane abdecken, sodass nichts durch den Fahrtwind von den Hängern fallen kann?", fragte die Ortschaftsrätin und mahnte an, dass die Traktoren oft ziemlich schnell durch den Ort führen.

Gerichtet war ihre Frage im Besonderen an Gerhard Schladitz, dem Vorsitzenden der Agrargenossenschaft Beerendorf, deren Fahrzeuge für die Verschmutzung verantwortlich zeichneten. Schladitz, der ebenfalls im Ortschaftsrat sitzt, bedauerte diesen und ähnliche Vorfälle und entschuldigte sich, verwies aber im gleichen Atemzug darauf, dass dies in der Erntezeit nicht gänzlich zu vermeiden sei. "Unsere Hänger sind stand der Technik und haben keine Abdeckungen", argumentierte er. Freiwillig hätte die Agrargenossenschaft die Straße sogar kehren lassen. Unterstützung bekam Schladitz von seinem Ratskollegen Udo Müller, der ebenfalls bei einem Landwirt beschäftigt ist. Zu verlangen, in der Ernte die Hänger abzudecken, sei "ein Unding", unterstrich Müller. Zu aller Zufriedenheit geklärt war das Problem damit aber nicht.

Verschmutzte Straßen sehen nicht nur unschön aus, sie können auch zur Gefahr für Verkehrsteilnehmer werden, besonders für Rad- und Krad-Fahrer. Zudem sammelt sich zerkleinertes Stroh und Mahdgut bei Regen in den Straßeneinläufen und verstopft sie. Die Stadtverwaltung Delitzsch verweist in diesem Zusammenhang auf das sächsische Straßengesetz, in dem es im Paragrafen 17 heißt: "Wer eine Straße über das übliche Maß hinaus verunreinigt, hat die Verunreinigung ohne Aufforderung unverzüglich zu beseitigen; andernfalls kann der Träger der Straßenbaulast - in Ortsdurchfahrten die Gemeinde - die Verunreinigung auf Kosten des Verursachers beseitigen." Im Rathaus seien solche und ähnliche Fälle wie in Selben nicht fremd. "Soweit der Verursacher bekannt ist, wird er zur sofortigen Beseitigung der Verschmutzung aufgefordert", so die Stadtverwaltung weiter.

Jeder Fahrer sei verantwortlich, die Ladung seines Fahrzeuges zu sichern, sagt Klaus Kabelitz, Leiter des Delitzscher Polizeireviers. "Das verlangen wir sowohl von Privatpersonen, die mit dem Pkw-Hänger Grünschnitt zur Deponie fahren, aber genauso von Gewerbetreibenden und Landwirten." Zudem müssten verschmutzte Straßenabschnitte beschildert werden, damit Kraftfahrer die Gefahr erkennen. Auf der S 4 zwischen Delitzsch und Mocherwitz haben das Landwirte in dieser Woche vorschriftsmäßig getan.

Christine Richter, Geschäftsführerin des Regionalbauernverbandes in Delitzsch, bricht für die Landwirte eine Lanze. "Selbst wenn im Schritttempo gefahren wird, rieselt immer etwas Ladung runter. Auch Lkw mit Sand verlieren oft Ladung." Sie wirbt deshalb gerade in der Erntezeit um gegenseitige Rücksichtnahme. "Wir leben hier in einer ländlichen Gegend, da gehört die Landwirtschaft einfach dazu." Den Bauern sei nicht an Konflikten gelegen, in der Ernte stünden sie aber unter Zeitdruck, so Richter.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 25.09.2015

Thomas Steingen

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